Sony Xperia 1 im Test: ein kinoreifes Smartphone im Hands-on

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Das Sony Xperia X1 bietet ein buntes Potpourri an Funktionen.
Das Sony Xperia X1 bietet ein buntes Potpourri an Funktionen.(© 2019 CURVED)

Sonys neues Top-Smartphone, das Xperia 1, ist sprichwörtlich kinoreif. Das liegt unter anderem am Display, aber auch die Kamera macht das Smartphone zu etwas besonderem. Was es genau kann? Ein Hands-on.

21:9-Display mit 4K-Auflösung, drei Kameras, Kino-App. Kurz: Sony erfindet seine Smartphone-Reihe mal wieder neu. Das ist auch dringend nötig, denn der japanische Unterhaltungs-Riese steckt, was Mobiltelefone angeht, in der Krise. Im 3. Quartal 2018 konnte das Unternehmen nur noch 1,8 Millionen Smartphones verkaufen, ein Einbruch von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Richten soll es Anfang 2019 das Sony Xperia 1, das neue Top-Gerät des Herstellers. Schon der Name macht klar: Ab jetzt läuft hier einiges anders. Vorbei sind die Zeiten des Buchstabensalats um die X-, Z- und XZ-Reihen. Alle drei gibt es nicht mehr. Stattdessen heißt das Top-Modell von nun an Xperia 1. Ein potenzieller Nachfolger bekommt, ähnlich wie Alpha-Kameras von Sony, eine römische Ziffer als Zusatz, hieße also Xperia 1 II. Also alles auf Anfang.

Zurück zu den Ursprüngen

Das gilt auch beim Design. 2018 hat sich Sony von klassischen und charismatisch eckigem Aussehen der Vorgänger verabschiedet. Die Rückseite war stattdessen rund – aber keine runde Sache. Der Design-Kniff kam bei Kunden offenbar nicht so gut an. Das Xperia 1 erinnert zumindest wieder mehr an die klassischen Sony-Smartphones, die Wölbung auf der Rückseite, die die Sony-Geräte zuletzt eher klobig erscheinen ließ, gibt es zumindest nicht mehr. Beim Material bleibt sich der Hersteller aber treu. Vorn Glas, hinten Glas, dazwischen ein Rahmen aus Aluminium. Das fasst sich gut an und sieht schick aus – keine Frage –, im Jahr 2019 ist das aber längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Das Xperia 1 sieht den älteren Sony-Smartphones wieder ähnlicher.(© 2019 CURVED)

Damit ihr euch bei der Doppelverglasung nicht zu sehr sorgen müsst, verwendet Sony hinten wie vorn übrigens Gorilla Glass 6. Passend dazu ist das Gehäuse nach IP68 gegen Wasser und Staub geschützt. Auch das ist keine Überraschung mehr. Ein guter Wasserschutz gehört längst bei jedem Top-Smartphone zum Programm, ist bei Sony aber ohnehin seit Jahren Tradition. Gut so! Altbewährt war auch Sonys Kniff, den Fingerabdrucksensor an der Gehäuseseite zu platzieren. Beim Xperia XZ2 und XZ3 lag der aber auf der Rückseite. Auch das fanden Kunden eher so mittel. Sony hörte zu und verbaut nun den Sensor wieder auf der rechten Gehäuse, unterhalb des Einschalters.

Ein riesiges Display

Haptisch weiß das Xperia 1 zu überraschen. Das Display misst 6,5 Zoll in der Diagonalen. Das klingt erstmal nach einem dicken Klopper. In Wirklichkeit ist das Xperia für die Größe unfassbar leicht und, gemessen an der Größe, fast schon ein wenig handlich. Dennoch: Auf dem großen Bildschirm wird es schwer, alle Winkel und Ecken mit dem Daumen zu erreichen. Hilfe kommt per Software. Über die SideSense genannte Funktion könnt ihr ein Menü mit favorisierten Apps öffnen, das einfach zu erreichen ist. Wollt ihr aber die Mitteilungszentrale oder die Schnelleinstellungen öffnen, braucht ihr zwei Hände.

Trotz Riesendisplay ist das Xperia 1 noch einigermaßen handlich.(© 2019 CURVED)

Dafür hat der Bildschirm einige andere Vorzüge: Es handelt sich um ein OLED-Display mit 4K-Auflösung (3840 x 1644 Pixel). Das klingt nicht nur auf dem Papier traumhaft, sondern sieht auch in echt so aus. Dazu trägt Sonys X1-Chip bei. Der kommt sonst nur in den Fernsehern der Bravia-Reihe zum Einsatz und ist für Farben, Kontraste und Upscaling zuständig. Gewöhnungsbedürftig ist der Formfaktor: Das Xperia 1 ist eines der ersten Smartphones mit einem 21:9-Display. Das Format kommt vorrangig im Kino zum Einsatz, wo Filme in 21:9 gezeigt werden.

Der Vorteil beim Format liegt auf der Hand: Man sieht mehr vom Bildschirminhalt. Entsprechende Inhalte gibt es mittlerweile schon auf den gängigen Plattformen, also auf Netflix, Amazon Prime oder YouTube. Auch neue Spiele wie "Asphalt 9" unterstützen das Breitbildformat. Damit es noch besser zur Geltung kommt, lässt sich die Notch im Xperia 1 nicht abschalten, es gibt gar keine. Sony entscheidet sich hier bewusst gegen den Trend der Aussparung oder Löcher für Frontkameras im Display. Motto: Wenn schon ein Kino-Display, dann auch richtig. Zusätzlich gibt es Stereo-Lautsprecher sowie "Dolby Atmos"- und High-Res-Audio-Unterstützung. Mobile Cineasten wird es freuen. Alle andere müssen mit einem etwas dickeren Balken am oberen Rand leben.

Drei Kameras und eine Kino-App

Auf der Rückseite befindet sich eine dreifache Kamera, die sich aus einem Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv (mit zweifach optischem Zoom) zusammensetzt. Jede Knipse bietet eine Auflösung von 12 Megapixeln, das Weitwinkel-, und das Teleobjektiv verfügen darüber hinaus noch über einen optischen Bildstabilisator. Mit der Kamera sollt ihr unter anderem schicke Porträtfotos schießen können. Einen entsprechenden Bokeh-Modus integriert der Hersteller in die Kamera-App. Ausprobieren konnten wir die Kamera allerdings noch nicht. Bei den Vorführgeräten war die die Software noch nicht final.

Die Triple-Kamera auf der Rückseite verfügt über ein Weitwinkel-, Normal- und ein Teleobjektiv.(© 2019 CURVED)

Und apropos Kino: Viel Wert Sony hat auch auf die Videofunktion gelegt. Clips nehmt ihr in 4K auf, Zeitlupen in Full-HD bei bis zu 960 Bildern pro Sekunde. Kreativen spendiert der Hersteller außerdem eine App, die in Zusammenarbeit mit CineAlta, Sonys Sparte für professionelle Filmkameras, entstanden ist. In dieser "Cinema Pro"-App könnt ihr Details wie Farbtiefe, Blende und Fokus selbst festlegen. Das lädt zum Probieren ein. Ob der durchschnittliche Nutzer die Einladung annimmt, ist eine andere Frage.

Die restliche Ausstattung ist genau das, was man von einem Anwärter auf die Spitzenklasse erwarten darf: top! Im Inneren taktet mit dem Snapdragon 855 nicht nur Qualcomms aktuell schnellster Smartphone-Prozessor. Damit ist das Xperia 1 eines der ersten Geräte überhaupt, das mit dem Chip ausgestattet wird. 6 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, 128 GB Datenspeicher und ein Akku mit 3300 mAh runden das Paket ab. Mehr Speicher könnt ihr per microSD-Karte nachrüsten. Bis zu 512 GB extra sind möglich. Als Betriebssystem installiert Sony das aktuelle Android 9 Pie, das bis auf wenige Anpassungen unangetastet aussah.

Preise und Verfügbarkeit

Das Sony Xperia 1 ist ab dem 1. Juni 2019 zum Preis von 949 Euro in Schwarz, Weiß, Grau und Lila erhältlich.

Vorläufiges Fazit: 21:9 für Sony

Sicher, 949 Euro sind nicht günstig, dafür gibt’s beim Smartphone aber auch mehr als bei der Konkurrenz. Ein 21:9-Display mit 4K-Auflösung hat aktuell kein Mitbewerber im Angebot. Gleiches gilt für die "Cinema Pro"-App. Die dürfte besonders für Filmschaffende interessant werden. Alles in allem zeigt der Hersteller außerdem, dass er aus der Vergangenheit gelernt hat und seinen Kunden zuhört. Auf mich wirkt das Xperia 1 nach dem ersten Ausprobieren wie der Neustart, den Sony seit Jahren hinlegen wollte, der aber erst 2019 tatsächlich geglückt ist.


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