Keine Panik: Versendete WhatsApp-Fotos bleiben privat

Unfassbar !124
Whatsapp_2014
Whatsapp_2014(© 2014 CURVED)

Keine Sorge, Eure über WhatsApp versandten Fotos werden künftig nicht in Werbeanzeigen auftauchen. Sie werden auch nicht verkauft oder abgespeichert. Entsprechende Meldungen, die in den letzten Stunden die Runde machen, beruhen auf schlampiger Recherche und einer Fehlinterpretation der AGB des Messengers — und schlagen natürlich dieser Tage in eine sehr beliebte Kerbe. Seit gestern stürzen sich zahlreiche große Medien auf einen Bericht des Handelsblatt, nach dem Ihr beim Versand von Nachrichten über den Messenger WhatsApp sämtliche Nutzungsrechte an dabei verschickten Fotos „verschenken“ würdet. Im schlimmsten Fall, so die Horror-Meldung, könnte diese dann ohne Eure Zustimmung öffentlich gemacht und beispielsweise für Werbung verwendet werden. Alles Quatsch und Panikmache, erklärt nun Journalist Andreas Rickman in einem ausführlichen Artikel zum Thema auf seiner Webseite: Im Artikel vom Handelsblatt hat der dort zu Wort kommende Anwalt die AGB von WhatsApp schlicht nicht vollständig verstanden. Seine Analyse, nach der Ihr sämtliche Rechte an Euren Fotos beim Versand abgeben würdet, nährt sich aus einem Absatz, in dem es lediglich um Euer Profilfoto im Messenger geht.

Keine Sorge, Eure versendeten WhatsApp-Fotos sind sicher.

Da dieses je nach den von Euch gewählten Privatsphären-Einstellungen quasi öffentlich angezeigt wird, braucht WhatsApp für diesen Sonderfall die Nutzungsrechte an dem Foto. Diese gebt Ihr beim Akzeptieren der AGB also tatsächlich ab. Dass WhatsApp darüber hinaus Eure Profilfotos zu Werbezwecken nutzt oder gar verkauft, halten wir allerdings für unwahrscheinlich — auch wenn es theoretisch damit natürlich möglich wäre. Die entsprechende Klausel spricht zwar explizit von einer „unlimitierten Lizenz“, diese Profilinformationen „im Zusammenhang mit WhatsApp in allen Medienformaten und -kanälen“ verwenden zu dürfen“ – diese Formulierung entspricht aber dem Branchenusus und findet sich in ähnlicher Form auch bei anderen Anbietern, die mit Nutzerfotos hantieren, wieder. Erstes Fazit: Stellt also trotzdem kein Bild, dass Ihr nicht öffentlich betrachtet wissen möchtet, als Euer Profilfoto ein — unabhängig davon, ob Ihr dieses in den Einstellungen nur mit Euren Kontakten teilt. Wie sieht es denn nun aber mit den Bildern aus, die Ihr in Einzel- oder Gruppenchats versendet? Dazu steht in den WhatsApp-AGB unter Punkt 5:

Zur Klarheit: Direkte Nachrichten, Ortsdaten und Fotos oder Dateien, die anderen WhatsApp-Nutzern gesendet werden, sind nur für diese Nutzer oder Gruppen sichtbar, an die jene geschickt wurden.

Weiter unten erklärt die WhatsApp-Macher auch noch, dass „die Inhalte der Nachrichten, die über WhatsApp versendet wurden, im Normalfall nicht kopiert oder archiviert werden.“ Wir gehen davon aus, dass ein nicht normaler Fall nur dann vorliegt, wenn beispielsweise eine gerichtliche Anweisung zum Inhalt einer Konversation vorliegen würde. Zweites Fazit: Ob man WhatsApp (und in diesem speziellen Fall wie erwähnt auch anderen Anbietern, die private Daten ihrer Nutzer anwendungsbedingt verarbeiten) vertraut oder nicht, liegt immer im Ermessen des Nutzers. Dass sich WhatsApp im Speziellen Eure versendeten Fotos einverleibt und damit fortan Schindluder treibt, ist schlichtweg Blödsinn. Weder baut sich WhatsApp in den AGB dazu ein Fundament, noch dürfte seitens der Macher ein Interesse daran bestehen, mit derartigem Gebaren für Negativschlagzeilen zu sorgen und das Vertrauen seiner Kunden zu verspielen. Wir sind überdies ziemlich sicher, dass Facebook oder WhatsApp, sofern sie tolle Werbefotos haben wollten, dafür nicht auf die privaten Fotos ihrer Nutzer zurückgreifen müssten — egal, wie attraktiv, nackt oder kurios diese darauf abgebildet sein mögen. So bleibt ein drittes Fazit zu ziehen: Grundsätzlich ist es natürlich gut, sinnvoll und sogar Pflicht von Journalisten, datenverarbeitende und -sammelnde Dienste wie WhatsApp, Facebook, Google+ und Co. zu beobachten und auf etwaige Gefahren für private Daten laut und deutlich hinzuweisen; nur nützt unbegründete Panikmache den Nutzern auch nichts. Und Herrn Rickmann gebührt für seine umfassende Analyse und seine Richtigstellung des Sachverhaltes, das hoffentlich zur Beruhigung zahlreicher WhatsApp-Nutzer beiträgt, ein dickes Lob.


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