Android-Apps auf Chrome OS ausprobiert: das Beste aus zwei Systemen

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Der Play Store sieht in Chrome OS so aus wie in Android.
Der Play Store sieht in Chrome OS so aus wie in Android.(© 2016 CURVED)

Schon auf der Google I/O im Mai 2016 hat Google die Integration von Android-Apps in das Desktop-System Chrome OS angekündigt. Im Juni haben schon Besitzer des Asus Chromebook Flip davon profitiert. Nun ist der Play Store auch auf dem Chromebook Pixel (2015) und dem Acer Chromebook R11 angekommen. Wir haben es ausprobiert.

Die Chromebooks, die Google zusammen mit Herstellern wie Asus, Acer oder Toshiba regelmäßig auf den Markt  bringt, sind in Deutschland bislang mehr Nischenprodukte als eine echte Alternative zu Windows 10. In einer Statistik von Statista zum Thema "Marktanteile der führenden Betriebssystemversionen in Deutschland von Januar 2009 bis Mai 2016" taucht Chrome OS daher gar nicht erst auf.

Der Grund ist klar: Der Umfang des Betriebssystems beschränkte sich bislang hauptsächlich auf den Chrome-Browser und Erweiterungen aus dem Web Shop. Mehr als Plugins und ein paar Spiele gibt es da nicht. Mit der Integration des Play Store und der darin enthaltenen Android-Apps stehen das System und die günstigen Geräte, auf denen es läuft, nun aber in einem anderen Licht: Kann Android der Heilsbringer für Chrome OS sein?

Android-Apps nur im Entwicklermodus

Vorweg: Damit der Play Store auf dem Chromebook, in unserem Fall ein Acer Chromebook R11, überhaupt funktioniert, muss die Entwicklerversion von Chrome OS installiert sein. Was das bedeutet, ist logisch: Nicht jede Anwendung funktioniert schon jetzt so, wie es im sogenannten "Stable Channel", also der stabilen Chrome-OS-Version, mal soll.

Fangen wir aber ganz von vorne an: Nach der Installation der Entwicklerversion erscheint das "Play Store"-Symbol im "Anlage" genannten Dock. Nach dem ersten Klick darauf erfolgt, wie unter Android, die Einrichtung. Ihr müsst die AGB akzeptieren und Euch mit einem Google-Konto anmelden. Dann kann es auch schon losgehen.

Android 6.0 Marshmallow ist die Basis für die Apps in Chrome OS.(© 2016 CURVED)

Der Play Store in Chrome OS unterscheidet sich nicht von dem auf Android-Geräten. Ihr habt auch auf dem Chromebook die Auswahl zwischen "Apps & Spiele" und "Unterhaltung". Wenn Ihr eine App installieren wollt, klickt Ihr einfach darauf und dann auf "Installieren". Heruntergeladene Apps laden erstmal versteckt im Launcher. Den erreicht Ihr, wenn Ihr auf die Lupe klickt und dort dann auf "Alle Apps". Per Rechtsklick könnt Ihr Anwendungen aber auch an die Anlage pinnen. Das Ablegen auf dem Desktop ist nicht möglich. Eventuell ändert Google das aber im Laufe des Jahres noch. Denn die Anlage ist schnell voll - und die Suche nach Apps im Launcher oder über die Suche auf Dauer etwas umständlich.

Android Marshmallow unter der Haube

Wenn Ihr eine App öffnet, fragt Euch Chrome OS, welche Rechte Ihr der Anwendung zugestehen wollt. Diese Abfrage kommt nicht von ungefähr. Denn damit die Apps auf Chromebooks laufen, hat Google Android in Chrome OS integriert. Noch handelt es sich bei der verwendeten Version um Android 6.0 Marshmallow. Zum Release soll das Update auf die neue Version Android 7.0 Nougat erfolgen.

Dürfen die das? Wie in Android erlaubt oder verweigert Ihr Apps auch in Chrome OS den Zugriff auf Speicher, Standort und Co.(© 2016 CURVED)

Habt Ihr eine App geöffnet, gibt es aktuell drei Möglichkeiten, diese zu benutzen: im normalen Fenster in Smartphone-Größe, im Vollbild oder im Tablet-Modus. Für diesen braucht Euer Chromebook allerdings ein umklappbares Display. In der herkömmlichen Ansicht könnt Ihr beliebig viele Apps in Fenstern nebeneinander laufen lassen (wenn die Power Eures Gerätes das zulässt).

Schade: Während man die Fenster vom Chrome-Browser wie unter Windows 10 mit einem langen Klick auf den "Vollbild"-Button schnell auf die halbe Breite des Bildschirms trimmen kann, funktioniert das mit den Apps noch nicht. Allerdings dürfte es kein großes Problem sein, solch ein Feature nachzurüsten. Im Tablet-Modus könnt Ihr nur eine App zur Zeit nutzen. Um schnell zwischen Anwendungen zu wechseln, tippt Ihr auf den Multitasking-Button unten rechts neben Eurem Profilbild. Der Wechsel funktioniert auch in der Entwicklerversion schon recht schnell.

Für Microsoft wird's eng

Überhaupt laufen die meisten Apps schon jetzt erstaunlich stabil. Ich habe zu Testzwecken einige Anwendungen heruntergeladen, die ich in der Theorie für den Arbeitsalltag gebrauchen kann. Dazu gehören etwa "Photoshop Express" von Adobe oder "Microsoft Word". Auch "Spotify" und "Skype" machten keine Probleme. Weil auch die Unterhaltung nicht zu kurz kommen soll, habe ich auch ein paar Spiele ausprobiert. Weder "Asphalt 8: Airborne" noch "NBA Live" und "Two Dots" funktionierten richtig. Aber nochmal: Es handelt sich hier um eine Entwicklerversion.

Hat Microsoft Word alle Fragen geklärt, funktioniert die App ohne Probleme.(© 2016 CURVED)

Bis die Integration vom Play Store in Chrome OS abgeschlossen ist, werden sicherlich noch ein paar Monate vergehen. Google verspricht die Finalisierung aber noch für 2016. Und wenn es dann soweit ist, wird es für Microsoft und seine Partner sicherlich noch etwas schwieriger, Convertibles an den Mann zu bringen. Meiner Meinung nach löst Google diesen Ansatz deutlich besser und einfacher für den Nutzer. Außerdem bietet der Play Store Millionen Apps. Da kann das Redmonder Unternehmen nicht mithalten.

Dazu kommt, dass sich Besitzer eines Android-Telefons, und das sind nicht gerade wenige, in Ihren Apps sofort zuhause fühlen dürften. Denn es sind ja die gleichen Programme, die sie auch auf dem Telefon benutzen. Dass Chrome OS durchaus das Potenzial hat, den etablierten Größen Microsoft und Apple gefährlich zu werden, hat Google bereits gezeigt: Im ersten Quartal 2016 verkauften sich die Google-Computer in den USA bereits besser als Macbooks von Apple.

Solltet Ihr nun auch mit dem Kauf eines Chromebooks liebäugeln, solltet Ihr Euch vorher diese Liste durchlesen. Denn nur diese Geräte erhalten im Laufe des Jahres das Update, das den Play Store beinhaltet.


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