Oculus Quest im Test: Die kabellose Virtual-Reality-Revolution

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Oculus Quest im Test: VR macht kabellos einfach doppelt Spaß.
Oculus Quest im Test: VR macht kabellos einfach doppelt Spaß.(© 2019 Oculus)

Oculus Quest im Test: Virtual Reality ist die Zukunft des Gamings. Es ist die nächste Immersions-Ebene. In Shootern fühlt ihr euch wie John Wick, im Lichtschwertkampf so mächtig wie Darth Vader. Bislang ging das nur mit Kabelsalat und pfeilschnellem Gaming-PC. Die Oculus Quest hingegen hat einen Weg gefunden, der VR-Gaming in den Mainstream führen dürfte.

Die Oculus Quest ist vielleicht das spannendste Gaming-Produkt des Jahres. Endlich, endlich wird Virtual Reality kabellos und das ist eine kleine Revolution. VR ist diese nächste Ebene an Inszenierung, an Immersion. Gerade in Shootern fühle ich mich wie John Wick: Kopf runter, Desert Eagles durchladen, wieder rein in die Action. Ich drücke mich an reale Wände, um auf virtuelle Gegner zu schießen und das Ganze fühlt sich schon fast ein bisschen wie ein Holo-Deck an. Was mir aber immer gefehlt hat, war die Freiheit – bisher!

Denn die virtuelle Realität an sich funktioniert schon auf der Oculus Rift und Rift S sehr schön, aber diese doofen Kabel reißen einen immer wieder raus. Stell euch einen Lichtschwertkampf in "Star Wars: Vader Immortal" vor: Wie Meister Yoda persönlich lasst ihr das Lichtschwert kreisen, schleicht um euren Gegner herum, sucht nach seinen Schwachstellen. Dann geht ihr in den Angriff, setzt den ersten Hieb – und das Kabel zerstört eure Partie! Genau das gibt es bei der Oculus Quest eben nicht mehr: Hier ist alles kabellos und was vielleicht am Genialsten ist – es braucht keinen Highend-Gaming-PC mehr, was den Preis erheblich drückt. Für die Oculus Rift sollte es schon eine Grafikkarte im Performance-Bereich der GTX 1070 sein, die Quest hingegen läuft autonom auf Smartphone-Technologie.

Oculus Quest: Das Rundum-Sorglos-Paket mit eingebauter Smartphone-Technik

Die Oculus Quest hat Smartphone-Technologie in Form des sehr beliebten Snapdragon 835 an Bord, der die OLED-Einheiten mit einer Auflösung von jeweils 1.440 x 1.600 Pixel befeuert. OLED heißt perfekter Schwarzwert, auch Samsung verwendet beispielsweise ein AMOLED-Display bei seinem Galaxy S10+ und auch das OnePlus 7 Pro hat ein extrem schnelles, sehr klares 90 Hz OLED-Display. Wir haben also relativ viel Smartphone-Technik hier verbaut, die sehr gut aufeinander abgestimmt ist und das ganze VR-Erlebnis deutlich unproblematischer gestaltet. Die HTC Vive ist auch ein tolles Gerät, gar keine Frage. Aber sie bringt eben Sensoren mit sich, die aufgestellt werden müssen, während diese bei der Oculus Quest voll integriert sind.

Bisherige VR-Geräte, die direkten Strom brauchen und einen Kabelsalat verursachen sind okay für alle, die einen Hobby-Gaming-Raum haben. Aber schwierig für Großstädter, die tendenziell eher im Wohnzimmer spielen und platztechnisch vielleicht etwas eingeschränkter sind. Die Oculus Quest hingegen nehmt ihr aus der Box, schaltet sie ein, ladet eine App auf euer iOS-Gerät oder Android-Smartphone runter, koppelt kurz Telefon und VR-Brille – und los geht’s! Das erleichtert die Einrichtung, insbesondere wenn ihr der Oculus erlaubt, einfach die WLAN-Daten von zu Hause zu übernehmen. Schließlich wollen die Spiele erst auf den mit 64 GB respektive 128 GB durchaus großzügig bemessenen Speicher heruntergeladen werden. Auch Kopfhörer sind direkt integriert, die aber nur okay sind und gerade in den Höhen und beim Bass leider schwächeln. Hier ist klar zu empfehlen, ein gutes Headset links oder rechts via 3,5 Klinke anzuschließen.

Die Preise im Überblick

  • 64 GB Oculus Quest: 499 Euro
  • 128 GB Oculus Quest: 599 Euro

So einfach läuft der Roomscale mit Oculus Quest

Eine Frage, die sich mir gleich am Anfang stellte: Wie kompliziert wird es wohl mit dem Roomscale bei der Oculus Quest laufen? Ich muss jetzt im Nachhinein sagen, es geht erstaunlich einfach und dauert nach dem Start wirklich nur ein paar Minuten:

  1. Oculus-App herunterladen, mit der Oculus Quest koppeln, via Wifi Spiele herunterladen
  2. Zum konkreten Roomscale: Ihr müsst mit Hilfe der Oculus-Touch-Controller anpassen, wo sich der Boden befindet, weil wir Menschen natürlich unterschiedlich groß sind und Gegner uns beispielsweise auf Augenhöhe begegnen sollen
  3. Kreiert einen virtuellen Käfig. Klingt kompliziert, besteht aber im Grunde nur darin, dass ihr ein Feld um euch herum zeichnet, damit Oculus Quest weiß, wie viel Platz ihr habt. Mindestens 2 x 2 Meter braucht das System, bis zu 7 x 7 Meter sind aber möglich. Und genau dadurch wird’s gleich spannend. Klare Sache: Quest muss natürlich verhindern, dass ihr gegen euren Fernseher, Schrank oder die Couch rennt, wenn ihr spielt. Deshalb muss der Bereich vorher virtuell abgesteckt werden.

Neu und ziemlich innovativ ist das Passthrough-System: Sobald ihr euren virtuellen Käfig verlasst, lassen die OLEDs zumindest die Skizzierung des realen Raumes durchscheinen, so verliert ihr nie die Kontrolle und wisst ziemlich genau, wo ihr gerade steht.

Weiterer Vorteil: Euch wird weniger schnell übel, solltet ihr mit Virtual Reality generell Probleme haben. Mit Der Oculus Quest könnt ihr auch mal drei Stunden spielen und alles ist gut – persönlich hatte ich damit bei der Vive oder Rift schon Probleme, gerade beim längeren VR-Genuss.

Oculus Quest als VR-Revolution mit großer Spiele-Vielfalt

Fazit: Ich glaube das ist es. Das ist genau die VR-Revolution, auf die wir seit Dekaden warten. Die Vive ist technisch brillant und extrem präzise, aber schlicht zu teuer. Die Oculus Rift und Rift S teilen dieses Schicksal – sie brauchen einen Hardcore-Gaming-PC. Die Quest ist jetzt das erste All-in-One-VR-System und es ist wirklich der Hammer. Preislich liegen wir bei 449 Euro für 64 GB, wer 128 haben möchte zahlt 549 Euro. Das ist fair, weil ihr sonst nichts braucht. Das Setup, die Bedienung, alles ist easy.

Die ersten Games rocken, gerade Vader Immortal hat mich mit seiner Story-Tiefe und den Geheimnissen rund um die Katakomben unter Vader Castle durchaus überrascht und da kommen ja noch etliche Episoden. Für Gaming-Nachschub ist gesorgt, satte 100 Spiele sind noch in der Pipeline – darunter viele große Titel für Vive und Rift, sowie auch Exclusives. Und dann gibt’s da noch ein paar Features, die ich mir in den nächsten Wochen mal genauer anschauen werde, weil sie eine neue soziale Komponente reinbringen.

Ihr könnt zum Beispiel mit Freunden ins VR-Kino gehen, wobei jeder seinen eigenen Avatar steuert. Klingt crazy, ist crazy. Wer Lust auf kabelloses VR hat, der greift zu. Ich würde das hier allerdings nicht als abgeschlossenes Review sehen, weil es erst der Start in eine neue Generation ist und wir noch viel von der Oculus Quest hören und erleben werden.

Die aktuell besten Games für die Oculus Quest

Das alles liest sich für euch schon ganz gut, aber ihr wollt wissen, wie die Games für die Oculus Quest so sind? Hier findet ihr meine aktuellen Highlights der Quest-Spiele.

"Vader Immortal": Das beste "Star Wars"-Spiel für VR

VR lebt von seiner Haptik, vom Greifen, vom Fühlen, vom Erleben. In den ersten Minuten von "Star Wars: Vader Immortal" sitze ich in einem Raumschiff, blicke in die robotischen Augen eines kleinen Droiden und spiele an Schaltern herum. Weil die Oculus-Touch-Controller kein klassisches Pad sind, sondern sich mehr wie ein Ring um die Finger legen, kann man damit nach Gegenständen greifen – in diesem Fall Schalter. "Wir wären dann bereit für den Hyperspace, Master", meint der Droide. All right – Joystick links greifen, nach hinten ziehen und ab geht’s . Das Spiel drückt mich förmlich nach hinten, so echt fühlt sich dieses Eindringen in den Hyperspace an. Das ist "Star Wars", wie "Star Wars" gemacht sein muss.

Schon EAs Battlefront 2 zeichnet beeindruckende Schlachtengemälde und macht richtig Spaß, aber eben in klassischer Form – auf meinem 65-Zoll-Fernseher im Wohnzimmer. "Vader Immortal" hingegen lässt mich Knöpfe drücken, Raumschiffe steuern, später das Lichtschwert führen. In einer grafischen Qualität, die positiv überrascht. Ja, auf Oculus Rift bekommt ihr mehr Schärfe und Effektgewalt, schließlich hängt ein mehrere tausend Euro teurer Gaming-PC dran. Aber gerade wie filigran meine Finger erkannt werden, ist schon erstaunlich. Übrigens auch nicht als eine Hand, sondern jeder Finger einzeln. In diesem Raumschiff kann ich umher laufen, Dinge anfassen und es fühlt sich gut und richtig an.

"Beat Saber": Hey Mister DJ mit Lichtschwertern

"Beat Saber" hat in den USA einen regelrechten Fitness-Hype für Gamer ausgelöst. Das Prinzip erinnert an "Guitar Hero", ihr müsst also die richtigen Noten treffen. Allerdings nicht mit einem Gitarrencontroller, sondern Lichtschwertern, die man sehr präzise schwingen muss. Das ist gut für die Armmuskulatur und macht richtig Laune, weil ihr schnell lernt, euch im Rhythmus des Beats zu bewegen. Was ich persönlich enorm schätze ist die Ortsunabhängigkeit: Gerade bei herrlichem Sommerwetter möchte man ja ungerne in der Bude spielen, sondern lieber im Garten.

Funktioniert problemlos. Gerade auch durch das Passthrough-Feature – während es bei der Vive ja eher schwierig ist, sich innerhalb seiner Wohnung zu orientieren, findet ihr aus der Wohnung schnell in den Garten und auf den Balkon. Dance Central ist ähnlich tanzorientiert und spaßig.

"Supershot": "John Wick 3" in Virtual Reality?

"Supershot" ist wirklich extrem nah dran, an einem John Wick. Die orchestrale Untermalung, die Inszenierung, die Perfektion. Es ist kein klassischer 3D-Shooter, weil die Areale nur aus wenigen Farben bestehen und die Gegner ebenfalls nur aus roten Skizzen, aber sie sind viele an der Zahl, bis an die Zähne bewaffnet und ihr müsst die Macht der Zeit – speziell das Anhalten und Beschleunigen der Zeit – nutzen, um euch Desert Eagles, Uzis, Shotguns und Katanas zur Verteidigung zu schnappen.

Ist sehr viel fordernder als es aussieht, perfekt auf VR zugeschnitten und richtig gut für Oculus Quest – gerade, weil es so viel Bewegungsspielraum erfordert.

"Moss": Die Magie von "Zelda", der Soundtrack von "Der Herr der Ringe"

Moss ist eine wundervolle, sehr emotional aufgeladene Reise, die mich direkt an "Der Herr der Ringe" erinnert hat. Eine kleine Maus zieht von ihrem Mäuserich-Dorf aus, um die Welt zu erkunden  und trifft dabei auf eine magische Geschichte, die erzählt wird wie ein Märchen. Es geht recht stark um Puzzles, um Jump-and-Run-Elemente und natürlich Quill – sicherlich die süßeste Protagonistin, die ich persönlich je erlebt habe.

Ihr könnt ihr zum Beispiel durch die Haare wuscheln oder sie kitzeln. Später kommt eine magische Kugel hinzu, die die gesamte Welt verändert – ein sehr unterhaltsames Spiel, das ich nur empfehlen kann.


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