Honor 20 Test: Design-König mit eingebauter KI-Spiegelreflex-Kamera

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Das Honor 20 im Test macht eine gute Figur.
Das Honor 20 im Test macht eine gute Figur.(© 2019 Curved)

Das Honor 20 im Test: Honor zeigt nicht nur ein besonderes Auge für Design, sondern haben ein paar echte Highlights für Profis im Gepäck: Eine 48 Megapixel Hauptkamera von Sony etwa mit 1.4er Blende, die spannend ist für Low-Light-Fotografen und alle, die Tiefenschärfe lieben. Wir haben uns das Smartphone angeschaut und verraten euch, ob dessen großer Bruder, das Honor 20 Pro, auch einen Blick wert ist.

2019 ist das Jahr der Smartphone-Revolution. Selten gab es derart viel Innovation, es ist vielleicht das beste Smartphone-Jahr seit langem, weil neue Kamera-Technologien vor allem im optischen Zoom Fortschritt brachten. Spannend wird es aber erst, wenn wir uns anschauen, dass heute jeder der Großen für etwas besonders steht.

Apple steht für dieses perfekte Öko-System – es gibt keinen Hersteller, der den Dreiklang aus iPhone, iPad und Desktop-Welten, also Macbook und iMac so beherrscht wie Cupertino. Google steht für Nightsight, das Fotografieren bei Nacht. Huawei steht für das P30 Pro, die beste Kamera im Markt. Samsung für die beste Video-Stabilisierung; OnePlus für das beste Display. Und Honor steht für Design wie kein anderer und jetzt auch für Profi-Smartphone-Fotografie, denn das Honor 20 Pro erbt viele Funktionen des legendären Huawei P30 Pro und stellt eine signifikante Verbesserung des exzellenten Honor View 20 dar.

Honor steht für elegante und schöne Smartphones

Es ist interessant, wie die Huawei-Tochter Design vorangetrieben hat. Die Smartphone-Welt war ziemlich schwarz-weiß vor dem Honor 10 – mit wenigen Ausnahmen von Apple, die schon immer goldene Telefone hofiert haben. Aber Honor hat verstanden, dass unser Smartphone heute eines unserer wichtigsten Accessoires geworden ist und wir es tragen wie eine schöne Uhr.

Nach dem Honor View 20 hat man sich viele Gedanken gemacht, wie man so ein Telefon spannend halten kann. Die Antwortet lautet: Holografie-Design. Honor setzt auf ein dreifaches Layering, also drei Ebenen: Über der ersten Ebene direkt über dem Gehäuse wird ein Layer mit Millionen kleiner Prismen aufgetragen, die das Gerät funkeln lassen wie ein Diamant. Das sieht sehr edel aus und sorgt für diese interessanten Farbverlagerungen, mit denen ja auch das Huawei P30 etwa spielt. Über diese Ebene wird ein Glas-Layer gelegt und darauf kommt noch eine dritte Lage mit der jeweiligen Hauptfarbe.

Das Honor 20 gibt’s in Schwarz als Midnight Black Edition, welches allerdings je nach Lichteinfall so einen leichten Silberton abbildet. Da es sich um Klavierlack-Schwarz handelt, ist es sehr anfällig für Fingertoucher. Insofern würden wir eher empfehlen, zur blauen Variante namens Sapphire Blue zu greifen, die durch ihre verspielten Nuancen und den Wechsel zwischen zartem Hellblau und Navy Blue Fingerabdrücke deutlich besser verschleiert. Sie sind ebenfalls da, aber weniger sichtbar.

Das hat schon beim Honor View 20 sehr gut funktioniert: Die rote Variante ist sehr viel weniger schmutzanfällig als die schwarze. Das Highlight der Reihe ist aber definitiv Phantom Black – welches es allerdings nur für das Honor 20 Pro gibt. Es handelt sich nämlich wirklich um ein Phantom-Schwarz, welches je nach Lichteinfall zwischen einem dunklen und hellen Lila hin- und her tanzt. Ein toller Showeffekt, von dem wir beim Test im strahlend heißen Münchner Sommer gar nicht genug bekommen können. An der Seite befindet sich zudem der Fingerprint-Sensor, der extrem schnell ist bei beiden Modellen.

Das Honor 20 im Test: Ein Königreich für Instagram-Freunde

Das Honor 20 ist ohne Frage das Smartphone für die Generation Instagram: 32 Megapixel verbaut Honor und zwar unter dem Glasdisplay auf der Frontseite. Eine elegante Lösung, da man anders als beim Galaxy S10+ beispielsweise auf große Laser-Cuts verzichten kann, benso wie auf eine Notch und nur ein sehr dezentes Loch für die Kamera einsetzt. Damit verdienen sich Honor 20 und Honor 20 Pro redlich den Namen All-View-Display – viel dezenter kann man eine Lotch, also den 4,5 mm kleinen Kameraausschnitt im großen 6,26 Zoll Display nicht setzen. Besonders gut gefällt bei der Selfie-Kamera die K.I.-Unterstützung: Honors AI Assistant hilft mit seiner semantischen Bildaufteilung, weil es 22 Arten von Objekten mit seinen zwei NPUs (Nano Processing Units) kategorisiert und anhand seiner Datenbank optimal filtert.

Personen, Objekte, Landschaft und Hintergrund werden einzeln erkannt und optimiert. Vereinfacht gesagt greift die NPU auf eine Datenbank von 1.000 Hunden zu, wenn ihr einen Hund fotografiert und nutzt die unterschiedlichen Daten, um das optimale Bild zu kreieren. Es ist vom Prinzip her Machine Learning in der Cloud und auf dem Silikon der Neural Processing Unit, was schon ziemlich beeindruckend ist. Manchen mag das einen Tick zu viel sein, weil es ein bisschen den kreativen Prozess und die eigenen Fähigkeiten aus der Bildbearbeitung und dem Fotoshooting herausnimmt. Uns gefällt das aber gut im Honor 20 Test, weil es unkomplizierte Instagram-Bilder mit hohem Dynamikumfang liefert, die wenig Nachbearbeitung erfordern.

Video-Profi mit 117 Grad Super-Weitwinkel-Objektiv

Honors größte Schwäche gegenüber anderen High-End-Smartphones war lange die Video-Optik, insbesondere weil diese selbst beim letzten Flaggschiff Honor View 20 nicht optisch stabilisiert wurde. Das Honor 20 bringt jetzt ein Super-Weitwinkel-Objektiv mit für Aufnahmen mit 117 Grad, stabilisiert über ein 4-Achsen-System. Ein tolles Spielzeug für kreative Filmemacher: Weitwinkel ermöglichen es, mehr Bild zu zeigen und einen räumlichen Effekt zu erzeugen. Und natürlich für den Sommerurlaub: Steht ihr an der Küste und wollt das Meer filmen, gibt erst der Weitwinkel das Gefühl für die richtige Tiefe.

Weitwinkel-Objektive sind übrigens auch sehr beliebt bei allen YouTube-Stars, weil sie Büros und Wohnzimmer signifikant größer aussehen lassen. Ein Trick aus dem Fernsehen – die meisten TV-Studios sind nämlich auch deutlich kleiner in der Realität, als sie im Fernsehen wirken. Weitwinkel ist zudem klasse für Reise-Vlogs, einfach weil ihr mehr Bild einfangt. Wenn ihr durch Paris oder Mailand lauft, dann soll ja nur euer Gesicht im Fokus sein, sondern auch alles drumherum eingefangen werden.

Besonders gut gefällt uns die Video-Stabilisierung beim Honor 20 Pro, die wichtig ist für etwa Instagram Stories – hier hatten vorherige Honor-Geräte das Nachsehen gegenüber der Premium-Liga rund um Samsung Galaxy S10 und Huawei P30. Da das normale Honor 20 keine optische Stabilisierung hat, ist es nur bedingt für YouTuber geeignet. Es sei denn, ihr legt euch noch ein Smartphone-Gimbal zu.

Der neue Low-Light-Star: 48MP-Hauptlinse von Sony

Wer noch ein bisschen mehr Profi-Equipment haben möchte, dem sei das lediglich 100 Euro teurere Honor 20 Pro mit seiner 1.4er Blende empfohlen. Über die Blende könnt ihr steuern, wie viel Licht auf den Bildsensor fällt.

Der Bildsensor benötigt nämlich eine bestimmte Menge an Licht, um ein Objekt scharf einfangen zu können. Ist das fertige Bild zu hell, ist es überbelichtet. Das heißt: Zu viel Licht ist auf den Sensor gefallen. Ist der erstellte Shot zu dunkel, ist zu wenig Licht auf den Sensor gefallen. 

Die Blende ist künstlerisch interessant für uns, weil sie uns benannte Schärfentiefe ermöglicht: Das Bild ist also nicht überall gleich scharf, sondern wir können ein Objekt oder eine Person fokussieren und den Hintergrund “ausblurren“ – er wird dann eher milchig, was einen coolen Effekt ergibt. Mit der 1.4er Blende sorgt Honor auch deshalb für ein echtes Highlight, weil diese bei Spiegelreflexkameras sehr teuer ist. Entsprechende Objektive liegen schnell mal beim doppelten Preis des Android-Smartphones. Generell gilt dabei:

  • Je weiter die Blende geöffnet ist, desto weniger Schärfentiefe
  • Je weiter geschlossen die Blende ist, desto mehr Schärfentiefe

Das Honor 20 Pro fungiert damit auch als Profi-Shooter, gerade in Kombination mit einem Stativ für Landschaftsfotografie oder Porträts. Ist allerdings nicht ganz einfach, weil maximaler Lichteinfall einen perfekten Fokuspunkt bedingt, ihr also tendenziell etwas mehr Ausschuss produziert. Mit höherer Blende zu arbeiten ist in der Regel einfacher. Wo die 1.4er Blende allerdings ihren Star-Auftritt hat, ist bei Nacht: Honor hat dafür einen speziellen Moon-Shot-Modus entwickelt, um etwa den Mond besonders griffig einzufangen. Und auch ansonsten gelingen Nachtaufnahmen noch etwas besser als beim Vorgänger Honor View 20, einfach weil der Sensor in kurzer Zeit mehr Licht aufnimmt.

Honor 20 oder Honor 20 Pro?

Der Preisunterschied zwischen Top-und Mid-Range-Modell liegt lediglich bei 100 Euro, dafür unterscheiden sich die beiden Smartphones auch nur in einigen Punkten, die vor allem für Profis relevant sind. Etwa die 1.4er Blende, der höhere Arbeitsspeicher von 8 statt 6 Gigabyte und 265 Gigabyte Datenspeicher statt 128. Das Display ist bei beiden Geräten gleich, es handelt sich um ein 6,26 Zoll großes LCD-Panel mit 2.340 x 1.080 Pixeln und einer Pixeldichte von 412 ppi. Das ist schon signifikant weniger als etwa bei Samsungs Galaxy S10, welches hier mit 522 ppi und Super-AMOLED-Display mit HDR auftrumpft. Insbesondere HDR dürften Serienfans vermissen. Für das Honor 20 Pro sprechen in erster Linie Foto- und Video-Features: Die 1.4er Blende ist ein Game-Changer für Low-Light-Fotografen und die 8 Megapixel starke Telefoto-Kamera erlaubt viele kreative Kniffe, was interessant ist für Instagram-Fans.

Die genauen Spezifikationen im Vergleich:

Honor 20 (499 Euro)

  • 6,26 Zoll All-View-Display, 2.340x1080 Pixel
  • Kirin 980 mit Dual-NPU
  • 6 GB
  • 128 GB
  • 3.750 mah
  • Hauptkamera: 48 MP, f/1.8
  • Super-Weitwinkel: 16 MP
  • Telefoto: 2 MP
  • Bild-Stabilisierung: AIS

Honor 20 Pro (599 Euro)

  • 6,26 Zoll All-View-Display, 2.340x1080 Pixel
  • Kirin 980 mit Dual-NPU
  • 8 GB
  • 256 GB
  • 4000 mah
  • Hauptkamera: 48 MP, f/1.4
  • Super-Weitwinkel: 16 MP
  • Telefoto: 8 MP
  • Bild-Stabilisierung: OIS, AIS, EIS


Fazit: Design-Könige zum guten Preis

Bleibt die Frage aller Fragen: Honor 20 oder 20 Pro? Klare Antwort: Profis, Instagramer und YouTuber sollten das 20 Pro wählen, weil ihr nur 100 Euro mehr bezahlt, dafür aber eine Top-Video-Qualität erhaltet dank optischer 4-Achsen-Stabilisierung. Videos machen auf dem Honor 20 hingegen wenig Freude, die reine Software-Stabilisierung tut sich eher schwer. Tolle Fotos machen beide, insbesondere die Telelinse macht das Pro aber zukunftstauglicher.

Kurzum: Wer ein Schnäppchen schießen möchte, macht mit dem Honor 20 ob der hohen Foto-Qualität und des exzellenten Akkus sowie Fingerprint-Erkennung nicht viel falsch, aber erhebliche Abstriche im Videobereich. Das Honor 20 Pro dagegen spielt für den vergleichsweise geringen Preis fast in einer Liga mit dem Galaxy S10 – lediglich das LCD-Display und das nicht vorhandene Wireless Charging verhindern den Aufstieg in die Champions League der Smartphones. Dafür sichert sich Honor bislang aber den Preis für das schönste Telefon 2019.


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