DJI Osmo Mobile im Test: wackelfrei, aber nicht fehlerfrei [mit Video]

Ruckelfreie Videoaufnahmen mit dem Smartphone: Das soll der Osmo Mobile des Drohnen-Spezialisten DJI möglich machen. Das Handstativ bringt Euer Smartphone immer in die richtige Position und sorgt so für weiche Bewegungen. Eigentlich. Im Test offenbart der Gimbal aber Schwächen.

Kennt Ihr das, wenn Ihr neue Technik zu ersten Mal in den Händen haltet und sich sofort dieser Will-ich-haben-Effekt einstellt? So ging es mir, als ich zum ersten Mal die Aufnahmen von Steffi sah, die sie während einer Demo-Session mit dem DJI Osmo Mobile im Rahmen der IFA gedreht hatte. Mittlerweile hatte ich selbst die Möglichkeit, den Gimbal ausführlich zu testen – und bin enttäuscht. Aber der Reihe nach.

Erstmal zum besseren Verständnis: Im Gegensatz zum vor einigen Monaten vorgestellten Osmo Plus hat das Osmo Mobile keine eingebaute Kamera. Hier wird die Eures Smartphones genutzt. Die Auflösung ist also abhängig von Eurem Handy. Kompatibel ist der Gimbal (kardanische Aufhängung) mit Android- und iOS-Geräten bis zu einer Breite von 85 Millimetern.

Hardware

Gimbal-System funktioniert nicht einwandfrei

Mit einem Handgriff könnt Ihr Euer Smartphone problemlos in die Halterung einklinken und mit einem Drehrad feststellen. Nach dem Einschalten tariert sich das Gerät selbstständig aus. Haltet Ihr den Gimbal aufrecht in der Hand, liegt das Smartphone quer in der Aufhängung. Dreht Ihr den Griff in die Waagerechte, filmt Ihr im hochformatigen Selfie-Modus. Auch könnt Ihr den Osmo Mobile über Kopf halten bzw. ihn wie eine Taschenlampe vor Euch positionieren.

Solltet Ihr ein großes Handy einhängen, könnt Ihr das Gegengewicht zur Ausbalancierung mit einem weiteren Drehrad verstellen. Theoretisch. Denn in der Praxis stößt dieses System an seine Grenzen. Sowohl im Test mit dem iPhone 7 als auch mit dem iPhone 7 Plus war der Gimbal nicht in der Lage, die Smartphones wirklich gerade zu halten. Die Abweichung betrag zwischen 1 und 3 Grad – auch nach erneuter Kalibrierung in der DJI-App.

Nun kann man meinen, dass das letzten Endes egal ist, wenn alle Aufnahmen gleich "schräg" sind. Doch wenn Ihr anschließend im Schnitt wirklich absolut gerade Aufnahmen verarbeiten wollt, müsst Ihr das Bild croppen. Damit geht nicht gerade wenig Bildmaterial verloren. Abgesehen von diesem Manko sind die Aufnahmen vor allem bei schnelleren Bewegungen mit den Armen und Händen ruckelfreier. Im direkten Vergleich mit und ohne Osmo Mobile macht etwa das iPhone 7 Plus bei normaler Geschwindigkeit mit seinem optischen Bildstabilisator und der zusätzlichen Softwarestabilisierung einen guten Job. Doch je schneller Ihr Euch bewegt, desto mehr hängt das Osmo-System verständlicherweise Eure Aufnahmen aus der Hand ab. Die Unterschiede könnt Ihr Euch im Video anschauen.

Akkuladung per Klinke statt USB

Während die anderen Geräte aus der Osmo-Reihe das Smartphone per Wifi mit der Kamera und dem Stativ verbunden haben, setzt Osmo Mobile auf Bluetooth. Das ist energiesparender und soll für eine erheblich längere Betriebsdauer von etwa viereinhalb Stunden sorgen. Im Test kann der Hersteller dieses Versprechen einhalten. Nur stellt sich mir die Frage, warum der Akku über einen Klinkenanschluss geladen wird. Das letzte Mal, dass mir das untergekommen ist, war bei der ersten Generation des Jawbone Up. Warum nicht Typ C? So kann ich bei Verlust nur über den DJI-Shop für Ersatz sorgen. Ansonsten kann ich den Akku herausnehmen, um ihn gesondert zu laden. Dafür benötige ich aber wiederum eine Ladestation. Die kostet zusammen mit Netzadapter dann aber 68 Euro.

Software

Active Tracking funktioniert gut

Ein guten Job allerdings macht die DJI-App in Sachen "Active Tracking". Mit der Software habt Ihr die Möglichkeit, ein Objekt oder eine Person dauerhaft zu fokussieren und zu verfolgen. Dafür zeichnet Ihr auf dem Bildschirm ein Viereck. Alles, was das Smartphone darin erkennt, wird bei der Videoaufzeichnung verfolgt. Heißt: Ihr bewegt Euch um die Person oder das Objekt und das Handy dreht sich automatisch immer zu dem markierten Bereich. Das passiert unter anderem per Gesichtserkennung. Allerdings stößt Osmo Mobile auch hier an seine Grenzen. Kommt der Griff bei stärkeren Bewegungen der Hand nach links oder rechts in die Nähe des Smartphones, kippt der Gimbal komplett zur anderen Seite und fängt sich erst wieder, wenn Ihr den Griff unter dem Smartphone positioniert.

Ein schön anzusehendes Feature ist Motion Timelapse. Dabei legt Ihr zuerst verschiedene Bereiche fest, die später von der Kamera angefahren werden sollen. Danach stellt Ihr ein, wie häufig ein Foto über welche Zeitspanne gemacht werden soll und startet die Aufnahme. Euer Smartphone wird nun automatisch während der Laufzeit über die festgelegten Punkte bewegt und schießt Fotos. Am Ende erhaltet Ihr ein Zeitraffervideo. Wohlgemerkt: Viele Smartphones können das auch schon systemseitig. Allerdings kann der Osmo Mobile dabei helfen, die Aufnahmen zu beruhigen.

Keine Aufnahmen in Full-HD mit 60 fps möglich

Wenn Zeit gerafft werden kann, geht das auch in die andere Richtung: Slowmotion. Durch die Stabilisierung des Gimbals könnt Ihr mit dem Smartphone sehr weiche Slowmotion-Videos erstellen, obwohl Ihr selbst permanent in Bewegung seid. Doch auch hier stellt sich mir eine Frage: Wenn DJI eine App für sein Gimbal-System programmiert, mit der sich coole Videos produzieren lassen sollen, warum kann ich dann Videos in 1080p maximal mit 30 Bildern pro Sekunde aufzeichnen? Mein iPhone 7 Plus kann das immerhin systemseitig mit 60 Bildern pro Sekunde.

Live-Streaming per YouTube

Die DJI-App lässt Euch direkt zu Youtube oder Weibo streamen. Facebook Live ist nur über den Browser des Smartphones möglich, da Facebook es bisher noch nicht zulässt, über externe Apps angesteuert zu werden. Sehr praktisch für Live-Geschichten ist das nahtlose Umschalten zwischen Selfie- und Rückkamera. Dafür drückt Ihr dreimal eine Trigger-Taste am Stab des Osmo Mobile.

Preise und Verfügbarkeit

Ab sofort ist der Osmo Mobile online erhältlich. Die Lieferzeit beträgt bis zu zwei Wochen. Er kostet ohne Zubehör 339 Euro und ist damit nur halb so teuer wie die anderen Gimbals von DJI mit Kamera. Für Stativ und Standfuß müsst Ihr mit zusätzlichen 100 Euro rechnen.

Fazit: cool, aber noch mit Kinderkrankheiten behaftet

Auf den ersten Blick ist Osmo Mobile eine echt praktische Sache. Filmen mit dem Smartphone wird durch diesen kleinen Gimbal plötzlich einfacher und vor allem schöner. Vor allem die Active Track Funktion hat uns sehr beeindruckt. Allerdings stört es doch arg, dass der Gimbal nicht in der Lage ist, das Smartphone dauerhaft gerade auszurichten. Auch die Abstriche bei der Bildrate innerhalb der DJI-App sollte der Hersteller ausbessern. Und wenn wir schon dabei sind, uns was zu wünschen: Wenn es eine zweite Generation geben sollte, dann bitte mit einem Typ-C-Anschluss zum Aufladen des Akkus. So ist das System mit einer UVP von 339 Euro eine schöne Sache, um Videos ruckelfreier zu machen, angesichts der Kinderkrankheiten aber noch zu teuer. Wer zudem eher in ruhigen Situationen aus der Hand filmt, hat in aktuellen Smartphones genug Technik verbaut, die das Bild schon beruhigt. Das geht zwar softwareseitig zulasten der Bildqualität, lässt sich aber sowieso nicht deaktivieren und ist damit obligatorisch.


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