Beoplay A2 von Bang & Olufsen im Test: die klingende Handtasche

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Bang&Olufsen BeoPlay A2
Bang&Olufsen BeoPlay A2(© 2015 CURVED)

Design wird bei Bang & Olufsen seit Jahrzehnten groß geschrieben. Darum treffen die Audioprodukte des dänischen Herstellers nicht immer den Geschmack aller Soundliebhaber. Und häufig geht die Liebe zu Form, Materialen und Farben zu Lasten der Features. Auch bei der Beoplay A2 setzt B&O auf einen ganz speziellen Look – und hinterlässt damit gemischte Gefühle.

Zuerst hatte ich nur das Foto gesehen. "Wow, ist die Box schön" war mein erster Kommentar, "Die bestelle ich für einen Test!" Es ist ja die Kunst eines guten Fotografen, langweilige Produkte so ins rechte Licht zu rücken, um daraus echte Stars zu machen. Und das klappt halt bei mir auch: Ich sehe, mit welcher Mühe zum Beispiel dieser Lautsprecher von Bang & Olufsen inszeniert wurde – und schon hänge ich am Haken.

Kaum steht dann die Beoplay A2 bei mir auf dem Schreibtisch, folgt wie so oft die Ernüchterung. Dazu muss ich bei der Beoplay sagen: Ich will den Lautsprecher mögen. Ich möchte es gut finden, dass das Unternehmen den Mut hat, einfach mal mit Formen und Materialien zu spielen. Wer bitte kommt auf die Idee, einen Tragegriff aus Leder an ein technisches Gerät zu hängen? Und auch die Kombination der Farben ist recht außergewöhnlich. Ja, die Beoplay A2 hätte wirklich einen festen Platz in meinem Herzen erobern können.

Wenig Features, viel Design

Es stört mich dabei eigentlich überhaupt nicht, dass der Lautsprecher kaum über großartige und außergewöhnliche technische Features verfügt. Bluetooth 4.0 kann die Box, bis zu acht Zuspieler können damit gepaart werden, zwei davon sogar gleichzeitig. Allerdings heißt das nicht, dass diese auch gleichzeitig Musik übertragen können. Aber sobald die Musik von einem Smartphone vorbei ist, kann der Nächste seine Songs abspielen.

Die Beoplay dient zudem als Stromtankstelle: Per USB lassen sich Smartphones aufladen. Und das war es eigentlich schon. Statt mit außergewöhnlicher Technik punktet der Flachmann eben mit außergewöhnlicher Optik. Ob das Design anspricht, darüber lässt sich sicher trefflich streiten. Wie gesagt, mir gefiel es, als ich die Fotos sah. Doch kaum liegt die Beoplay in meiner Hand, bin ich ein wenig enttäuscht. Das ganze Teil sieht aus wie ein riesiges Eis-Sandwich: Die beiden Seitenteile bestehen aus einem Polycarbonat, welches das Gerät auch vor leichten Regen schützen soll und die A2 so auch sehr robust macht. Aber man könnte zu dem Material auch einfach Plastik sagen – denn so fühlt es sich an. Und wenn man mit den Fingern über die Waben streicht, klingt das Geräusch nicht sonderlich edel.

Weiche Hülle, harter Kern

Der Kern besteht aus Aluminium, die farbliche Veredelung der umlaufenden Kante variiert nach Model. Unser Testgerät sah aus wie Fensterkitt gepaart mit Kupfer. Sehr gut gefällt mir die Positionierung der wenigen Tasten an der oberen Kante. Diese sind zwar leicht erhaben, um sie auch mit geschlossenen Augen zu finden, dennoch sind sie perfekt in das Gerät integriert.

Aber kommen wir zum wichtigsten Feature einer Box: dem Klang. Bang & Olufsen versteht etwas davon, Musik ganz besonders klingen zu lassen. Allerdings tatsächlich nicht außergewöhnlich gut. Wer Produkte dieses Unternehmens kauft, macht dies in den meisten Fällen sicher nicht, weil der Sound so überzeugend ist, sondern weil die Geräte optisch zum Lifestyle passen. Und das ist auch bei der Beoplay A2 nicht anders.

Der Sound kommt bei der Flunder gleichzeitig aus beiden Seiten. Dafür hat das Unternehmen trotz der flachen Bauweise auf beiden Seiten je drei Speaker eingebaut. B&O nennt diese Prinzip "Power Response Enhancement": Während sich der Schall auf der einen Seite direkt entfaltet, sorgt die Rückseite für die richtigen Höhen. Damit will B&O einen 360-Grad-Sound ermöglichen.  Das bedeutet aber auch, dass ich die A2 so vor mich hinstellen sollte, dass eine Seite in meine Richtung zeigt. Sie darf nicht auf der Seite liegen, sollte nicht hochkant stehen und am besten auch nicht mit der Kante in meine Richtung zeigen. Steht sie richtig, hört sich die Musik in der Tat ganz ordentlich an. Nicht aufdringlich, gut ausdifferenziert, warm und schön. Nicht überragend gut, aber eben nett. Und ihr wisst ja sicher, was man über "nett" sagt.

Saftiger Preis

Für 400 Euro erwarte ich bei einer mobilen Box inzwischen Höchstleistungen – und das nicht nur in Bezug auf die Verwendung von Materialen. Und auch in dieser Disziplin muss ich sagen, dass ich nicht ganz so überzeugt bin. Der verwendete Kunststoff sieht nicht sonderlich stabil und wertig aus – und fühlt sich vor allem nicht so an. Ja, der Ledergriff ist witzig und verleiht der Box ein außergewöhnlichen Look. Meine Kollegen sahen sich allerdings teilweise dazu genötigt, die A2 als Herrenhandtasche zu bezeichnen.

Auch wenn die A2 als Outdoor-Laustsprecher funktionieren soll, würde ich sie nicht mit in den Park oder an den Strand nehmen. Das liegt nicht nur an der Verarbeitung, sondern auch daran, dass sie nur auf der langen Kante stehen sollte, damit der Klang vernünftig ist. Nur an dieser Stelle sind kleine Plastikfüße im Gehäuse. Doch auf einer Picknick-Decke wird die A2 nicht lange stehen bleiben und im Sand würde das Gehäuse sicher schnell Schaden nehmen. Und in der Wohnung? Nein, das wirkt auch ein wenig seltsam, oder? Warum sollte ich einen Henkelmann in der Wohnung platzieren. Das Gerät sieht so aus, als wolle es immer mitgenommen werden – und dafür ist es mit knapp über einem Kilo dann doch ein wenig zu schwer. Immerhin hält der Akku bei moderater Lautstärke rund 20 Stunden durch.

Hübsch, aber unnötig

Trotz der Mängel gefällt mir die Optik der Beoplay A2 sehr gut – auch wenn das in der Redaktion vielleicht eine Einzelmeinung ist. Ich mag es, wenn Unternehmen mal etwas Neues probieren, mit neuen Formen experimentieren. Aber so seltsam es ist: Die Fotos der A2 gefallen mir besser als das Original. Und das gute an den Bildern ist: Dafür muss ich keine 400 Euro ausgeben. Für den Preis bekomme ich zum Beispiel zwei Soundblaster Roar 2 von Creative. Wie sagte mal ein Lehrer zu meiner Hausaufgabe? Gut gedacht ist nicht gleich gut gemacht.


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