Bragi The Dash im ausführlichen Test

The Dash, das sind nicht einfach nur Kopfhörer, sondern Fitnesstracker, Bluetooth-Headset, Smartphone-Fernbedienung und MP3-Player in einem Gerät. Nach etlichen Hands-ons waren die Erwartungen an die finale Version hoch. Nun hatten wir die Möglichkeit, das welterste Hearable ausführlich zu testen.

"Sie sind da! Endlich sind sie da", ging ein Schrei durch die CURVED-Redaktion. Die Rede ist von einem sichtlich aufgeregten Mitarbeiter, der stolz sein Exemplar von The Dash zeigte. Warum die Aufregung? Weil es satte zwei Jahre gedauert hat, bis aus dem gehypten Kickstarter-Projekt ein marktreifes Produkt geworden ist. Ob sich das Warten gelohnt hat?

Der Sound: klar, aber mit wenig Bässen

Zunächst einmal Grundlegendes. The Dash bedeutet übersetzt "Der Bindestrich". Dieser Name kommt nicht von ungefähr: Bei The Dash gibt es keine Kabel, sondern nur zwei Knöpfe. Einen fürs rechte und einen fürs linke Ohr. Die kommunizieren per Near Field Magnetic Induction (NFMI) miteinander. Die Technik kommt eigentlich aus dem Hörgerätebereich, funktioniert aber besser als Bluetooth und verbraucht außerdem weniger Strom. Für die Datenübertragung bauen die beiden Stöpsel ein Netzwerk auf. Nur die Verbindung zum Smartphone erfolgt per Bluetooth.

In erster Linie ist der Kopfhörer zum Musikhören gedacht. Und das klappt sehr gut. Das Klangbild ist sauber. Rock- und Pop-Songs klingen ordentlich. Was man aber vergeblich sucht, ist die Wiedergabe von Bässen. HipHop- und Rap-Freunde werden sicher weniger Spaß mit den Kopfhörern haben.

Unter Wasser ohne Smartphone Musik hören? Das geht

The Dash ist aber mehr als "nur" ein kabelloser In-Ear-Kopfhörer. Dank zahlreicher Sensoren kann das Gadget unter anderem Euren Herzschlag messen und Eure Schritte zählen, es dient also auch als Fitnesstracker. Darüber hinaus könnt Ihr einige Funktionen Eures Smartphones mit den Kopfhörern steuern.

Für die Bedienung hat jeder Ohrstöpsel ein kleines Touchpad. Damit Ihr Euch einfach zurechtfindet, bilden Stimmen und Töne ein "akustisches Menü". Wollt Ihr zum Beispiel ein Workout starten, haltet Ihr das Touchpad auf der linken Seite gedrückt. The Dash fragt Euch dann, ob Ihr einen Lauf starten wollt. Falls ja, tippt Ihr einmal. Um eine andere Sportart auszuwählen, tippt Ihr zweimal. Neben Laufen stehen Radfahren und Schwimmen zur Auswahl.

Denn The Dash ist wasserdicht. Ihr könnt nicht nur Eure Leistung im Schwimmbad tracken. Die Kopfhörer haben einen vier Gigabyte großen Flash-Speicher. Den könnt Ihr einfach mit Musik befüllen, in dem Ihr die Kopfhörer an einen Mac oder PC anschließt und die Songs auf den Speicher zieht. Einem musikalischen Ausflug ins kühle Nass steht also nichts mehr im Wege. Sogar eine Gestensteuerung ist möglich: Klingelt das Telefon, könnt Ihr den Anruf mit einem Nicken entgegennehmen. Ungewollte Anrufe wimmelt Ihr mit einem Kopfschütteln ab.

Pluspunkte für den Transparency-Modus: Noise Cancelling 2.0

Die coolste Funktion ist definitiv der Transparency-Modus. The Dash sind nämlich Noise-Cancelling-Kopfhörer. Habt Ihr die Stöpsel in den Ohren, bekommt Ihr von der Außenwelt nicht mehr viel mit. Schaltet Ihr den Transperency-Modus ein, lassen Mikrofone an den Seiten Geräusche durch. Sprich: Wenn Ihr gerade Musik hört und jemand spricht Euch an, wischt Ihr auf der linken Seite einmal kurz nach vorn und könnt Euer Gegenüber trotz laufender Musik verstehen. Geräusche von außen klingen dann zwar etwas blechern, die Funktion ist trotzdem ziemlich spacig.

Die Akkuleistung ist ordentlich - wenn Ihr das Etui nutzt

Strom beziehen die Stöpsel jeweils von einem 110 mAh großen Akku. Das klingt erstmal nicht nach viel. Man muss sich aber an dieser Stelle auch einmal die Größe vor Augen halten. Die Ohrknöpfe sind so groß wie, naja, wie Ohrknöpfe eben. Tatsächlich reicht die Akkuleistung für drei Stunden Musik am Stück. Geht die Batterie zur Neige, legt Ihr The Dash in das mitgelieferte Aluminium-Case. Das dient gleichzeitig als Ladestation. Über den integrierten Akku lädt sie die Stöpsel drei bis vier Mal auf.

Ab an die Tankstelle: Ist der Akku leer, kommt The Dash in die mitgelieferte Ladestation.(© 2016 CURVED)

Damit es gar nicht soweit kommt, dass ich plötzlich ohne Musik dastehe, habe ich The Dash immer in der Ladeschale aufbewahrt, wenn ich sie nicht benutzt habe. Das reicht locker für einen musikalischen Tag. Positiver Nebeneffekt: So kommen die kleinen Knöpfe nicht abhanden. Auf der CES hat uns CEO Nikolaj Hviid erklärt, dass man die Akkuleistung durch Softwareoptimierungen auf bis zu vier Stunden erhöhen wolle.

Minuspunkte für Bluetooth-Abbrüche und Telefonie-Sound

Im echten Leben hat The Dash aber noch ein paar Macken. Das größte Problem ist die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone. Mit dem Handy in der Hosentasche und einer Jacke darüber kam es im Test oft zu Problemen. Die Musik wurde dann nur noch bruchstückhaft wiedergeben. Das nervt! Auch die Freisprechfunktion ist stark ausbaufähig. "Du klingst, als würdest du aus dem Auto über eine Freisprecheinrichtung mit ganz schlechtem Mikro telefonieren", urteilte Kollegin Stefanie am anderen Ende der Leitung.

Ein offizielles Support-Dokument von Bragi: In der Hosentasche ist das Smartphone zu weit von The Dash entfernt.(© 2016 Bragi)

Andere Macken lassen sich vermutlich schnell per Software-Update fixen. Die Fitnessfunktion speichert zum Beispiel keine Workouts. Wie schnell Ihr beim letzten Mal auf der Laufstrecke wart, behält The Dash noch für sich. Außerdem können Euch die Kopfhörer lediglich warnen, wenn der Akku schon fast leer ist. Eine Abfrage des Ladestandes per Wischen oder Tippen ist nicht drin. Schade! Zum Nachsehen müsst Ihr die Knöpfe aus den Ohren nehmen.

Zukunftsmusik

Die gute Nachricht: Das Potenzial bei The Dash ist groß. Auf der CES versprach Hviid stetige Verbesserungen durch Software-Updates. Ein Beispiel: In Zukunft könntet Ihr auf Eurer Laufroute die perfekte Geschwindigkeit finden, in dem The Dash das Geräusch von Schritten abspielt. Hört Ihr die Schritte hinter Euch, seid Ihr zu schnell, hört Ihr sie vor Euch, zu langsam. Auch Anwendungsbereiche in der Industrie sind denkbar. Hat eine Maschine in einer Fabrik hat einen Fehler, könnte sie sich einfach über The Dash beim zuständigen Mitarbeiter melden. Das klingt spannend!

Fazit: viel Potenzial, aber auch viel Arbeit für das Killergadget

The Dash hat aktuell noch mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Das ist bei einer neuen Geräteklasse, wie sie Bragi mit dem Hearable etablieren will, völlig verständlich. Über vieles lässt sich hinwegsehen. Nur dass die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone nicht ordentlich funktioniert, ist ein absolutes No-Go. Wer hält sein Smartphone schon permanent in der Hand oder trägt es in der Hemdtasche mit sich herum? Genau.

Wenn Bragi hier in der nächsten Version ansetzt und den Fehler ausbessert, bin ich gern bereit, die 299 Euro, die das Unternehmen für The Dash aufruft, zu bezahlen. Aktuell ist mir der Kopfhörer aber auch softwareseitig noch zu unausgereift. "More to come" ist bei fast jeder Funktion die Ansage. Das bestätigt auch der anfangs euphorische Kollege. Frage: "Würdest du The Dash noch einmal kaufen?" Antwort: Ja. Aber nicht für diesen Preis."


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