Wir lieben nicht das Nokia 3310, wir lieben die Erinnerung daran

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Kann nix: das Nokia 3310
Kann nix: das Nokia 3310(© 2017 CURVED)

Eine Woche Mobile World Congress ist rum. Das Highlight? Da waren sich alle einig: ausgerechnet das Nokia 3310. Kein Smartphone, ein Dumbphone. Ein PR-Stunt. Ein romantisch verklärter Witz.

Was es über die Smartphone-Branche aussagt, darüber, dass Nutzer offenbar minderwertige Technik dem allerneuesten Highend vorziehen, darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Sondern darum, warum wir alle gerade so verzaubert sind vom Nokia 3310. Vor ein paar Tagen hätte ich noch gesagt: Weil Retro einfach immer zieht. Nintendo bringt den Classic Mini und legt mit der Switch die Spielidee des GameBoy noch auf. Aber zurück in Hamburg, raus aus dem Messetrubel und nach einem Gespräch mit einer Person, die nicht dem Tech-Zirkus angehört, denke ich anders darüber.

Ja, das 3310 ist eine Reminiszenz. Es ist die Erinnerung an die gute, alte Zeit. Doch sie ist romantisch verklärt. Zumindest scheint die Faszination dieses Handys im Jahr 2017 absurd. Während wir Kritik daran üben, ob und warum nicht Hersteller den brandneuen Highend-Chipsatz, noch mehr Speicher, noch größere Akkus und noch brillantere Displays in immer teureren Smartphones verbauen. In einer Zeit, in der wir nicht schnell genug ins Internet kommen können. Permanent mit Benachrichtigungen aus Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat und Co. aus dem Hier und Jetzt gerissen werden. Und gerissen werden wollen.

So verwundert es mich nicht, dass die meistgestellte Frage zum 3310 eben jene war:

"Kann das auch WhatsApp?"

Nein, es kann nichts. Keine vernünftigen Fotos aufnehmen. Keine Internetseite anzeigen. Keine Songs über Spotify abspielen. Nur Telefonieren und SMS. Aber wer macht das noch? Klar, unsere Eltern und Großeltern. Aber würde uns so ein Gerät wirklich lange begeistern? Es taugt doch maximal als Partygag und Gespräche à la "Weißt Du noch damals auf dem Schulhof, als wir alle Snake gespielt haben?" Dabei ist noch nicht mal das Original-Snake installiert, sondern ein neumodischer Abklatsch. Das Original lässt sich derweil im Facebook Messenger spielen.

Nein, ich bin mir sicher: Keiner von uns würde lange Gefallen an dem Retro-Knochen haben. Es ist ein Gerät fürs heimeigene Museum. Für die Schublade. Dort landet es neben all den Kabeln von Geräten, die wir nicht mehr benutzen – aber vielleicht ja irgendwann nochmal gebrauchen könnten.

Und doch spiele viele von uns mit dem Gedanken, 50 Euro zu investieren für eine Erinnerung an eine Zeit, in der mobile Kommunikation noch Nebensache war. Nicht Hauptsache. In der ständige Erreichbarkeit mehr als Last denn als Lust empfunden wurde. Und in der man keine Erwartungen an die Technik in unseren Händen hatte. Alles war so schön einfach damals. Kein Social Media, kein Mobile-Banking, keine Sorgen um die Sicherheit unserer Daten.

Wohl auch deswegen war das 3310 das Highlight einer Messe, in der die hochgerüsteten Highend-Smartphones Huawei P10, LG G6 und das Xperia XZ Premium um die Gunst der Nutzer kämpften. Dass ausgerechnet ein Anti-Premium-Phone den Stars den Rang abläuft, ist doch Beweis genug: Kein Gerät kann unsere Erwartungen mehr erfüllen. Deswegen wählen wir lieber die Überraschung.

Dass dieses Gerät außer dem Namen nichts mehr mit dem alten Nokia zu tun hat: egal. Dass der Lizenznehmer HMD Global zwar von Nokia-Veteranen geführt wird, aber der Mega-Fertiger Foxconn Produktion und Vetrieb übernimmt: egal. Und dass es sich letzten Endes um allerbilligste Technik handelt, für die selbst 50 Euro noch zu hoch angesetzt sind: egal. Immerhin steht doch Nokia drauf. Wie früher, als alles so schön einfach war.

HMD Global ist der Erfolg zu gönnen. Zumal die neuen Nokia-Smartphones uns durchaus überzeugt haben. Doch wer mit dem Kauf des neuen 3310 liebäugelte, sollte sich die ehrliche Frage stellen: 50 Euro für eine fade Erinnerung an unsere Jugend? Da kauf ich mir doch lieber die Yps...

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