"A Way Out" für PS4 im Test: Koop-Spaß mit kleinen Macken

"A Way Out" ist ein ungewöhnliches neues Spiel, das ihr ausschließlich im Koop hinter euch bringen könnt. Ob online oder nebeneinander auf der Couch bleibt dabei euch überlassen. Kann das Spiel neben der Spielerfahrung für zwei Spieler auch in den anderen wichtigen Belangen punkten? Wir haben es für euch auf der Playstation 4 durchgespielt.

Anstatt den "Indian Summer" zu genießen, verbringen die Ganoven Vincent und Leo den Herbst 1972 hinter schwedischen Gardinen. Und wenn es nach der Gefängnisleitung geht, folgen noch viele weitere Jahre. Das sehen die beiden Delinquenten natürlich völlig anders und planen fleißig ihren Ausbruch aus dem Knast – dabei kommt ihr ins Spiel. "Ihr" ist hier absolut in der Mehrzahl zu verstehen, denn "A Way Out" könnt ihr ausschließlich mit zwei Spielern gleichzeitig spielen – für Solisten ist im neuen Spiel für PC, PS4 und Xbox One kein Platz.

Wie läuft das Ganze ab?

Der kooperative und hier einzig verfügbare Modus ist sowohl online als auch offline spielbar. In beiden Fällen wird das Geschehen per geteiltem Bildschirm sichtbar. Ob ihr den lieber horizontal oder vertikal aufteilen wollt, steht nicht zur Debatte. Das wird situationsabhängig vom Spiel selbst bestimmt. Im einen Moment liegt der Fokus vielleicht mehr auf den Handlungen von Vincent – sein Bildausschnitt wird dann entsprechend vergrößert. Ist Leo mit richtungsweisenden Manövern am Zug, ist mehr von seiner Sichtweise der Dinge zu sehen. Diesen Umstand nutzt das Spiel sehr gekonnt und erinnert in solchen Momenten sehr an die stylischen Gangsterfilme von Guy Ritchie und Konsorten.

An einigen Stellen wird der Bildschirm sogar dreifach aufgesplittet, da kommt schon echtes Film-Feeling auf.(© 2018 EA)

Zusammen seid ihr stark

Natürlich liegt das Hauptaugenmerk auf den Aktionen, die Vincent und Leo gemeinsam ausführen oder in denen einer der beiden auf die direkte Hilfe des anderen angewiesen ist. Und da läuft das Spiel – besonders in den ersten von rund sieben Spielstunden – zu absoluter Höchstform auf: Während ein Spieler den Rundgang der Wache beäugt, kratzt der andere den Mörtel um das Lüftungsgitter der Zelle weg, nachdem das dazu benötige Werkzeug von einer Zelle zur anderen übergeben wurde. In einer anderen Situation drücken sich Vincent und Leo inklusive reaktionsförderndem Mini-Spiel Rücken an Rücken einen Schacht hinauf – euer Können am Gamepad vorausgesetzt. Viele Koop-Mechaniken wurden hier wirklich absolut genial umgesetzt und begeistern gerade beim Ausbruch aus dem Gefängnis ungemein. So etwas gab es in dieser Art auf jeden Fall noch nie. Allerdings kann das Spiel dieses geniale Tempo nicht über den gesamten Verlauf der Geschichte halten und dämpft ab und zu die Freude mit etwas, das nach Action dürstende Spieler nicht gerne sehen: Leerlauf.

Auch eine gemeinsame Paddeltour durch gefährliche Stromschnellen steht auf dem Programm.(© 2018 EA)
Ebenfalls aus Film und Fernsehen bekannt: Einer steuert, der andere ballert.(© 2018 EA)

Was mache ich hier eigentlich?

Denn so gekonnt die Aktionen, die die Geschichte weiterführen, auch implementiert wurden, so sehr fragen sich beide Spieler oft, was nun eigentlich die ganzen Lückenfüller im Spiel zu suchen haben. Dann drechselt ihr ohne ersichtlichen Grund ein Stuhlbein an der Drehbank, schlagt ein paar Nägel in ein Holzbrett oder spielt Basketball mit einem Kind, das nicht daran denkt, auf den Korb zu zielen. Diese etwas langatmigen und sinnfreien Aktivitäten wirken zäh wie Kaugummi und passen nicht zu einem hektischen Ausbruch mit nachfolgender atemloser Flucht vor den Ordnungshütern. Auch die meisten Gespräche, die ihr mit vielen Figuren der Spielwelt anbahnen könnt, sind für den weiteren Verlauf der Geschichte null und nichtig. Schade!

Immerhin bieten ein paar Leerlauf-Aktionen den ein oder anderen Lacher. Bei der Katzenmusik bleiben keine zwei Augenpaare trocken.(© 2018 EA)

Eine ganz faire Nummer

Was neben den tollen Momenten der Story für große Begeisterung sorgt, ist der Umstand, dass nur ein Spieler das Spiel käuflich erwerben muss – auch wenn ihr online zu zweit spielen wollt. Um genau das zu tun, lädt sich der Spieler, der nicht im Besitz von "A Way Out" ist, einfach eine kleine Datei herunter und schon könnt ihr online zusammen loslegen. Eine wirklich faire Geste von Hersteller EA, die in der Welt der Spiele gerne viele Nachahmer finden darf.

Leo kann seinen Sohn endlich in die Arme schließen. Das Ende des Spiels? Mitnichten!(© 2018 EA)

Fazit: Großer Ausbruch mit kleinen Hindernissen

Der Ausbruch, die Flucht und alles was euch sonst noch in der siebenstündigen Story von "A Way Out" erwartet, wird in hübscher, realistischer und zeitgemäßer Optik präsentiert – dem Einsatz der Unreal 4-Engine sei dank. Dabei zitiert das Spiel viele bekannte Filme wie "Die Verurteilen", "Gesprengte Ketten" oder "Blues Brothers". Die Koop-Aktionen sind phantasievoll und in den meisten Fällen frustfrei. Das kann man vom Verlauf der Geschichte allerdings nicht immer behaupten. So bleibt "A Way Out" ein tolles Experiment, das in vielen Momenten absolut zu überzeugen weiß, in anderen aber wiederum für Unverständnis am Gamepad sorgt. Dies ist vielleicht nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass es sich bei "A Way Out" eben nicht um eine sündhaft teure "AAA"-Spieleproduktion, sondern um das Werk eines kleinen Indie-Studios handelt. Für knapp 30 Euro könnt ihr hier allerdings nicht viel falsch machen. Besonders wenn ihr mal wieder eine zünftige Runde im mittlerweile fast ausgestorbenen Couch-Koop genießen wollt.

"A Way Out" ist ab dem 23.03.18 für PC, PS4 und Xbox One erhältlich und hat die Altersfreigabe "Ab 18 Jahren". Im nachfolgenden Trailer könnt ihr euch noch ein genaueres Bild vom Spielablauf machen.

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