HTC U11 im Test: das Hands-on [mit Video]

Auf den ersten Blick bietet das HTC U11 wenig Neues. Das Design übernimmt es vom U Play und U Ultra, die Hardware ist mit den Flaggschiffen anderer Hersteller identisch. Doch HTC versucht sich von der Konkurrenz durch BoomSound, der Einbindung mehrerer Sprachassistenten und ein völlig neues Bedienelement abzusetzen.

Snapdragon 835, vier Gigabyte Arbeitsspeicher, 64 Gigabyte interner Speicher, Android 7.1.1 und ein 5,5 Zoll großes Display mit 2560 x 1440 Pixeln: Das HTC U11 bringt auf dem Papier erstmal alles mit, was es für ein aktuelles Flaggschiff-Smartphone braucht. Die Optik ist Geschmackssache: Die Rückseite besteht aus mehreren unterschiedlich stark einfärbten Glasschichten und spiegelt extrem. Das sorgt für schöne Effekte, sieht aber bei unpassender Beleuchtung gewöhnungsbedürftig aus und zieht Fingerabdrücke magisch an.

Edge Sense: ein Smartphone zum Drücken

Mit Edge Sense erweitert HTC das U11 um ein neues Bedienelement. Nach dem kurzen Hands-on kann ich noch nicht wirklich sagen, ob es praktisch ist oder ob die Bedienung durch ein weiteres Element nur unnötig kompliziert wird. Man drückt mit den Fingern in der unteren Hälfte auf den Metallrahmen. Der gibt zwar nicht nach, erkennt aber den Druck. Auf dem Display erscheint zwar ein optisches Feedback durch eingeblendete Bögen, aber mir fehlt ein haptisches Feedback. So bin ich mir immer nicht sicher, ob die Eingabe erfolgreich war.

Das HTC U11 lässt sich in der unteren Hälfte drücken.(© 2017 CURVED)

Standardmäßig ist die Selfie-Kamera mit Edge Sense verbunden. Einmal drücken zum Starten und noch einmal drücken für ein Foto. Das soll auch unter Wasser klappen, denn: Das HTC U11 ist wasserdicht. Aber auch Fotos mit der Hauptkamera lassen sich so aufnehmen. Ist gerade die Tastatur auf dem Bildschirm aktiv, startet ein Druck auf die Ränder die Spracheingabe. Drücke ich das Smartphone länger, öffnet sich der Google Assistant. Im Juli will HTC den "Edge Sense Companion" veröffentlichen. Mit der App soll sich Edge Sense für jede beliebige App einrichten lassen.

BoomSound und viele Assistenten

Mit BoomSound hat sich HTC in Sachen Sound einen Namen gemacht. Zwar hat das U11 nicht mehr zwei auffällige Lautsprecher auf der Vorderseite, liefert aber immer noch HiFi-Sound aus zwei Lautsprechern. Wie das genau klingt, hören wir uns im ausführlichen Test an. Dort werde ich dann auch vom der aktiven Geräuschunterdrückung berichten können. Die befindet sich nicht in den Kopfhörern, sondern wird vom Smartphone, bzw. dem Snapdragon 835, berechnet. Die beiliegenden Kopfhörer können wie beim HTC U Ultra mittels Sonar die Ohren vermessen. Ein Klick und man erhält wirklich ein verbessertes Klangbild, das sich auch zwischendurch schnell an eine neue Umgebung anpassen lässt.

Für die Sonartechnik der Kopfhörer ist ein digitaler USB-C-Anschluss notwendig. HTC verzichtet beim U11 deswegen auf den klassischen 3,5mm-Audioausgang. Dem Smartphone liegt allerdings ein USB-C-auf-Klinke-Adapter bei, der über einen integrierten DAC-Wandler verfügt.

Beeindruckend: Insgesamt vier Mikrofone verbaut HTC im U11. Bei der Videoaufnahme sollen sie, wenn Ihr zoomt, auch die Geräuschquelle im Bild akustische hervorheben können. Darüber hinaus verspricht sich HTC von den vier Mikrofonen, dass smarte Assistenten auf diese Weise Sprachbefehle besser hören und sogar Personen unterscheiden können. Das HTC U11 hat den Google Assistant und Amazon Alexa an Bord, die sogar gleichzeitig genutzt werden können sollen. Der HTC Sense Companion ist ebenfalls installiert.

Die angeblich beste Smartphone-Kamera

Bei der Kamera hat HTC vor einem Jahr beim HTC 10 einen Sprung in die Spitzengruppe gemacht und hielt sich dort auch lange mit dem Google Pixel und dem HTC U Ultra. Für die neue 12,2-Megapixel-Kamera hat der Hersteller nach eigenen Angaben noch eine Schippe draufgelegt und will vor allem mit einem "HDR Boost" für bessere Bilder sorgen. Wollt Ihr keine HDR-Aufnahmen, müsst Ihr die Funktion explizit ausschalten. Eine genaue Bewertung der Aufnahmen folgt im ausführlichen Test, aber im Test von DxOMark hat das HTC U11 mit 90 Punkten einen neuen Spitzenwert erreicht. Details wie einen optischen Bildstabilisator, eine f/1.7-Blende, 28 Millimeter Brennweite und 4K-Videoaufnahme sowie ein schneller Autofokus findet man auch bei anderen aktuellen Flaggschiffen, wie etwa dem Galaxy S8.

Das HTC U11 soll besonders gute Fotos liefern.(© 2017 CURVED)

Kurios: Die Frontkamera des HTC U11 bietet mit 16 Megapixeln eine höhere Auflösung als die Rückkamera und die Frontkameras der anderen Flaggschiffe. Auch hier soll der HDR Boost bei einer f/2.0-Blende und einem Blickwinkel von 150 Grad die Bildqualität verbessern. Ob das stimmt, wird in Kürze der ausführliche Test zeigen.

Der Akku des HTC U11 hat mit 3000 mAh die gleiche Kapazität wie im HTC 10, soll aber eine längere Laufzeit ermöglichen. Dafür zeichnet laut HTC der Snapdragon 835 verantwortlich, der energieeffizienter arbeiten soll als der Snapdragon 820. Meine Prognose: Zwei komplette Tage schafft die Batterie trotzdem nicht, ist aber dank Schnellladefunktion zwischendurch schnell aufgefüllt. HTC verspricht 50 Prozent in 30 Minuten und 100 Prozent in 90 Minuten.

Fazit: Der zweite Eindruck ist entscheidend

HTCs neues Glas-Design bleibt Geschmacksache. Ob Edge Sense nur eine Spielerei bleibt oder genug Vorteile in der Benutzung bringt, um das U11 von der Konkurrenz abzuheben, wird sich im Test zeigen. Mit der überarbeiteten Kamera, den zwei parallel laufenden Assistenten, der aktiven Geräuschunterdrückung bietet es zudem genug Funktionen, die im ausführlichen Test noch ordentlich Pluspunkte sammeln können.

Das HTC U11 könnt Ihr ab sofort vorbestellen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 749 Euro. Der Verkauf soll HTC zufolge am 1. Juni beginnen. Auch in Deutschland kommt die Dual-SIM-Variante, bei der eine SIM-Karte die microSD-Karte ersetzen kann, in den Handel. Zuerst steht das HTC U11 in Blau, Weiß, Schwarz und Silber zur Auswahl, später im Sommer soll noch eine rote Version folgen.


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