WhatsApp führt bald Bezahlfunktion ein, Rossmann setzt lieber auf Alipay

Naja !9
WhatsApp wird bald um eine Bezahlfunktion erweitert. Los geht es in Indien.
WhatsApp wird bald um eine Bezahlfunktion erweitert. Los geht es in Indien.(© 2016 CURVED)

Der Facebook Messenger kann es schon, Snapchat ebenfalls und WhatsApp soll bald auch beherrschen: über den Messenger Geld verschicken. Nur nicht in Deutschland.

Die Frage "Kannst du mir mal fünf Euro leihen?" direkt im Messenger mit einer kleinen Überweisung beantworten oder sich mit einem Klick in der Gruppenunterhalt am gemeinsamen Geburtstagsgeschenk beteiligen: Sinnvolle Anlässe für eine Bezahlfunktion in Messengern gibt es genug. Berichten der indischen Webseite The Ken und Bloomberg zufolge kommen die Nutzer von WhatsApp bald auch in diesen Genuss.

WhatsApp statt Ebay Kleinanzeigen

Vorerst aber nur die 200 Millionen Nutzer von WhatsApp in Indien. So viele User hat der Messenger in keinem anderen Land. Kein kleiner Testmarkt, auf dem mit PayTM, hinter dem unter anderem der chinesische Amazon-Konkurrent Alibaba steht, schon ein großer Konkurrent wartet.

Ebenfalls für die Einführung einer Bezahlfunktion spricht, dass die Menschen in Indien WhatsApp nicht nur als Messenger, sondern als digitalen Marktplatz benutzen. Die rechtlichen Hürden für die Geldübermittlungen soll Facebook bereits gemeistert haben und den im vergangenen Jahr von der indischen Regierung gestarteten Unified Payments Service (UPI) nutzen.

In Deutschland lacht das Bargeld immer noch

Selbst wenn die Bezahlfunktion in Indien erfolgreich startet und viel genutzt wird, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Ihr auf absehbare Zeit in Deutschland mit WhatsApp bezahlen oder Geld verschicken könnt. Dafür müsste Facebook auch hierzulande die eine oder andere rechtliche Hürde nehmen und sich Partner für den Zahlungsverkehr suchen.

Falls Ihr es verlockend findet, mit dem Messenger Geld zu überweisen, gehört Ihr allerdings zu einer Minderheit in Deutschland. Hierzulande ist Bargeld immer noch ein sehr beliebtes Zahlungsmittel. Die EC-Karte oder Girocard, wie sie inzwischen heißt, hat sich gerade mal etabliert. Kreditkarten werden vor allem zum Bezahlen im Internet oder im Ausland genutzt.

Snapchat ermöglicht es US-Nutzern nun, per Snapcash Geld zu verschicken(© 2014 YouTube/Snapchat)

Bei dieser starken Fixierung auf Bargeld ist es keine Überraschung, dass Bezahldienste wie Apple Pay, Android Pay und Co. einen Bogen um Deutschland machen. Die Firmen hinter scheuen die nötigen Investitionen in die Infrastruktur.Gleiches gilt für Messenger, von denen noch keiner seine teilweise schon seit November 2014 bestehende Bezahlfunktion nach Deutschland gebracht hat.

Bezeichnend ist auch, dass die Drogeriekette Rossmann heute angekündigt hat, die Kassen seiner über 2000 Filialen in Deutschland mit Alipay auszustatten. Der Bezahldienst von Alibaba ist aber nicht für deutsche Kunden gedacht, sondern für chinesische Touristen. Die geben im Urlaub wohl im Schnitt 3000 Euro für Shopping aus und tragen die Summe nicht gerne in bar mit sich herum.