Apple Clips im Test: eine App, ein Clip, viele Kanäle [mit Video]

Wer auf Instagram, Snapchat, YouTube etc. unterwegs ist, der kennt das: Man macht sich Mühe und erstellt kurze Clips für seine Postings oder Stories, doch bleiben die dann meist nur einem Social Network vorbehalten. Nach dem Motto: je mehr Social Media, desto mehr Arbeit. Für all jene, denen iMovie auf dem iPhone und iPad zu kompliziert war, hat Apple nun Clips entwickelt. Die neue Video-App ist in Kürze kostenlos im App Store für iPhone und iPad erhältlich. Wir konnten sie bereits ausprobieren – und sind ziemlich angetan.

Denn auf den ersten Blick sieht Clips einfach aus. Zu einfach. Doch der Schein trügt. Nach einem kurzen Einführungsvideo befindet man sich auf einem Screen, von dem man aus mit wenigen Klicks bzw. Taps alle wichtigen Funktionen ansteuern kann. Das Ziel: möglichst einfach kurze "Clips" aus Videos, Fotos und kurzen Einblendungen erstellen. Einfach bedeutet in dem Fall auch: Der Nutzer muss sich nicht durch Untermenüs fuchsen und millisekundengenau einzelne Szenen trimmen, sondern eigentlich nur mit dem Daumen aufs Display drücken.

Ich hatte bereits die Möglichkeit, die App vor dem offiziellen Launch auszuprobieren. Die Bedienung der App hat sich mir ziemlich schnell erschlossen – eben weil sie auf versteckte Funktionen verzichtet. Der Aufnahmeknopf ist sehr groß, im Vorschaufenster erkennt man gut, was man gerade aufnimmt, die erstellte Sequenz mit den einzelnen Szenen ist immer sichtbar, und die Schnellzugriffe für "Live Titles", weitere Texteinblendungen sowie Videofilter sind gut zu erreichen.

"Live Titles" funktionieren überraschend gut

Die "Live Titles" sind eines der spannendsten Features der App. Dabei erkennt die Software selbstständig, was Ihr während der Aufnahme sagt und blendet die Worte automatisch ein. So könnt Ihr zum Beispiel Videos für Facebook erstellen. Dort werden Clips im Newsfeed zunächst stummgeschaltet abgespielt. Deswegen haben sich Untertitel im größten Social Network als Standard bei Videos etabliert.

Doch letzten Endes ist Clips egal, für welche Plattform Ihr ein Video erstellt. Teilen lassen sich Eure Kreationen nämlich direkt aus der App in allen gängigen Messengern (iMessage, WhatsApp, Telegram etc.) sowie den wichtigsten Social Networks (Facebook, Instagram, Twitter etc.). Mehr noch: Clips erkennt sogar, ob Ihr eine Person im Video erwähnt habt und durchsucht Euer Adressbuch. Die betreffende Person wird dann im Teilen-Dialog zuerst vorgeschlagen. Praktisch!

Die Spracherkennung – übrigens dieselbe, mit der Ihr auch Texte auf dem iPhone über die Tastatur diktieren könnt – funktioniert schon sehr gut. Die meisten Wörter wurden sofort erkannt. Und falls die Software einmal daneben liegt, lässt sich das nachträglich noch anpassen. Wohlgemerkt: Um das Feature zu nutzen, benötigt Ihr eine Internetverbindung.

Neben den "Live Titles" bietet Clips unter anderem Videofilter, darunter einen Comic-Look, sowie unterschiedliche Texteinblendungen und Clip-Arts, um die Aufnahmen optisch aufzupeppen. Die Auswahl ist noch überschaubar. Hier würde ich mir wünschen, dass Entwickler über eine Schnittstelle die Möglichkeit erhalten, weitere Designs zu erstellen. So wie das bereits für iMessage möglich ist – und wie es unter anderem Snapchat gelingt, seine Nutzer mit immer neuen Videomasken bei Laune zu halten.

Was mich bei Clips überzeugt hat, ist die Konsequenz, mit der die Entwickler die Bedienung einfach gehalten haben. Nur ein Beispiel: Egal ob man ein Video aufnimmt oder die Dauer für eine Aufnahme aus der Mediathek oder die Dauer für die Anzeige eines Fotos bestimmt – man hält jedes Mal für die gewünschte Dauer den Aufnahmebutton gedrückt. Einfacher geht's nicht. Genauso einfach lassen sich anschließend einzelne Szenen innerhalb einer Sequenz hin- und herschieben. Klickt man auf eine Szene, lässt diese sich in der Länge trimmen und nachträglich stummschalten oder mit Filtern bzw. Texteinblendungen versehen.

Smarte Soundtracks, smartes Sharing

Für den letzten Feinschliff sorgt dann ein passender Soundtrack. Den wählt Ihr einfach über das kleine Notensymbol rechts oben im App-Screen aus. Hier habt Ihr die Wahl zwischen verschiedenen musikalischen Stilen. Wirklich beeindruckend: Es handelt sich hierbei nicht nur um Loops, die sich praktisch nach kurzer Zeit wiederholen. Vielmehr erkennt Clips, wie lang Euer ... Clip ist und passt das Arrangement dynamisch an. So setzen, obwohl es sich um denselben Soundtrack handelt, etwa die Streicher später ein und die App zieht stattdessen ein Gitarrensolo vor. Ziemlich mächtig für eine kleine Video-App.

Das fertige Video könnt Ihr dann auf dem iPhone bzw. iPad sichern oder, wie bereits erwähnt, mit Kontakten oder in Social Networks und Messengern teilen. Auch das funktionierte im Test problemlos. Achtet allerdings darauf, dass Social Networks mitunter unterschiedliche Anforderungen an die Länge von Videos haben. So darf etwa ein Instagram-Clip nicht länger als eine Minute sein.

Weitere Tipps:

  • Ihr müsst den Aufnahmebutton nicht gedrückt halten, sondern könnt ihn mit einem Wisch nach links auch "locken". Ein erneuter Wisch stoppt die Aufnahme.
  • Ihr könnt in Fotos hinein- und herauszoomen, während Ihr eine Aufnahme erstellt. Dazu müsst Ihr nur den Button gedrückt halten, während Ihr per Multitouch in ein Bild "pincht".
  • Bei der Aufnahme von "Live Titles" muss später kein Voice-Over mit Eurer Stimme zu hören sein. Das heißt: "Clips" erstellt die "Live Titles" auch, wenn Ihr das Mikrofon auf stumm schaltet.
  • Um Euch einen Überblick zu verschaffen, welche Fotos oder Videos aus Euer Mediathek Ihr einbinden wollt, könnt Ihr sie mit 3D Touch vergrößern bzw. abspielen.

Fazit: eine App, ein Clip, viele Kanäle

Bei der ersten Vorstellung von Clips dachte ich: "Ach komm, noch ne Video-App für Social Media?!" Doch die kleine Video-Software hat mich überzeugt. Die Benutzung auf dem iPhone und iPad wirkt für den mobilen Einsatz weitaus durchdachter als etwa iMovie für iOS. Dass die Bedienung dabei so reduziert ist, ist erstmal kein Nachteil, sondern lädt zum Ausprobieren ein. So brauchte ich von der Installation bis zum ersten fertigen Clip keine Stunde. Für die Zukunft wünsche ich mir aber auf jeden Fall mehr Videofilter, mehr Texteinblendungen, mehr Texttafeln, kurzum: einfach noch mehr Möglichkeiten, meine Videos aufzupeppen.

Davon einmal abgesehen kann ich mir vorstellen Clips häufiger zu nutzen, um für Instagram und Co. kleine Videos zu erstellen. Und auch wenn die Top-Influencer mit Millionen Followern längst DSLRs anstatt Smartphones nutzen, um Inhalte zu produzieren, lohnt sich Clips für all jene, die keine Lust haben, sich für jedes Social Network extra Arbeit zu machen. Künftig heißt es: eine App, ein Clip, viele Kanäle.


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