Tolino Tab 8 im Test: E-Reader für Comics & Kochbücher

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Tolino Tab 8
Tolino Tab 8(© 2014 CURVED)

Mit dem Tolino Tab 8 bieten deutsche Buchhändler ein Android-Tablet an, das sich besonders für begeisterte Leser von E-Books eignen soll. CURVED hat auf ihm nicht nur Romane, sondern auch Comics und Kochbücher gelesen sowie ausprobiert, wie es sich in den Tablet-Grunddisziplinen schlägt.

Ich muss zugeben, anfangs habe ich den Versuch der Telekom zusammen mit deutschen Buchhändlern, ein Gegengewicht zu Amazon zu schaffen, belächelt. Nachdem ich aber das Tolino Tab 7 und den Tolino Vision 2 in der Hand hatte, weiß ich, dass die Hardware problemlos mit dem Kindle und den Fire-Tablets mithalten kann. Da überraschte mich die Meldung, dass die Mitglieder der Tolino-Allianz im letzten Quartal zusammen erstmals mehr E-Books in Deutschland verkauft haben als Amazon, dann auch weniger.

Display mit hoher Auflösung, aber nicht zum Lesen im Freien

Für das Design des Tolino Tab 8 zeichnet erneut die Telekom verantwortlich, die Herstellung hat Trekstor übernommen. Wie schon beim Tab 7 haben sie sich für eine Gehäuse aus Softtouch-Kunststoff entschieden, den ich persönlich gut leiden kann. Er ist etwas weicher und liegt griffig in der Hand. Dadurch wird das Tablet nicht zu einem edlen Hingucker, lässt sich aber gut halten und benutzen. Das runde Design wird durch die klobig wirkenden Öffnungen für den Micro-USB-Anschluss und die Speicherkarte getrübt, zudem sitzen die Vorder- und die Rückseite des Tablets nicht nahtlos aufeinander. Ein kleiner Spalt ist zu fühlen und zu erkennen.

Das acht Zoll große Display bietet ein hohe Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Einzelne Pixel sind da nicht zu erkennen, und die Inhalte haben klare Konturen und natürliche Farben, die aber für meinen Geschmack ruhig noch ein wenig kräftiger sein könnten. Die Blickwinkelstabilität ist hoch, so dass sich die Anzeige auch im gekippten Zustand noch gut erkennen lässt. Reine Textseiten wirken klarer und die Buchstaben schärfer als auf einen E-Book-Reader. Allerdings spiegelt der Tablet-Bildschirm stärker als ein E-Ink-Display, so dass man beim Lesen und auch der weiteren Nutzung auf Lichtquellen achten muss und weder im Freien noch mit dem Rücken zum Fenster bequem lesen kann.

Genug Leistung für Spiele, aber nicht mit höchster Grafikqualtität

Beim Tolino Tab 8 muss die Hardware nicht nur E-Books anzeigen, sondern auch Filme, Spiele und andere Apps flüssig laufen dazu. Dafür stecken der mit vier Rechenkernen und eine Taktfrequenz von 1,83 Gigahertz ausgestattete Atom-Prozessor Z3735 von Intel und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher in dem Tablet. Nominell ist das langsamer als die Snapdragon-Chips in den aktuellen Topmodellen, und auch der Antututu-Benchmark sortiert es mit 31.121 Punkten im Mittelfeld ein.

Konkret bedeutet das, dass die Nutzeroberfläche flüssig läuft und auch die allermeisten Apps ohne Probleme funktionieren. Einzig die Ladezeiten können einen kleinen Moment länger dauern und bei Spielen mit aufwendiger Grafik wie Asphalt 8 muss man sich für ein ruckelfreies Spielerlebnis mit einer mittleren Grafikqualität zufrieden geben.

Von dem 16 Gigabyte großen Speicher stehen rund 10,5 Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung. Das ist nicht üppig, reicht aber für viele Bücher oder eine größere Musiksammlung. Aber selbst größere Spiele-Apps lassen sich installieren. Wird der Speicherplatz trotzdem knapp, lässt er sich einfach mit einer microSD-Karte erweitern. Für Eure E-Books - und leider nur für die E-Books - stellt Tolino 25 Gigabyte Cloudspeicher zur Verfügung, von dem Ihr sie immer wieder installieren könnt –auch auf verschiedene Geräte.

Der fest verbaute Akku verfügt über eine Kapazität von 4100 Milliamperestunden und soll bis zu 12 Stunden Energie liefern. Bei mir hat er das Tablet gut über den Tag gebracht, wobei ich nicht stundenlang Spiele gespielt habe. Der Spielspaß und der Genuss von Videos und Musik werden allerdings durch den Mono-Lautsprecher des Tolino Tab 8 getrübt. Er befindet sich am seitlichen Rand und bietet keinen raumfüllenden Klang. Da klingen viele Einsteiger-Smartphones besser.

Tolino verzichtet beim Tab 8 auf eine Kamera auf der Rückseite, was ich bei einem Tablet völlig in Ordnung finde. Stattdessen steckt in dem Tablet nur eine Frontkamera mit einer Auflösung von zwei Megapixeln. Mit ihr könnte man Fotos und Videos aufnehmen, sollte es aber aus Gründen der Bedienung und vor allem der Bildqualität lassen. Für Videochats kann man sie dagegen gut gebrauchen.

KitKat mit direktem Draht zu E-Books

Mir persönlich gefällt es, dass Tolino auf dem Tab 8 Android 4.4.4 KitKat fast in der nativen Version installiert. Außer dem Hintergrundbild, dem ES Datei Explorer und der Tolino App, habe ich keine Ergänzungen bemerkt. Die Tolino-App bietet Euch Zugang zu den Shops der angebundenen Buchhändler und ist die Lese-Anwendung für E-Books.

Sie zeigt unter anderem EPUB- und PDF-Dateien an und spielt aber auch Musik und Videos ab. Zum Schnuppern sind fünf E-Books vorinstalliert: Ein Roman, ein Kochbuch, ein Kinderbuch, ein Comic und ein Reiseführer. Gegenüber einem E-Book-Reader mit E-Ink-Display spielt das Tablet bei den letzten vier seine Stärke aus: ein farbiges Display.

Falls Euch die Schriftart nicht gefällt oder Euch die Buchstaben zu klein sind, könnt Ihr beides bei EPUB-Dateien in der Tolino-App verändern. Sieben Schriftgrößen und fünf Schriftarten stehen zur Auswahl. Praktisch finde ich den Lesemodus, der sich mit einem Fingertipp aktivieren lässt. Er schaltet alle bestehenden drahtlosen Verbindungen aus und schont so nicht nur den Akku, sondern sorgt auch dafür, dass keine Benachrichtigungen mich beim Lesen stören.

Unter dem Display befindet sich eine Schaltfläche, die auf Berührungen reagiert und zwar schon auf leichte. Mit Ihr ruft man die Tolino-App auf - egal welche App gerade läuft oder wo man sich auf der Nutzeroberfläche befindet. Das klingt praktisch, ist in der Praxis aber sehr störend, wenn man sie ungewollt berührt. Was aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit leicht passiert.

Ein E-Book-Reader für Comics, Kinderbücher und Reiseführer

Das Tolino Tab 8 löst bei mir weniger Begeisterung aus als sein kleiner Bruder, das Tolino Tab 7, aber das kostete zuletzt mit 99 Euro auch nur die Hälfte des aktuellen Modells. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Tolino Tab 8 liegt bei 199 Euro. Das erweist sich seinerseits als solides Tablet mit schickem Display und ausreichender Hardware sowie einer aufgeräumten Software.

Zusammen mit der Tolino-App ist es der perfekte E-Book-Reader für alle, die nicht nur Romane, sondern auch Kochbücher, Comics, Kinderbücher, Reiseführer und andere Bücher mit farbigen Bildern in digitaler Form lesen wollen. Darüber hinaus habe ich kein zwingendes Argument für das Tolino Tab 8 gefunden, aber auch keinen ernsthaften Grund, der gegen das Tablet spricht.


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