Sony WH-1000XM3 im Test mit dem Xperia 1: Traumkombi für Sound-Fans

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Die Sony WH-1000XM3 Noise-Cancelling-Kopfhörer im Test mit dem Sony Xperia 1: ein Traumpaar?
Die Sony WH-1000XM3 Noise-Cancelling-Kopfhörer im Test mit dem Sony Xperia 1: ein Traumpaar?(© 2019 CURVED)

Die Sony WH-1000XM3 sind die neue Generation der Bluetooth-Kopfhörer mit Noise Cancelling des Multimedia-Riesen. Während die seit September letzten Jahres erhältlich sind, gibt es seit Juni das neue Flaggschiff: Sony Xperia 1. Und besonders im Zusammenspiel haben mich die beiden echt umgehauen! Das Zauberwort ist Dolby Atmos.

Sony liefert die Kopfhörer in einem smarten Case mit Stoffüberzug, darin sind auch alle Kabel kompakt untergebracht. Wie sich Bluetooth-Kopfhörer so zusammenfalten lassen, ist ja immer so eine Sache. Sieht halt irgendwie komisch aus. Ansonsten wenig, was wirklich auffällt, bis auf den kupfernen Sony-Schriftzug und die in derselben Farbe eingerahmten Noise-Cancelling-Mikrofone. Unauffälliges Design und Schwarz: gefällt mir!

Doch zunächst mal das erste Gefühl: Beim Auspacken der Over-Ear-Kopfhörer ist mir gleich das ziemlich geringe Gewicht aufgefallen. Ein Blick in die Daten zeigt: 255 Gramm, das ist nur wenig leichter als meine eigenen (260 Gramm), bei Verkaufsstart etwa 140 Euro günstigeren Noise-Cancelling-Kopfhörer. Trotzdem fühlen sich die Sony leichter an – und wertiger. Apropos günstiger: 379 Euro hatte Sony für seine Noise-Cancelling-Kopfhörer veranschlagt. Mittlerweile bekommt ihr die aber auch rund 100 Euro günstiger.

Die Sony WH-1000XM3 im Test: Spaß ab dem ersten Moment

Zum Beispiel an den Polstern. Denn die sind deutlich weicher, fühlen sich glatter an, außerdem liegt die Naht näher Richtung Hörmuschel. Etwas irritierend fand ich am Anfang die relativ frei umherflatternden Ohrmuscheln, die an keiner Stelle einrasten. Aber wer nicht rastet, der rostet – nicht! Spaß beiseite: So haben die Kopfhörer auf jeden Fall mehr Flexibilität, sich eurer Kopfform anzupassen. Und sie fühlen sich gut an. Schon ohne einen Knopf zu bedienen, dämmen sie die Umgebungsgeräusche merklich.

Ansonsten ist die Bedienung simpel, eingängig und nicht zu beanstanden. Ein langer Druck auf den "Power"-Schalter startet die Sony WH-1000XM3 oder macht sie aus, ein noch längerer Druck befördert sie in den "Koppeln"-Modus. Der "NC/Ambient"-Knopf regelt das Noise Cancelling und den "Ambient Sound"-Modus – dazu später mehr. Der kann übrigens auch als Button für den "Google Assistant" belegt werden. Das Noise Cancelling regelt ihr dann über eure Smartphone-App.

Die rechte Ohrmuschel-Außenseite ist eine Touch-Bedienfläche. Ein Druck auf die Mitte bedeutet Play oder Pause, ein Wisch nach oben oder unten regelt die Lautstärke und nach vorn oder hinten navigiert ihr durch die Playlist. Wer das einmal gemacht hat, braucht keine Tasten mehr.

Noise Cancelling: Sonys Glanzstück

Persönlich stehe ich ja total auf Over-Ear Kopfhörer, und ganz besonders auf Noise Cancelling. Und das ist bei den Sony WH-1000XM3 nicht nur aktiv, sondern auch adaptiv möglich: Mit "Ambient Sound" erkennt der Kopfhörer automatisch, ob ich gerade unterwegs bin oder zum Beispiel U-Bahn fahre, und passt an, was ich gerade brauche. Konkret heißt das: Wenn ich durch die Stadt laufe und zur U-Bahn-Station gehe, höre ich in der Situation wichtige Dinge wie zum Beispiel die Durchsagen an der Haltestelle. Beim Fahren ist dann alles still.

Natürlich lässt sich das alles noch anpassen. Und gerade, was Einstellungsmöglichkeiten betrifft, fährt Sony mächtige Geschütze auf. Im Test war ich aber erstmal etwas genervt. Eine App installieren, um das Smartphone mit den Kopfhörern zu verbinden? Na gut. Nachdem ich den Google Assistant zum Schweigen gebracht habe, der sich dann auch noch einklinken wollte (wenn ihr wollt, könnt ihr die Noise Cancelling Taste an den Kopfhörern als Assistant-Button nutzen), sind die Kopfhörer über die App in wenigen Sekunden einsatzbereit.

Sonys Kopfhörer-App "Headphones" ist intuitiv und effektiv

Wer will, ist ab jetzt bedient. Aber ich empfehle damit ein wenig rumzuspielen, denn dann geht es erst richtig los. Vom Akkustand der Bluetooth-Kopfhörer bis zur Steuerung, wann sich die Kopfhörer automatisch ausschalten sollen. Dort gibt es einen Equalizer, die Funktion anzupassen, woher der Ton gerade kommen soll, oder "Surround"-Optionen einstellen: Will ich mich fühlen wie in einer Konzerthalle, Arena oder im Club? Sogar eine Luftdruck-Optimierung nehmen die Kopfhörer vor, das soll besonders im Flugzeug sinnvoll sein.

Doch am spannendsten ist die adaptive Geräuschsteuerung. Dort kann ich jeden Modus noch mal separat und in sage und schreibe 20 Stufen anpassen, wie stark die Umgebungsgeräusche unterdrückt werden sollen. Die Modi sind: verweilen, spazieren, laufen und befördert werden. Darüber hinaus kann ich noch einen "Fokus auf Stimme" aktivieren, sodass ich Leute, die mich zum Beispiel nach dem Weg fragen wollen, noch verstehe.

Das einzige, was etwas nervt, ist das Signal, wenn der Modus umschaltet. Eine Art Glockenschlag weist mich darauf hin, dass ich und mit mir mein Kopfhörer nun vom Spazier- in den Beförderungs-Modus gewechselt bin. Dabei wird die Wiedergabe unterbrochen.

Nun, das klingt ja alles schon mal nicht schlecht. Aber ihr volles Potenzial entfalten die Kopfhörer besonders mit dem Sony Xperia 1. Und zwar nicht nur, weil beides von Sony ist oder der Kopfhörer mit Bluetooth verbunden wird und das Xperia keine Klinkenbuchse hat – hier geht es um das Gesamtpaket Multimedia-Erlebnis. Übrigens: Selbst eine Kabelverbindung wäre kein Problem, denn ein entsprechender Adapter wird von Sony mitgeliefert und auch die WH-1000XM3 haben ein Kabel dabei.

Das Sony Xperia 1 ist ein Multimedia-Gigant

Das Sony Xperia 1 ist ungewöhnlich. Das besonders lange Display im 21:9-Format fällt sofort auf, genauso wie das 4k-Display, das sich im Vergleich zu anderen Handys bis zu einer Helligkeitsstufe heraufregeln lässt, die einen fast blendet. Warum das alles?

Mit dem neuen Flaggschiff wollte Sony offenbar einen neuen Maßstab in Sachen Multimedia auf den auf den Markt bringen. Eine vorinstallierte Videoaufnahme-App mit umfangreichen Funktionen, ein nicht ganz randloses Display, was den Vorteil bietet, dass das Bild eben nicht durch eine Notch oder ein "Loch" im Display gestört wird und Dolby Atmos.

Was ist Dolby Atmos?

Mit Dolby Atmos erhaltet ihr zusätzliche Soundoptionen, welche die des WH-1000XM3 um weitere Möglichkeiten ergänzen. Ihr könnt entweder die Voreinstellungen für Musik oder Filme wählen. Dazu kommt der "Dynamisch"-Modus, der erkennt automatisch, was ihr gerade hört und passt die Einstellungen an. Und unter "Anpassen" könnt ihr noch selbst die gewünschten Einstellungen wählen, auch unter jedem voreingestellten Modus könnt ihr mithilfe eines Equalizers Anpassungen vornehmen.

Dolby Atmos könnt ihr übrigens auch ohne Kopfhörer nutzen. Macht halt nur bedingt Sinn. Ebenso wie die Vibrationsfunktion, die euch passend zur akustischen Wiedergabe ein haptisches Erlebnis mit zu Bild und Ton passenden Vibrationen bieten soll. Das finde ich eher unnötig.

Mit den Sony WH-1000XM3 auf den Ohren und aktiviertem Dolby Atmos beim Xperia 1 kommt aber richtig Freude auf: Bei "The Dirt", dem Netflix-Biopic über die Glam-Rock-Band Mötley Crüe, fühlt es sich bei deren Proberaum-Sessions so an, als würdet ihr tatsächlich danebenstehen. Es klingt einfach nach Proberaum, etwas dreckig, zu viel Hall und die Verstärker hört man dort, wo sie eben stehen: Gitarren-Amp links, Bassbox rechts, Schlagzeug in der Mitte. Und beim Live-Auftritt fliegen einem die Explosionen des Feuerwerks um die Ohren, als würde man in der ersten Reihe stehen. Wahnsinn!

Anderes Beispiel: "Spuk in Hill House". Ich liebe diese Horror-Serie, doch mit der Kombination Sony WH-1000XM3 plus Dolby Atmos plus Sony Xperia 1 bekomme ich sogar beim Binge-Watching auf dem Smartphone Gänsehaut. Hier ist das Display voll ausgefüllt, an der Bildqualität ist sowieso nichts auszusetzen und der Sound, der mich einfach mitten in den Raum katapultiert, ist nervenzerfetzend. Vor mir läuft jemand vorbei, hinter mir nervöses Getrappel, rechts ein Glockenschlag – bei dieser durch Sound erzeugten dichten Atmosphäre landet einfach jeder Jumpscare.

Der kleine Makel

Und natürlich ist auch "einfach nur Musikhören" in dieser Verbindung richtig fett – und zusammen mit dem Noise Cancelling schlägt mein Herz 180 BPM (Beats per Minute) schneller. Ein Kopfhörer kann natürlich qualitativ maximal so stark sein wie es die oftmals komprimierte Datei hergibt? Nun, daran lässt sich nicht rütteln. Aber: Sonys "Headphones"-App will hier durch digitale Nachbearbeitung Abhilfe schaffen und verspricht, mit "DSEE HX" (Digital Sound Enhancement Engine) automatisch die Qualität nachzubessern.

Schwer, da noch einen Wermutstropfen zu finden. Doch die Stärken beider Geräte können auch zu deren Schwächen werden: Wer sich nicht mit den Einstellungen befassen will, wird das ganze Potenzial vielleicht gar nicht ausschöpfen. Alle Möglichkeiten immer auszunutzen, ist auch beim 21:9 Display des Xperia 1 nicht immer möglich. Bei YouTube könnt ihr zwar in das Bild reinzoomen, was dann oben und unten einen kleinen Teil wegschneidet – das fällt aber tatsächlich kaum auf – doch ansonsten braucht ihr schon Filme oder Serien, die in diesem Format produziert wurden. Apropos Produktion: Nicht alle Filme unterstützen Dolby Atmos. Aber da hat beispielsweise Netflix schon jetzt eine ordentliche Auswahl.

Sony WH-1000XM3: Eine Traumkombination für Anspruchsvolle

Natürlich könnt ihr auch alle Modi aktivieren, mit den Basiseinstellungen arbeiten und alles automatisch regeln lassen – sowohl in den Dolby Atmos Einstellungen des Sony Xperia 1 als auch bei den ganzen Noise Cancelling beziehungsweise "Ambient Sound"-Optionen. Aber da geht eben noch mehr und es macht richtig Spaß, sich damit auseinanderzusetzen. So viel Spaß, dass ich beim Umstieg auf meine alten Kopfhörer – die ich echt ins Herz geschlossen habe – mit einem weinenden Auge in die U-Bahn gestiegen bin.

Wer also Bock auf Multimedia hat, viel auf dem Smartphone streamt, wie zum Beispiel Bahnfahrer, und ein anspruchsvoller Hörer ist, dem sei die Kombination wärmstens ans Herz gelegt. Ich bin jedenfalls verliebt – und würde dafür auch etwas mehr Geld in die Hand nehmen als bei meinem letzten Kopfhörer-Kauf.


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