Netatmo Welcome im Test: die Kamera mit dem guten Gedächtnis

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Die Netatmo Welcom erkennt Gesichter.
Die Netatmo Welcom erkennt Gesichter.(© 2016 CURVED)

Die Netatmo Welcome ist mehr als nur eine Überwachungskamera. Sie kann Gesichter erkennen und zuordnen. Wie gut das klappt, zeigt der Test.

Sonntagnachmittag beim Kaffeekränzchen: Die Schwiegermutter hat Geburtstag. Plötzlich meldet sich mein Smartphone: "Eine Bewegung wurde erfasst", steht auf dem Display. Kurz werde ich nervös. Ein Einbrecher? Dann beruhige ich mich. Denn der kurze Videoclip auf dem Smartphone zeigt: Nur die beiden Hunde, die übers Wochenende bei uns zu Gast sind, haben sich im Wohnzimmer gerührt. Ausgelöst hat den Alarm die Netatmo Welcome, eine smarte Überwachungskamera für die Wohnung.

Auf dem ersten Blick könnte man das Gerät auch für ein Lifestyle-Produkt oder Deko halten – was für eine Überwachungskamera nicht unbedingt schlecht ist. Der Aluminiumzylinder sieht trotz der goldenen Farbe unscheinbar und nicht wie ein Hightech-Gerät aus. Erst, wenn man genauer hinsieht, bemerkt man die Kameralinse. Auf der Rückseite befinden sich noch eine LAN-Buchse für den Anschluss an einen Router und ein Mikro-USB-Anschluss für die Stromversorgung und das Auslesen der mitgelieferten microSD-Karte. Natürlich könnt Ihr die Kamera auch mit Eurem WLAN verbinden.

Das Gesicht als Gedächtnisstütze

Wie das funktioniert, erklärt die App für iOS oder Android bei der sehr einfachen und unaufgeregten Einrichtung. Schritt für Schritt erfahrt Ihr, was zu tun ist, damit die Kamera ihren Dienst ordnungsgemäß verrichten kann. Momente, in denen man eine lange Anweisung einfach wegdrücken möchte, gibt es nicht. Auch im Betrieb gibt sich Netatmo Mühe, den Nutzer nicht mit Informationen zu erschlagen. Gut so!

Nach der Einrichtung müsst Ihr dafür sorgen, dass die Kamera Euch und Eure Mitbewohner kennenlernt. Das kann schon ein, zwei Tage in Anspruch nehmen, in denen Ihr von der Welcome immer wieder als unbekannte Person wahrgenommen werdet. Der Grund: Die Kamera gibt sich nicht mit nur einem Bild pro Nutzerprofil zufrieden. Damit sie Euer Gesicht wirklich zuverlässig erkennt, müsst Ihr regelmäßig in der App nachschauen und die als unbekannt eingestuften Gesichtern den vorhanden Profilen zuweisen. Das ist aber nicht so aufwendig wie es klingt und jeweils in ein paar Sekunden erledigt. Über die App legt Ihr auch fest, wann Ihr über etwas alarmiert werden wollt: Immer, nie oder nur wenn Ihr nicht zu Hause seid.

Sobald die Kamera zu Hause eine Bewegung registriert oder ein Gesicht erkennt, vermerkt sie dieses Ereignis einer Timeline in der App und schickt je nach Einstellung eine Push-Nachricht ans Smartphone oder die Smartwatch. Tippt Ihr darauf, könnt Ihr Euch die Videoaufzeichnung auf dem Handy ansehen. Das muss übrigens nicht zwingend etwas bedrohliches sein. Welcome informiert Euch auch darüber, wenn Euer Mitbewohner nach Hause gekommen ist.

Ansonsten habt Ihr über die Anwendung jederzeit Zugriff auf das Live-Bild aus Eurer Wohnung. Das nimmt die Welcome mit einem 4-Megapixel-Sensor auf, der maximal eine Full-HD-Auflösung bei Bewegtbildern schafft. Für die Zwecke der Kamera reicht das vollkommen aus. Auch Personen, die nicht direkt von der Linse standen, konnten im Test sehr gut erkannt und von der App gegebenenfalls mit Namen zu Hause begrüßt werden. Dazu kommt der große Aufnahmewinkel. Dieser beträgt 130 Grad. Damit bekommt die Welcome ganz schön viel mit. Wenn es dunkel wird, schaltet die Kamera automatisch in den Nachtmodus und liefert scharfe Schwarzweißaufnahmen.

Videos lokal und in der Cloud

Videos speichert das Gerät auf der mitgelieferten, acht Gigabyte großen microSD-Karte. Ist Euch die zu klein, könnt Ihr sie auch durch ein Modell mit bis zu 32 Gigabyte ersetzen. Ist die Karte voll, überschreibt die Kamera alte Clips mit neuen. Gespeicherte Videos könnt Ihr per App aufs Smartphone laden. Die Speicherkarte an sich ist verschlüsselt und lässt sich am PC nicht auslesen. Zusätzlich könnt Ihr die Videos auch auf einem eigenen FTP-Server oder in der Dropbox speichern. Aber Vorsicht: Eine Möglichkeit, der Welcome eine bestimmte Speichergröße in der Dropbox zuzuteilen, gibt es nicht. Wollt Ihr auf diese Lösung zurückgreifen, empfiehlt es sich, noch einmal ein kostenloses Basiskonto zur eröffnen. Das hat dann aber nur mickrige 2 Gigabyte.

Das Angebot komplettieren die separat erhältlichen Tags. Die sind nicht größer als ein USB-Stick und können an Fenstern und Türen befestigt werden. Nach der Einrichtung können sie per Vibration feststellen, ob Tür oder Fenster gerade geöffnet oder geschlossen sind. Auch wenn im Test jemand an der Tür rüttelte, registrierten die Tags eine Bewegung, meldeten aber nicht, dass die Tür geöffnet wurde.

Der "Big Brother"-Effekt

Wogegen man sich bei aller Innovation nicht wehren kann, ist der “Big Brother”-Effekt. Schließlich passt die Kamera nicht nur dann auf meine Wohnung auf, wenn ich nicht da bin. Sie schneidet auch mit, wenn ich faul in Jogginghose auf der Couch liege und Pizza esse. Für die Kamera kein schöner Anblick, für mich manchmal ein merkwürdiges Gefühl.

Was passiert eigentlich, wenn Netatmo oder Dropbox mal Sicherheitsprobleme bekommt und mein Account gehackt wird? Dann hätte der Angreifer nicht nur Zugriff auf meine Daten, er könnte sogar einfach in meine Wohnung schauen. Unmöglich ist das nicht. Vor zwei Jahren sind Nutzerdaten, wohl ohne die Schuld des Cloud-Anbieters, schon einmal an die Öffentlichkeit gelangt. Dropbox hat daraufhin zwar schnell reagiert – ein mulmiges Gefühl bleibt aber trotzdem.

Fazit: das zuverlässige Auge

Blendet man diese Sorge aus, bekommt man mit der Netatmo Welcome eine gute und vor allem zuverlässige Überwachungskamera. Im Test ist ihr zumindest nichts entgangen. Gesichter hat sie immer richtig erkannt und zugeordnet und bei Bewegungen ordnungsgemäß Alarm geschlagen. Kurz gesagt: Für eine UVP von 199 Euro machen Nutzer auf der Suche nach einer guten Sicherheitskamera nichts verkehrt. Die Tags gibt es im Dreierpack für 99 Euro. Das ist, gemessen am Funktionsumfang, vielleicht ein wenig zu teuer.


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