Lenovo Yoga Tab 3 Pro im ausführlichen Test: Beam me up!

Taugt der Beamer im Lenovo Yoga Tab 3 Pro fürs Heimkino? Wir haben uns Popcorn besorgt und das Android-Tablet ausführlich getestet.

Es gibt Tablets mit scharfen Display, es gibt Tablets mit dicken Akkus - und es gibt das Lenovo Yoga Tab 3 Pro. Das hat beides und noch viel mehr. Denn im Gerät steckt, wie auch im Vorgänger, ein kleiner Beamer. Auf der Produktwebseite des Yoga Tab 3 Pro verspricht Lenovo vollmundig einen neuen Weg, um Videos zu erleben.

Aber eines nach dem anderen. Wer einen Beamer in einem Tablet unterbringen will, der braucht Platz. Den verschafft sich Lenovo durch die für die Geräteserie charakteristische Wulst auf der Unterseite des Gerätes. Über das Design kann man sicherlich streiten. Denn richtig schick sieht das nicht aus. Neben dem Projektor bietet die Rolle noch ein paar weitere Extras. Drin steckt der Akku mit einer Kapazität von satten 10.200 mAh. Nein, da ist nirgendwo eine Null zu viel. Auf dem Papier bedeutet diese Zahl eine Laufzeit von 18 Stunden - in der Praxis auch. Ich habe das Tablet in der Nacht von Freitag auf Samstag aufgeladen und dann das ganze Wochenende über zum Spielen und Filmes schauen benutzt. Eine Steckdose in der Nähe brauchte ich auch am Montag nicht. Toll!

Eine Rolle voller Überraschungen

In der Wulst versteckt sich außerdem der Standfuß. Den könnt Ihr gut gebrauchen, um den Projektor richtig zu positionieren. Außerdem könnt Ihr das Tablet auf diese Weise wie einen Monitor vor Euch aufstellen oder an die Wand hängen. Damit sind wir aber immer noch nicht fertig. Denn die Rolle beherbergt auch eine 13-Megapixel-Kamera, die tatsächlich ganz brauchbare Aufnahmen macht. Die Kamera-App bietet dazu noch Features wie einen Stroboskopeffekt und einen Aufnahmemodus zum Abfotografieren von Dokumenten.

Ob die Knipse aber wirklich mal zum Einsatz kommt? Fraglich! Denn das Tablet ist durch eben diese Rolle nicht leicht, dafür aber sehr gut verarbeitet. Das Yoga besteht aus Metall und hat einen Rücken aus PU-Leder. Der Einschalter fürs Tablet auf der rechten und der Button für den Beamer auf der linken Seite sind gebürstet. Das wirkt sehr edel.

Power unter der Haube

Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass der Hersteller die restliche Ausstattung vernachlässigt hat. Das Yoga verfügt immerhin über einen Projektor und den Riesen-Akku. Das stimmt aber nicht. Denn das 10,1 Zoll große Display, das mit 2560 x 1600 Pixeln (299 ppi) auflöst, bietet ein richtig gutes Bild mit satten Farben. Im Innern kommt ausnahmsweise mal kein Snapdragon, sondern ein maximal 2,24 Gigahertz schneller Intel-Atom-Prozessor zum Einsatz. Der Arbeitsspeicher ist mit zwei Gigabyte etwas klein geraten, der 32 Gigabyte große Flash-Speicher per microSD-Karte um 128 Gigabyte erweiterbar.

Die Ausstattung klingt sehr nach Windows 10, tatsächlich kommt auf dem Yoga Android 5.1 Lollipop zum Einsatz. Das Google-Betriebssystem lief auf dem Yoga meistens rund. Hin und wieder öffneten sich Apps zögerlich und der Chrome-Browser stotterte beim Scrollen auf Webseiten. Aufwendige Apps wie "Game of Thrones" von Telltale Games oder "Asphalt 8: Airborne" liefen aber ohne Probleme. Für alle Spiele, bei denen Ihr das Gerät in beiden Händen halten müsst, eignet sich das Tablet aufgrund des hohen Gewichtes aber nur bedingt. Bei Rennspielen hatte ich immer das Gefühl, einen alten Kombi ohne Servolenkung zu fahren.

Außerdem integriert Lenovo ein paar nette Sonderfunktionen. Besonders die Möglichkeit, Apps in mehreren Fenstern gleichzeitig anzuzeigen hat es mir angetan. So kann ich in Chrome surfen und zwischendurch Twitter oder Facebook aufrufen und schauen. Praktisch! Hauptaugenmerk liegt aber natürlich auch hier auf dem Beamer.

Bereit zum Beamen?

Die Projektor-App dient zum Beispiel als Hub für Fotos, Videos und Dokumente, die Ihr an die Wand werfen wollt. Mit dem Lenovo-Zeichenblock könnt Ihr auf dem Bildschirm malen. Die Funktion eignet sich wohl weniger für den "normalen" Verbraucher, als für Präsentationen. Außerdem ist die Netflix-App bereits vorinstalliert, die Euch per Widget über neue Filme und Serien informiert oder anbietet, die nächste Folge Eurer aktuellen Serie zu schauen.

Killer-Feature oder Feature-Killer? Für einen Kinoabend reicht die Leistung des Beamers nicht aus.(© 2015 CURVED)

Die Funktionen klingen vielversprechend. Im Test konnte der Beamer aber nicht vollends überzeugen. In helleren Räumen kann man das projizierte Bild nicht erkennen. Die Birne ist schlicht zu schwach. Im Dunkeln trüben das unscharfe Bild und der deutlich erkennbare Trapez-Effekt den Spaß. Über die Sidebar, die Ihr in den Einstellungen aktivieren könnt, habt Ihr zwar die Möglichkeit, das vom Beamer ausgegebene Bild zu optimieren. Allerdings lässt sich die Schärfe bei einer Entfernung von knapp über drei Metern - und das ist recht wenig für einen Beamer - nur mit ganz viel Fingerspitzengefühl einstellen. Den Trapez-Effekt versucht das Tablet automatisch auszugleichen  - zu Lasten der Bildqualität.

Um mal schnell ein YouTube-Video an die Wand zu werfen oder der Familie die Urlaubsbilder zu präsentieren, reicht es gerade so - vorausgesetzt, das Zimmer ist komplett abgedunkelt. Für einen epischen Kinoabend investieren Film-Fans dagegen lieber in einen richtigen Beamer. Für puren Filmgenuss ist die Auflösung des Projektors mit 480p definitiv zu klein und die Schärfe nicht ausreichend. Bei der Größe des Beamers ist das jedoch auch kein Wunder. Wer mit dem Yoga Filme schauen will, sollte auf das wirklich gute Display zurückgreifen.

Fazit: gutes Tablet, aber nichts für Kino-Fans

Das Lenovo Yoga Tab 3 Pro ist ein durch und durch gutes Gerät. Die Verarbeitung und die Geschwindigkeit stimmen und die Akkulaufzeit stellt sämtliche Konkurrenten in den Schatten. Der Beamer ist alles in allem eine nette Dreingabe, sollte aber auf gar keinen Fall der hauptsächliche Kaufgrund sein. Tatsächlich ist es auch schwer, in dem Tablet nur den Beamer zu sehen. Dafür ist es insgesamt viel zu gut ausgestattet. In Verbindung mit einer Bluetooth-Tastatur bietet Lenovo hier für rund 500 Euro eine günstige Alternative zu Microsofts Surface Pro 4, die sich für Schüler und Studenten mit knappem Budget eignet.

Wer nicht auf die Rolle als Design-Element steht, Geschmäcker sind schließlich verschieden, bekommt für ebenfalls fast 500 Euro ein Apple iPad Air 2. Bei dem Tablet müsst Ihr aber mit der Hälfte des Speichers und, was vielleicht noch wichtiger ist, mit der Hälfte der Akkulaufzeit auskommen. Auch auf dem Android-Markt findet sich aktuell kein Gerät, das mit der Laufzeit des Yoga Tab 3 Pro mithalten kann.


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