Lenovo Yoga Book im Test: das coolste Android-Tablet des Jahres

Mit dem Yoga Book sorgt Lenovo für frischen Wind auf dem Tablet-Markt. Das Gerät sieht nicht nur richtig schick aus, es dient auch gleichzeitig als analoger und digitaler Notizblock. Wie das genau funktioniert, erklären wir Euch im Test.

Ich muss zugeben: Am Messestand auf der IFA hat mich das Yoga Book zunächst nicht von den Socken gehauen. Ein Tablet mit angebauter Tastatur, die in Wirklichkeit gar keine ist? Braucht man das? Als das Testgerät aber in der Redaktion ankam und wir es in Ruhe auspacken und ohne Sicherheitsstrippe in die Hand nehmen konnten, war es um mich geschehen. Was für ein Design! Zweifelsfrei: Das Yoga Book gehört zu den schicksten Geräten, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Nicht weil es so pompös ist. Die Schönheit der Tablet-Notebook-Kombi liegt in seiner Schlichtheit. Vorne grau, hinten grau, jeweils verbunden durch das bekannte Yoga-Scharnier. Einfach toll.

Das Gehäuse besteht aus Aluminium und Magnesium und fasst sich richtig gut an. Wäre das Yoga Book mein Hauptarbeitsgerät, ich würde wahrscheinlich auf meinen Rucksack verzichten und es von zu Hause auf Händen zur Arbeit tragen, einfach weil es sich so gut anfühlt – und es für ein Gerät mit Bildschirm und Tastatur erstaunlich leicht ist. Die enorm dünne Bauweise und das geringe Gewicht erreicht Lenovo durch einen Trick. Statt einer richtigen Tastatur verbaut der Hersteller als Gegenstück zum Display das sogenannte Halo Keyboard. Auch das hat einen Wow-Effekt. Die Tasten leuchten nur dann, wenn sie gebraucht werden. Nach einer bestimmten Zeit schaltet sich die Beleuchtung ab.

Das Yoga Book funktioniert mit und ohne Papier

Darüber hinaus dient die Tastatur gleichzeitig als Eingabefeld für den Stylus. Der befindet sich direkt im Lieferumfang. Habt Ihr die Stifteingabe über den entsprechenden Button aktiviert, könnt Ihr einfach anfangen zu kritzeln oder zu schreiben. Der Stift unterstützt 2.048 Druckstufen, Eingaben damit werden sofort erkannt und umgesetzt. Ein Gefühl wie beim Malen oder Schreiben auf Papier ersetzt es aber nicht.

Und hier kommt der nächste Lenovo-Trick ins Spiel. Im Lieferumfang befinden sich auch drei Kugelschreiberminen und ein Schreibblock aus Papier. Wechselt Ihr die Mine des Stylus und legt das Papier auf das Eingabefeld, könnt Ihr Notizen mit einem echten Stift auf echtes Papier schreiben und gleichzeitig ein Transkript für die Cloud erstellen. Eine Wahnsinnsidee, die deutlich besser umgesetzt ist als jede Styluseingabe auf einem Display.

Beim Trackpad hakt es noch

Natürlich hat aber auch das Yoga Book seine Schattenseiten. Denn auf dem Halo Keyboard lässt sich als geübter Notebook-Tipper nicht wirklich schnell schreiben. Die Tasten haben keinen physischen Hub. Zwar könnt Ihr in den Einstellungen sowohl ein akustisches, als auch ein haptisches Feedback einstellen. Ohne ertastbare Grenzen wird es aber schwer, blind darauf zu schreiben.

Das ist laut Lenovo auch Absicht. Einer Studie zufolge verwenden amerikanische Studenten nämlich mit Vorliebe Tablets und keine Notebooks mehr. Das Yoga Book sei deswegen ein Gerät für die "Generation Touch". Die Theorie: Handschriftliche Notizen werden direkt übertragen, mit dem Keyboard Mails und andere Nachrichten beantwortet. Helfen soll dabei eine Autokorrektur, die dazulernt. Im Test konnte ich so tatsächlich flott einige Zeilen aufschreiben, längere Texte hingegen nicht.

Handschriftliche Notizen werden sofort erkannt.(© 2016 CURVED)

Was mir dagegen ernsthafte Probleme bereitet hat, ist das Trackpad. Denn anders als in der Kurzanleitung beschrieben, unterstützt es kein Scrollen mit zwei Fingern. Beim Surfen ist das ein echtes Ärgernis, weil man ständig zwischen Tastatur und Display wechseln muss. Da geht der Spaß schnell verloren. Hoffentlich kann Lenovo hier per Software-Update nachlegen. Außerdem ist der Wechsel der Minen nicht sonderlich gut gelöst: Im Test-Video brach die Spitze des Stylus beim Austauschversuch einfach ab.

Ein angepasstes Android und ausreichend Power

Beim Betriebssystem habt Ihr die Wahl: Ihr bekommt das Yoga Book entweder mit Android 6.0.1 Marshmallow oder, für 100 Euro Aufpreis, mit Windows 10. Wir haben die Android-Variante bei uns in der Redaktion. Ich bin zwar normalerweise kein Fan von angepassten Oberflächen, aber Lenovo hat hier zu großen Teilen einen richtig guten Job gemacht und das System sinnvoll erweitert.

Ihr habt zum Beispiel die Möglichkeit, unterstützte Apps nicht im Vollbild- sondern im Fenstermodus laufen zu lassen. Auf E-Mails in Gmail antworten und dabei YouTube-Videos schauen? Kein Problem. Schade nur, dass weder Chrome noch Google Docs den Modus unterstützen – und die Fenstergröße nicht justierbar ist. Trotzdem hätte ich mir diese Funktion schon im vergangenen Jahr beim Pixel C von Google gewünscht. Ebenfalls praktisch: Alle offenen Apps werden in einer Taskleiste angezeigt. So könnt Ihr schnell zwischen Anwendungen wechseln.

Multitasking ist mit dem Yoga Book kein Problem.(© 2016 CURVED)

Für das nötige Tempo sorgen ein "Intel Atom x5-Z8550"-Prozessor, der mit bis zu 2,4 Gigahertz taktet, und vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Im AnTuTu erreicht das Yoga Book mit dieser Ausstattung rund 90.000 Punkte. Trotzdem eignet es sich nur bedingt zum Spielen. Denn mit einem Gewicht von 690 Gramm ist es für ein Notebook zwar schön leicht. Im Tablet-Modus mit umgeklapptem Bildschirmen geht es aber gerade bei Autorennspielen, die man über den Bewegungssensor steuert, ganz schön auf die Arme. Dafür könnt Ihr das Yoga Book im "Zeltmodus" bestens zum Anschauen von Filmen und Serien benutzen. Der 10,1 Zoll große Bildschirm löst mit 1920 x 1200 Pixeln auf und bietet ein schönes, scharfes Bild.

Mit 64 Gigabyte Flash-Speicher steht jede Menge Platz für Notizen, Fotos und Co. zur Verfügung. Wer noch mehr braucht, rüstet per microSD-Karte bis zu 128 Gigabyte nach. Für genügend Strom sorgt ein Akku mit 8.500 mAh. Laut Lenovo soll der für bis zu 13 Stunden Dauernutzung ausreichen. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen: Der Akku war im Test nur schwer leer zu kriegen. An Bord sind auch noch zwei Kameras. Eine löst mit zwei, die andere mit acht Megapixeln auf. Für mehr als Videotelefonie und ein schnelles Selfie taugen sie aber nicht.

Fazit: viele Funktionen für wenig Geld

Ausreichend Leistung, eine lange Laufzeit, ein absolut gelungenes Design und ein digitaler Notizblock: Für 499 Euro (bzw. 599 Euro in der Windows-10-Variante) bekommt Ihr mit dem Yoga Book eine ganze Menge geboten. Etwas schade ist, dass der Wechsel der Minen nicht optimal funktioniert und das Trackpad keine Scroll-Geste unterstützt. Das sind aber Kleinigkeiten. Davon einmal abgesehen ist das Yoga Book für mich eines der tollsten und schicksten Geräte 2016.


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