Lenovo Yoga 900S im Test: leicht und schwer zugleich

Ist es ein Notebook? Ist es ein Tablet? Nein, das Lenovo Yoga 900S will beides sein. Ob es die Anforderungen beider Geräte gleich gut bedient, verrät der Test.

"Wie dünn hätten Sie's denn gern?" So oder so ähnlich könnte der Fachverkäufer nachfragen, wenn Ihr Euch im Geschäft über ein neues Notebook informieren wollt. Denn die Gehäusedicke bzw. -dünne ist im Moment offenbar das, worauf es ankommt. Apple hat das dünnste MacBook aller Zeiten im Angebot, HP mit dem Spectre gleich das dünnste Notebook der Welt - und Lenovo bewirbt das Yoga 900S als das dünnste Convertible. Also die Kombination aus Notebook und Tablet. Aber ist dünner wirklich immer besser?

Zunächst ist dünner gleichbedeutend mit portabler. Mit einer Dicke von nur 12,8 Millimetern und einer Displaygröße von 12,5 Zoll passt das Yoga sogar in das Tablet-Fach meines Rucksacks. Da findet selbst mein MacBook Air mit 13-Zoll-Display keinen Platz. Auch beim Gewicht muss sich das Apple-Arbeitsgerät geschlagen geben. Das MacBook Air wiegt 1,35 Kilogramm, das Lenovo liegt meinem Gewicht von exakt 999 Gramm knapp unter der Kilogrenze. Für ein Notebook ist das ganz schön leicht, für ein Tablet nicht. Aber dazu später mehr.

Ein Gehäuse aus Karbon

Das geringe Notebook-Gewicht erreicht Lenovo dadurch, dass das Gehäuse nicht aus Aluminium besteht, sondern aus dem leichteren Carbon. Das hat allerdings den Nachteil, dass es sehr schnell verkratzt. Außen am Gehäuse findet Ihr links einen USB-2.0-Anschluss, der gleichzeitig als Ladebuchse dient, außerdem eine USB-Typ-C-Buchse, unter anderem für den Anschluss eines Bildschirms, sowie einen kleinen Reset-Schalter. Drückt Ihr darauf mit einem Kugelschreiber, könnt Ihr eine Sicherung Eurer Software erstellen oder das Betriebssystem aus einer solchen Sicherung wiederherstellen.

Ein USB-3.0-Anschluss, eine Kopfhörerbuchse und der Einschalter komplettieren das Paket auf der rechten Seite. Insgesamt hat das Yoga also nicht sehr viele, aber doch deutlich mehr Anschlussmöglichkeiten als das MacBook von Apple. Der Hingucker ist aber das Scharnier, mit dem Ihr den Bildschirm komplett zurückklappen und das Notebook als Tablet benutzen könnt. Es besteht laut Lenovo aus über 800 Einzelteilen und sieht meiner Meinung nach echt dufte aus.

Das Scharnier aus über 800 Einzelteilen ist der Hingucker.(© 2016 CURVED)

Peripherie mit Hindernissen

Wer das Notebook aufklappt, sieht zuerst die toll designte Tastatur. Die kann den guten optischen Eindruck allerdings in der Praxis nicht untermauern. Das Gehäuse ist zu flach, um einen wirklich guten Hub zu bieten. Ich habe auf dem Yoga die Reportage über die Formel E geschrieben und beim Tippen festgestellt, dass ich des Öfteren einen Buchstaben ausgelassen habe, weil ich nicht doll genug gedrückt habe. Auch das Touchpad hat mit ein paar Problemen zu kämpfen: Besonders in den unteren Ecken fühlt es sich sehr schwammig und nicht solide verarbeitet an. Da bin ich vom MacBook schon Besseres gewohnt. Zum Glück gibt es ja noch eine dritte Eingabemethode: Der Touchscreen reagiert immer präzise. Gut so!

Das IPS-Display bietet QHD-Auflösung, zeigt also 2560 x 1440 Pixel. Nicht nur auf Smartphones ist das eine Hausnummer, auch auf dem 12,5 Zoll großen Bildschirm sind keine Pixel auszumachen. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber doch: Zum einen stört die starke Spiegelung, zum anderen könnte der Bildschirm etwas heller sein. Im Freien hatte ich hin und wieder Probleme, etwas zu erkennen. Drinnen macht es dagegen richtig Spaß, Videos zu schauen und Spiele auf dem Yoga zu zocken.

Allerdings muss man auf Games für Smartphones und Tablets aus dem Windows-Store zurückgreifen. Denn für aktuelle Triple-A-Titel wie "Rise of the Tomb Raider" reicht die Power nicht aus. Ich habe spaßeshalber die Open Beta zu "Forza Motorsport 6: Apex" installiert, um zu schauen, ob das Yoga damit zurechtkommt. Fehlanzeige. Das Spiel lief nicht. Das muss es aber auch nicht. Denn im Yoga kommt der Core m7 6Y75 aus der aktuellen Skylake-Serie von Intel zum Einsatz. Dessen zwei Kerne takten im Yoga mit 1,2 und maximal mit 1,8 Gigahertz. Das reicht schlicht nicht für High-End-Gaming, ist aber eine solide Basis für Gelegenheitsspieler und Arbeitstiere.

Ein ausdauernder Akku

Außerdem ist der m7 ein stromsparender Chip. Bis zu 10,5 Stunden sind laut Lenovo drin. Den Wert kann ich bestätigen. Bei mir hielt das Yoga 900S einen kompletten Arbeitstag durch, ohne zwischendurch an die Steckdose zu müssen. Obwohl ich zwischendurch auch ein paar Videos auf YouTube angeschaut und ein Spielchen gezockt habe, stand der Akku kurz vor Feierabend noch bei 30 Prozent. Auf dem Heimweg konnte ich tatsächlich noch eine Folge einer Serie schauen. Das ist ein toller Wert! Acht Gigabyte Arbeitsspeicher und eine 512 Gigabyte große SSD runden die Ausstattung unseres Testgerätes ab.

Als Notebook macht das Yoga 900S also einen guten Eindruck, aber wie schaut es mit dem Tablet-Modus aus? Der soll sich laut Lenovo besonders zum Lesen eignen. Für längere Lektüre ist das Gerät aber dann doch zu schwer. Auch die Tastatur auf der Rückseite muss man mögen. Euch kann zwar keine falsche Eingabe unterlaufen - das installierte Windows 10 fragt Euch, sobald Ihr den Bildschirm umklappt, ob es in den Tablet-Modus wechseln soll – ungewohnt fasst es sich aber trotzdem an.

Im Zelt-Modus könnt Ihr ungestört Filme schauen.(© 2016 CURVED)

Die wahre Stärke ist der Zelt-Modus. Ihr klappt den Bildschirm einfach nicht ganz um, schon habt Ihr einen soliden Stand. Der hält auf der Couch, auf dem Tisch und auch im Bett und sorgt dafür, dass Ihr nahezu überall in Ruhe Filme und Serien schauen könnt.

Fazit: perfekt für digitale Nomaden

Das Lenovo Yoga 900S ist nicht überdurchschnittlich leistungsstark, bietet dafür aber einen ausdauernden Akku. Diese Tatsache, das geringe Gewicht und die kompakten Maße machen es zum perfekten Gerät für Leute, die überall arbeiten wollen. Was gegen einen Kauf sprechen könnte, ist der Preis. Für die Basisversion zahlt Ihr bereits 1.299 Euro. Sie enthält einen "Core m5"-Chip, vier Gigabyte Arbeitsspeicher und eine 128 Gigabyte große SSD. Unser Testgerät mit der Top-of-the-Line-Ausstattung kostet satte 1.549 Euro. Dafür gibt es schon ein MacBook Air mit ähnlicher Speicherausstattung und stärkerem Prozessor – allerdings dann ohne Scharnier und Touchscreen.


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