LG G7 ThinQ im Test: Hilft künstliche Intelligenz beim Fotografieren?

Das LG G7 ThinQ
Das LG G7 ThinQ(© 2018 CURVED)

Die Ergänzung ThinQ beim LG G7 ThinQ soll erkennbar machen, dass das Smartphone über eine künstliche Intelligenz (KI) verfügt. Wie hilfreich die im Alltag ist und was das Top-Smartphone sonst noch auszeichnet, erfahrt ihr in diesem Test.

Aber bevor wir uns mit dem Innenleben beschäftigen, zuerst der Blick auf Äußerlichkeiten. Hier wartet das LG G7 ThinQ mit einer glänzenden und spiegelnden Rückseite aus Glas auf. Das Gehäuse soll aber trotzdem wasserdicht und "stoßsicher" sein. Für beides hat LG Zertifikate erhalten, fallen lassen solltet ihr das Smartphone aber trotzdem nicht. Denn Kratzer auf Metallrahmen oder Glas vorne und hinten, verhindern kein Zertifikat.

Notch im Display und eine Taste für den Google Assistant

Vorne schaut man auf ein 6,1 Zoll großes Display mit einer Notch, das LG zufolge 81,9 Prozent der Vorderseite des G7 bedeckt. Die Aussparung für die Frontkamera am oberen Rand kann man aber auch optisch ausblenden. Dann ist der Rahmen oben und unten gleich groß, nur das oben im schwarzen Bereich neben der Notch weiterhin die Uhrzeit steht und Benachrichtigungen auftauchen. Die Auflösung von 3120 x 1440 Pixeln sorgt für ein scharfes Bild. Auch farblich sieht das Flüssigkristalldisplay kräftig und natürlich aus.

Allerdings teile ich die Einschätzung von LG nicht, dass es sich um ein "extra helles" Display handelt. Um bei Tageslicht den Displayinhalt gut erkennen zu können, musste ich die Helligkeit auf 100 Prozent stellen – bei Wolken wohlgemerkt und nicht bei Sonnenschein. Das musste ich bei keinem anderen Top-Smartphone in den letzten Monaten machen. Ich kann zwar noch eine "verstärkte" Helligkeit aktivieren, die das Display noch heller macht, was im Alltag aber deutlich umständlicher ist als den Schieberegler zu bewegen.

"Smarte" Kamera mit zwei Linsen

Der Namenszusatz ThinQ macht sich erstmals bemerkbar, wenn man das LG G7 mit der Taste unterhalb der Lautstärkeregler auf der linken Gehäuseseite einschalten will. Der Power-Button befindet sich allerdings auf der rechten Seite. Die zusätzliche Taste links startet den Google Assistant und nimmt Sprachbefehle entgegen. Drückt man die Taste zweimal, öffnet sich Google Lens und steht bereit um Gegenstände zu identifizieren.

Neben dem Google Assistant hat LG aber auch eine eigene KI entwickelt. Sie ist vor allem in der Kamera im Aufnahmemodus "AI Cam" spür- und nutzbar. Sie erkennt erstaunlich gut, was man fotografieren will und wählt einen dazu passenden Aufnahmemodus aus. Momentan stehen ihr 19 Modi, die etwa für Himmel, Strand oder Blumen gedacht sind, zur Verfügung. Ich bin mit den Ergebnissen aber nicht zufrieden und finde die Aufnahmen der normalen Automatik in der Regel schöner und natürlicher.

Auf der Rückseite des LG G7 ThinQ befindet sich eine Dualkamera, die im Porträt-Modus den Hintergrund unscharf machen und einen Zoom anbieten soll – allerdings anders als die anderen Smartphones mit zwei Kamera-Linsen. Statt näher ans Motiv, bekommt ihr mit der Weitwinkel-Kamera des G7 mehr auf das Bild. Egal ob der Blickwinkel 71 oder 107 Grad umfasst, die Auflösung der Bilder liegt immer bei 16 Megapixeln. Die Standard-Kamera ist mit einer f/1.6-Blende allerdings etwas lichtstärker als die Weitwinkel-Kamera mit f/1.9.

Die Standard-Kamera des LG G7 ThinQ liefert Fotos mit einer sehr hohen Detailgenauigkeit und natürlich wirkenden Farben. Mit Kontrasten geht die Kamera souverän um. So souverän, dass die Aktivierung des HDR-Modus nur geringe Auswirkungen hat. Das ist aber auch gut so, denn er versteckt sich in den Einstellungen der Kamera-App und ist dort nur umständlich zu erreichen. Im Porträt-Modus unterscheidet die Kamera ziemlich zuverlässig zwischen Motiv im Vordergrund, das scharf bleiben soll, und dem Hintergrund, der unscharf gemacht wird.

Auch ohne aktive AI Cam merkt die Kamera des G7, wenn es dunkel wird und aktiviert seinen "extra helle Kamera"-Modus. Dieser kommt zwar auch mit wenig Licht aus, bleibt qualitativ aber hinter anderen Top-Smartphones bei Nacht zurück. Dies gilt sowohl für die Detailgenauigkeit als auch für den Ausgleich von besonders hellen Bereichen. Nutzt man bei Dunkelheit die AI Cam, erhält man total weichgezeichnete Aufnahmen, die nicht schön aussehen.

Die Frontkamera des LG G7 liefert Selfies mit einer Auflösung von acht Megapixeln. Für eine Frontkamera ist die Detailgenauigkeit mehr als in Ordnung, die Farben wirken allerdings etwas blass. Hier lohnt es sich definitiv, den HDR-Modus zu aktivieren. Nicht anderes hat in unserem Test die AI Cam beim Selfie gemacht. Auch ohne zweite Kamera-Linse bietet die Frontkamera einen Porträt-Modus und schafft es für eine Software-Lösung überraschend gut den Hintergrund unscharf zu machen – und das Gesicht fokussiert zu lassen.

Kurz vor Veröffentlichung des Tests, erreichte uns die Nachricht von LG, dass auf unserem Testgerät noch nicht die finale Software installiert sei. Mit dieser solle auch die Bildqualität noch besser werden. Insofern stehen die Aussagen zur Kamera noch unter Vorbehalt. Sobald das Update uns erreicht, werden wir den Abschnitt über die Kamera ggf. anpassen.

Sound und Leistung

Neben der künstlichen Intelligenz ist der Sound das zweite Standbein auf das LG beim G7 setzt. So verfügt das Gerät über Boombox-Lautsprecher. Sie klingen voluminös, der Bass lässt das Smartphone sogar vibrieren – was man vor allem spürt, wenn man es in der Hand hält. Darüber hinaus verbaut LG einen Quad-DAC, der aber nur bei passenden Kopfhörern den Sound verbessert. Dank 3,5mm-Buchse kann man aber wenigstens auch alte Modelle mit klassischem Kabel verbinden. Für den 7.1 Kanal Surround Sound über DTS:X sind ebenfalls passende Wiedergabegeräte notwendig. Die Lautsprecher im Smartphone reichen dafür alleine nicht.

Mit dem Snapdragon 845 verbaut LG im G7 den aktuell schnellsten Chipsatz von Qualcomm. Ihm stehen vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Das ist etwas weniger als bei anderen Top-Smartphones, für alltägliche Anwendungen aber auch rechenintensive Spiele und sogar AR- und VR-Anwendungen hat das G7 aber trotzdem noch genug Rechenkraft. Der interne Speicher sollte mit 64 Gigabyte in der Regel ausreichend sein, lässt sich bei Bedarf aber noch mit einer microSD-Karte erweitern. Der Akku mit einer Kapazität von 3000 mAh bringt das Smartphone bei typischer Nutzung problemlos über den Tag und ist bei Bedarf dank Schnellladetechnologie über den USB-C-Anschluss fix aufgeladen.

Als Betriebssystem kommt Android 8.0 Oreo zum Einsatz. Die Software von Google versieht LG beim G7 ThinQ mit seiner eigenen Nutzeroberfläche. Der Fingerabdrucksensor befindet sich auf der Rückseite des LG G7 ThinQ und ist dort gut erreichbar. Alternativ kann man aber auch eine Gesichts- oder ein Stimmerkennung nutzen, um das Smartphone zu entsperren. Auch wenn beide im Alltag gut funktionieren, ist das G7 am Ende mit einem Passwort, PIN-Code oder Fingerabdruck besser geschützt.

Fazit

Mit seiner Hardware gehört das LG G7 ThinQ eindeutig zu den Top-Smartphones. Es klingt auch ohne externe Lautsprecher schön. Die Kamera liefert gute Fotos, drängt sich aber nicht an die Spitze. Beim Display stört mich dagegen die fehlende Helligkeit und die künstliche Intelligenz war mir keine große Hilfe. So kann ich auch gut darauf verzichten. Preislich bewegt sich das G7 mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 849 im typischen Bereich von Top-Smartphones. Damit ist es aber auch viel teurer als zum Beispiel das OnePlus 6, das man bereits ab 519 Euro bekommt.

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