Lego City Undercover im Test: Gutes noch verbessert

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Die harte Schule des Kung Fu: Um Rex Fury aufhalten zu können, lernt Chase Kung Fu – bei einem Klempner.
Die harte Schule des Kung Fu: Um Rex Fury aufhalten zu können, lernt Chase Kung Fu – bei einem Klempner.(© 2017 Warner Bros. Interactive Enterta)

2013 erschien "Lego City Undercover" als Exklusivtitel für die Nintendo Wii U – und war als solcher ein triftiger Grund, sich den Switch-Vorgänger zuzulegen. Vier Jahre später erscheint das Open-World-Spiel für die aktuellen Konsolen und den PC. Lohnt sich der Kauf auch 2017 noch?

Der Job eines Cops
Chase, der Baumeister
Neu für den "Compuper"
Lange Ladezeiten
Für Kinder von 6 bis 99+
Fazit

Die Wii U von Nintendo war nicht grundsätzlich schlecht. Das Konzept des GamePads mit eingebautem Bildschirm war vielversprechend, aber nicht zu Ende gedacht. Wirklich enttäuscht hat Nintendos vergangene Konsolengeneration aber beim Spiele-Lineup. Ein paar exklusive Perlen gab es dennoch: Eine davon war das 2013 erschienene "Lego City Undercover" von TT Fusion. Das Entwicklerstudio, das bereits nahezu jede bekannte Marke in Lego (Star Wars, Herr der Ringe, Harry Potter uvm.) nachgebaut hat, überraschte mit einem Open-World-Spiel im "GTA"-Stil, das ganz ohne große Lizenz auskam.

Wer "Lego City Undercover" seinerzeit verpasst hat, bekommt nun die Gelegenheit, dies nachzuholen. Der Exklusiv-Deal mit Nintendo ist ausgelaufen, sodass TT Fusion ihr Spiel für die aktuelle Konsolengeneration neu auflegen konnte. Die Portierung für die PlayStation 4, die Xbox One, den PC und die Nintendo Switch kommt mit einigen systembedingten Anpassungen und erstmals einem Zwei-Spieler-Modus.

Der Job eines Cops

Was für eine Rückkehr. Chase McCain ist gerade erst von Bord des Schiffes gegangen, das ihn nach zwei Jahren Abwesenheit zurück nach Lego City gebracht hat, da erwartet ihn schon Bürgermeisterin Gleeson mit einer Schreckensbotschaft: Rex Fury ist ausgebrochen und treibt erneut sein Unwesen in der Stadt. Natürlich kann der heldenhafte Chase als pflichtbewusster Polizist seinen Erzfeind nicht ungehindert Verbrechen begehen lassen. Kurzerhand nehmt Ihr als Chase die Verfolgung auf, die Euch quer durch Lego City führt und – so viel sei verraten – in sehr entlegene Gegenden.

Ganz schön fies: Bei diesen Clowns habt Ihr nichts zu lachen.(© 2017 Warner Bros. Interactive Enterta)

Bei der Verfolgungsjagd stehen Euch als Chase eine Menge Fähigkeiten und Freunde zur Seite – oder teilweise im Weg. Frank Honey zum Beispiel ist gerade frisch von der Kadettenschule ins Polizeipräsidium gestolpert und, nun ja, nicht unbedingt die hellste Kerze auf der Torte. Dafür aber grundsympathisch in seiner trotteligen Art und ein riesen Fan von Chase. Außerdem kennt er sich laut eigener Aussage gut mit "Compupern" aus.

Seine Angebetete Ellie Phillips versorgt Euch vom Präsidium aus mit allen wichtigen Informationen zu Euren laufenden Ermittlungen. Außerdem sorgt sie dank regelmäßiger Software-Updates dafür, dass Euer detektivisches Tablet, der Polizeikommunikator, nicht die Spur verliert. Das Multifunktionsgerät lernt im Laufe des Spiels ständig neue Funktionen, die die Spielmechanik erweitern. Zum Beispiel seid Ihr damit in der Lage, Fußabdrücke via UV-Licht sichtbar zu machen oder konspirative Treffen zu belauschen.

Chase, der Baumeister

“Warum muss man heutzutage alle Möbel selbst zusammenbauen?”, fragt sich Honey ratlos, während Ihr als Chase im Schnellverfahren eine Umkleidekabine zusammensteckt. Weil viele Gegenstände in Lego City aus dem namensgebenden Baustein bestehen, könnt Ihr diese zerlegen und in manchen Fällen zu neuen, hilfreichen zusammenbauen. Lego-Kinder dürften sich daran erinnern, dass in den Anleitungen auch immer mehr als eine Konstruktion erläutert wurde.

Ein kurzerhand gebautes Trampolin ermöglicht Euch zum Beispiel höhere Stellen zu erreichen, um an einen der begehrten Supersteine zu gelangen. Und davon braucht Ihr im Laufe des Spiels jede Menge. Ohne sie lassen sich die 65 in der großen Spielwelt verteilten Superbauten nicht fertigstellen. Bei diesen handelt es sich, wie der Name schon andeutet, um große, komplexe Lego-Gebilde, die Ihr teilweise benötigt, um im Spielverlauf voranzukommen. Allerdings müsst Ihr nicht alle 65 bauen und die dafür nötigen Supersteine liegen fair platziert in der Stadt verteilt.

Polizei-Chef Dunby schikaniert McCain, wo er kann. Dass er bei der Ermittlung selbst keine Hilfe ist, spielt für den selbst ernannten Helden keine Rolle.(© 2017 Warner Bros. Interactive Enterta)

"Lego City Undercover" ist im Kern ein Abenteuerspiel in einer offenen Welt, die Ihr in alle Richtungen erkunden könnt. Einige Bereiche sind zunächst gesperrt und werden erst durch Euer Vorankommen in der Handlung zugänglich. Als Vorbild für die Architektur von Lego City dienten den Entwicklern unter anderem San Francisco und New York. Die 20 unterschiedlichen Distrikte der Bausteinstadt spiegeln diese Vermischung in all ihrer Detailverliebtheit wider.

Neu für den "Compuper"

Der Polizeikommunikator offenbart, an welchen Stellen TT Fusion das Spiel für die Portierung angepasst hat. Das GamePad der Wii U ist nämlich integraler Bestandteil bei "Lego City Undercover" gewesen und taucht dort im Spiel als bereits erwähnter Polizeikommunikator auf. Die Karte von Lego City, Anrufe und Hinweise der Kollegen und die ermittlerischen Minispiele fanden bei der Wii U auf dem zweiten Bildschirm des GamePads statt. Da keine der aktuellen Konsolen über einen proprietäre Second-Screen-Funktion verfügt, integrierte TT Fusion die entsprechenden Inhalte direkt ins Geschehen auf dem Hauptbildschirm. Wie bei vielen anderen Vertretern des Genres ist die Minimap nun am linken unteren Bildrand platziert; Video-Telefonate werden kurzzeitig rechts unten eingeblendet; für die Observationen, die in der ursprünglichen Version auf dem GamePad gespielt wurden, blendet das Spiel nun in einen Observierungsmodus.

TT Fusion hat gute Arbeit bei der Portierung und Integration der GamePad-Funktionen geleistet. Sie fügen sich organisch in das Spielgeschehen ein, ohne wie Fremdkörper zu wirken. Überhaupt gefällt mir die Entscheidung gut, sämtliche Inhalte auf einem Bildschirm zu vereinen. So originell das Konzept der Wii U anfangs schien, so umständlich erwies es sich im alltäglich Spielen. Die im Spiel auftauchenden GamePads, pardon, Polizeikommunikatoren hat TT Fusion aber nicht ausgetauscht. Sie sehen auch weiterhin aus wie aus dem Wii-U-Karton stibitzt.

Lange Ladezeiten

"Lego City Undercover" sieht auch 2017 noch sehr gut aus. Grafisch ist das Spiel nahezu nicht gealtert. Das liegt vor allem an der charmanten Lego-Optik. Die Figuren und die Spielwelt sehen großteils so aus, wie aus echten Lego-Bausteinen zusammengesetzt. Als hätte ein Blitz ins Kinderzimmer eingeschlagen und die eigenen Lego-Klötzchen zum Leben erweckt. Laut eigener Aussage hat TT Fusion die Grafik insgesamt überarbeitet. Im Test sind uns allerdings hauptsächlich die verbesserten Lichteffekte aufgefallen, die für mehr Strahlkraft bei Lichtquellen sorgen.

Beim Spielen sind uns die weiterhin langen Ladezeiten zwischen einzelnen Missionen oder Levelabschnitten negativ aufgefallen. Auf der Wii U starrte man mitunter schon mal über eine Minute auf den Fortschrittsbalken im Ladescreen, bei der Portierung hat sich die Wartezeit nur marginal verkürzt. Dafür läuft das Spiel insgesamt flüssiger, zumindest haben wir keine Framerate-Einbrüche feststellen können.

Für Kinder von 6 bis 99+

Wer bereits Erfahrungen mit anderen Lego-Spielen von TT Fusion gesammelt hat, wird sich freuen, dass der Zwei-Spieler-Modus Teil der Überarbeitung gewesen ist. In der Neuauflage von "Lego City Undercover" könnt Ihr zu zweit an einer Konsole oder am PC im Splitscreen auf Verbrecherjagd gehen. Vor allem für jüngere Mitspieler bietet sich die Option an, da die Eltern in cooler Buddy-Movie-Manier als Sidekick helfen können.

Damit auch ältere Spieler auf ihre Kosten kommen, hat TT Fusion jede Menge Referenzen an popkulturelle Strömungen einfließen lassen. Filme wie "Matrix" werden herrlich persifliert ("Ich kann Kung Fu!"), während die Figuren alle denkbaren Klischees in sich vereinen. Der Donut liebende Polizei-Chef Dunby etwa rollt nur auf seinem Segway durch die Gegend, kommt grundsätzlich zu spät zum Ort des Geschehens, will aber dennoch als strahlender Held gefeiert werden. Unnötig zu erwähnen, dass er Chase McCain nicht leiden kann.

Fazit

"Lego City Undercover" ist der überaus gelungene Gegenentwurf zum erwachsenen "GTA" und macht mir auch beim erneuten Spielen noch genauso viel Spaß wie bei seiner Premiere auf der Wii U. Die Neuerungen sind sinnvoll eingebunden und dehnen den Spielspaß dank Zwei-Spieler-Modus auf die ganze Familie aus. Leider sind nicht alle technischen Schwächen des Originals ausgemerzt worden. Die langen Ladezeiten wurden bislang nicht optimiert – gut möglich, dass ein Patch da noch Abhilfe schafft. Am besten aber gefällt mir an "Lego City Undercover", dass es auf mehreren Ebenen funktioniert. Rein spielerisch haben schon junge Spieler an der Geschichte, ihren Figuren und der wenig komplexen Steuerung ihren Spaß. Erwachsene profitieren darüber hinaus von den herrlich absurden Anspielungen auf andere Medienprodukte. Abgesehen von dem hohen Nostalgie-Wert, dürfte jeder, der mit Lego aufgewachsen ist, ständig (popkulturelle) Bausteine seiner Kindheit wieder erkennen.


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