Zolo Liberty Plus im Test: So gut klingen die günstigen Ohrstecker

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Die Zolo Liberty Plus laden sich in ihrem Case automatisch auf.
Die Zolo Liberty Plus laden sich in ihrem Case automatisch auf.(© 2017 CURVED)

"Truely Wireless"-Kopfhörer, also wirklich komplett kabellose Kopfhörer, sind toll. Aber teuer. Die Zolo Liberty Plus hängen die Preislatte für die Audio-Ohrknöpfe ein paar Stufen niedriger und machen Apples AirPods und Samsungs Gear IconX Konkurrenz. Da verwundert es nicht, dass sie bei ihrer Vorstellung einen regelrechten Hype ausgelöst haben. Jetzt sind sie endlich da. Wir haben sie ausprobiert.

Gleich vorweg: Manchmal sind es Kleinigkeiten wie das Geräusch beim Schließen des Deckels der Transporthülle. Das klingt bei den Zolo Liberty Plus ein wenig metallisch und satter als bei anderen "True Wireless"-Kopfhörern, die hier gerade in der Redaktion herumliegen. Dadurch wirken sie gleich viel hochwertiger verarbeitet und stimmen einen positiv. Selbst wenn das Case etwas größer und schwere als bei den Konkurrenten wie den Jabra Elite oder den Jaybird Run sein mag.

Lange Akkulaufzeit

In dem Transport-Case der Zolo Liberty Plus steckt aber auch ein großer Akku. Diese lädt die Ohrstecker, die mit einer Ladung etwa 3,5 Stunden durchhalten sollen, immer automatisch auf, wenn man sie zurück in die Hülle legt. Für 48 Stunden Musikhören soll das Case Strom bereithalten. In den Knöpfen stecken jeweils sechs Millimeter großer Treiber aus Graphen. Bei der Audio-Übertragung per Bluetooth können sie auf die Codecs AAC und SBC zurück greifen. Die Zolo Liberty Plus gehören zu den ersten Audio-Gadgets, die Bluetooth 5.0 unterstützen. Das macht sich unter anderem in einer deutlich größeren Reichweite bemerkbar. Ich konnte jetzt zum Beispiel in meiner ganzen Wohnung Musik hören. Egal, wo das Smartphone eigentlich lag. Bisher ging das nur mit dem "Sender" an einer zentralen Stelle.

Vorteil etwa gegenüber Apples AirPods: Mit drei Aufsätzen und vier unterschiedlich langen Ear-Wings lassen sich die Zolo Liberty Plus an viele Ohren anpassen. Selbst in meinem kleinen Ohr halten sie nicht nur sicher, sondern sitzen auch bequem. Auch beim Sport fielen sie trotz Erschütterungen und Schlägen nicht heraus. Weiterer Pluspunkt: Die Kopfhörer haben eine IPX5-Zertifizierung erhalten. Das bedeutet sie sind schweißresistent, aber nicht wasserdicht. Sprich: Sport ist okay, aber bitte nicht Schwimmen gehen oder im Regen joggen.

Als problemlos erwies sich die Verbindung zwischen Smartphone und den Zolo Liberty Plus. Nach dem ersten manuellen Pairing über die Einstellungen des Smartphones stellen die Stecker alleine die Verbindung her, wenn man sie aus ihrer Hülle nimmt. Übrigens: Man kann auch nur mit einem Stecker Musik hören. Nimmt man den zweiten später doch aus dem Case, klinkt er sich von alleine in die Bluetooth-Verbindung ein.

Zum Musikhören, nicht zum Telefonieren

Steckt man sich die Zolo Liberty Plus ins Ohr, fällt zuerst der für In-Ear-Kopfhörer kräftige Bass auf. Er ist aber nicht ganz so stark, wie etwa bei den Beats X. Insgesamt kommt der Sound sehr klar im Kopf an. Höhen und Tiefen sind sauber zu hören, aber jeweils nicht dominant. Nimmt man einen der Hörer heraus und steckt ihn wieder herein, hört man kaum einen Unterschied. Das weckt bei mir Zweifel an den Stereo-Qualitäten der Liberty Plus. Aktiviert man den Transparenz-Modus, verschlechtert sich zwar der Klang, aber die Umgebungsgeräusche sind besser zu hören – und das ist in bestimmten Momenten genau der gewünschte Effekt. Etwa, wenn ihr sie im Straßenverkehr tragt.

Zum Telefonieren eignen sich die Zolo Liberty Plus allerdings nicht. Man selber versteht seinen Gesprächspartner zwar sehr gut und trotz des Mikrofons im Ohr ist man theoretisch auch für diesen sehr gut zu verstehen. Die Tonübertragung hatte im Test aber ständig kurze Aussetzer. Das macht ein Gespräch sehr anstrengend bis unmöglich.

Je nachdem, wie lange man die Zolo Liberty Plus drückt, stoppt und startet man die Wiedergabe, springt zum nächsten oder vorherigen Song, schaltet den Transparenz-Modus an oder aus und startet je nach Telefon Siri oder den Google Assistant. Die Lautstärke muss man allerdings direkt am Smartphone anpassen. Über die Ohrstecker funktionierte das nicht.

Für die Liberty Plus bietet Zolo eine eigene App an, die aber nicht notwendig ist, um die Kopfhörer in Betrieb zu nehmen. Sie lässt Euch über das Smartphone den Transparenz-Modus ein- und ausschalten. Dies blieb im Test aber ohne Auswirkung. Direkt über die Ohrstecker klappte es allerdings ohne Probleme. Zusätzlich hält die App noch einen Equalizer bereit, der aber keine detaillierten Einstellungen zulässt, sondern nur fünf vorgefertigte Profile hat: Pop, Jazz, EDM, Classical und Balanced.

Fazit: Attraktives Preis-Leistung-Verhältnis

Mit ihrer unverbindlichen Preisempfehlung von 129 Euro sind die Zolo Liberty Plus für komplett drahtlose Kopfhörer vergleichsweise günstig. Dafür bekommt man bequem und sicher sitzende Ohrstecker mit einem überraschend guten Sound. Für Telefonate eignen sie sich allerdings nicht. Und mir fehlt noch die Möglichkeit, die Lautstärke über die Kopfhörer zu kontrollieren.

Der reguläre Verkauf soll in Deutschland im Januar starten. Dann gibt es mit den Zolo Liberty auch eine abgespeckte Version für 99 Euro. Ohne "Plus" im Namen soll der Akku im Case nur 24 Stunden Energie liefern. Zudem ist sind die Treiber 0,5 Millimeter kleiner und sie beherrschen nur Bluetooth 4.2. Darüber hinaus fehlen die App und der Transparenz-Modus.

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