Apple Watch SOS: Wenn die Smartwatch Leben rettet

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Die Apple Watch kann Leben retten.
Die Apple Watch kann Leben retten.(© 2019 CURVED)

Smartwatches sind lange schon mehr als nur Uhren mit einem Digitaldisplay: sie tracken das Workout, überwachen den Schlaf und manchmal können sie sogar Leben retten: zum Beispiel über Siris Notrufsystem und die GPS-Koordinaten der Apple Watch. Glaubt ihr nicht? Drei unfassbare Geschichten über die Apple Watch als Lebensretter.

Die Apple Watch 4 GPS kann einiges: Im Zusammenspiel mit eurem iPhone zählt sie eure Schritte, misst sie euren Puls, und hilft euch dabei, euren Schlafrhythmus zu finden. In der Health App wird alles aufgezeichnet. Sie ist ein smarter Helfer im Alltag, der uns auf liebevolle Weise einen Tritt in den Hintern gibt, wenn wir ihn mal brauchen. Die Apple Watch mahnt, wenn wir mal wieder stundenlang im Büro auf seinem Stuhl gesessen haben und nicht genug Bewegung hatten. Und manchmal rettet sie sogar Leben. Dann schreiben Menschen an tcook@apple.com, die Firmen-Mailadresse von CEO Tim Cook, und berichten von teilweise dramatischen Ereignissen.

Und wie er immer wieder in Interviews verrät: Der Manager des wertvollsten Konzerns der Welt liest diese E-Mails auch wirklich, zumindest viele davon. Manchmal geht es nur darum, dass ein Feature im iOS-Kosmos nicht richtig funktioniert. Zum Beispiel habe es mal ein Problem mit der Klangqualität von bestimmten Songs in Apple Music auf dem iPhone gegeben. Cook leitete die E-Mail an die Leiterin der Apple-Music-Abteilung weiter, das Problem wurde behoben. Manchmal erzählen sie aber auch von Menschen, die ihre Apple Watch für einen SOS Notruf verwendet haben. Dann ergeben sich schier unfassbare Geschichten.

Via SOS-Funktion die GPS-Koordinaten an die Küstenwache schicken

Andy liebt die See, das Meer und besonders die Wellen. Er ist Surfer, genauer gesagt Kitesurfer: Er lässt sich von einer Art Lenkdrachen über die Wellen ziehen. Doch eines Morgens wird er von einer Welle überrascht. Er crasht frontal in die aufbäumenden Wassermassen, verheddert sich in der Takelage und wird schwer verletzt. Gerade noch so hält er sich auf dem Bord, schafft es aber nicht mehr alleine zum Strand. „Ich begann eine Self-Rescue-Technik anzuwenden. Ein Griff, der dich an das Bord bindet, damit du es nicht verlierst – denn ohne Bord ist man im Notfall da draußen aufgeschmissen, besonders mit einem gebrochenen Arm“, erzählt er in einem YouTube-Video, welches viral ging und mittlerweile von Apple selbst auf deren offizieller Homepage ausgespielt wird.

„Ich wusste nicht so richtig, was meine Apple Watch eigentlich alles kann. Ich hatte das Telefonieren nie ausprobiert. Ich rief also meinen Sohn an, er meinte, es gebe da eine Möglichkeit die GPS-Koordinaten auf der Apple Watch direkt zu versenden.“ Zur Information: Wenn sowohl eurer iPhone als auch eure Apple Watch (Series 4 oder 3) über Zugang zu einem Mobilfunknetz verfügt, verliert ihr nicht die Anruf-Funktion. Die Apple Watch funktioniert dann so, als sei sie via WLAN verbunden – offenbar sogar auch auf hoher See.

Hätte der Surfer nur die Küstenwache informiert, ohne die GPS-Koordinaten mitzuschicken, hätten deren Boote und Helikopter länger gebraucht, um ihn zu finden. Besonders bei dem starken Wellengang hätte es zu lange dauern können. Die Koordinaten retteten sein Leben.

Apple Watch SOS im Kinderzimmer: Wenn der Puls des Kindes rast

Als ein Vater in das Zimmer seines 13-jährigen Sohnes trat, der eine Apple Watch trägt, gab diese permanent Alarm-Signale ab. „Es war sehr merkwürdig, die Uhr vibrierte und leuchtete Rot auf, ich dachte erst, sie sei defekt“, sagt der Vater im Video. Die Apple Watch zeigte ihm und seiner Frau jedoch, dass ihr Sohn extrem hohen Puls hatte – 150 Schläge pro Minute sind bei hoher sportlicher Belastung normal, jedoch nicht, wenn man im Bett liegt. Unser Ruhepuls liegt im Normalfall etwa zwischen 50 und 70 Schlägen. Zum Verständnis: Auf Wunsch misst die Uhr automatisch den eigenen Puls und schlägt Alarm, wenn sich diese außerhalb des für Menschen gesunden Bereichs bewegen.

War das ein Notfall? „Sein Puls beruhigte sich nicht, es wurde immer schlimmer – ich schnappte mir ihn, raste im Auto los – sein Puls war mittlerweile auf konstant 190 Schlägen pro Minute.“ Bei 250 sprechen Ärzte von Kammerflimmern: eine potenziell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. „Ich hatte noch nie so viel Angst: Zuerst waren da nur der Doktor und zwei Krankenschwestern. Dann kamen Kardiologen, Spezialisten, es wurden immer mehr Leute im Raum.“

„Sie drückten mich nach hinten, ich wollte nicht weg von meinem Kind. Aber sie brauchten den Platz, um den Defibrillator einzusetzen. Ich weinte, dachte ich würde meinen kleinen Jungen verlieren. Und es war wirklich brenzlig: Der Kardiologe sagte zu mir: „Ich möchte, dass Sie eines verstehen: Wenn diese Methoden nicht funktionieren, müssen wir Ihren Sohn in eine Spezialklinik fliegen.“ Schließlich ging der Puls runter: „Alle starrten auf den Monitor, sein Puls normalisierte sich. Er war okay, mein Gott.“ Ohne die Apple Watch hätte die Familie die Notruf-Signale des Körpers ihres Kindes nicht so schnell erkannt.

Nach einem Autounfall: „Hey Siri, rufe die Polizei“

Es war Nacht, es regnete. Eine Mama steht mit ihrem kleinen Sohn Parker an einer Ampel. Sie wartet, ein betrunkener Fahrer kommt angerast, übersieht sie. Er crasht mit 95 km/h in ihre Rückseite. Das Fahrzeug wird zusammengedrückt, Metall und Stahl splittert. Sie wird schwer verletzt. „Ich konnte mich nicht bewegen und hatte unglaubliche Angst, weil im Auto auch mein Sohn war – er war erst neun Monate alt.“ Sie kommt nicht an ihr iPhone ran, was auf der Konsole im Auto lag, doch durch den Aufprall weggeschleudert wurde. Die Mama reagiert schnell: „Ich weiß gar nicht mehr warum, aber instinktiv rief ich „Siri, call 911.“ Die 911 ist die Notrufnummer für die USA, wie in Deutschland die 110.

Siri, Apples Sprachassistent aktivierte den automatischen Notruf und sendete automatisch die richtigen Koordinaten. Es ist quasi ein internes Notfall-SOS-System. Man wird direkt mit einer Rettungsleitstelle verbunden, die Einheiten der Polizei und Rettungsdienst mobilisiert. „Sehr kurz danach klopfte ein Polizeibeamter an die Scheibe und sagte mir, dass ein Krankenwagen in drei Minuten eintreffen würde. Durch den GPS-Sensor der Apple Watch 4 GPS konnten sie uns direkt schnell orten, denn ich hätte in dem Moment nicht gewusst, an welcher Straße wir waren. Alles ging so schnell. Feuerwehrmänner schnitten die Tür raus, befreiten mich und meinen Sohn. Wir hatten unglaubliches Glück.“

In der Tat haben Apples Ingenieure und Softwareteam diese Features genau für solche Situationen eingebaut. Denn so ein Autounfall verursacht Stress, wir sind vielleicht desorientiert, können uns nicht mehr daran erinnern, wo genau wir sind. Aber die Notruf-Teams und Rettungsdienst-Fahrer müssen wissen, wo sich die Person befindet, um schnell Hilfe zu leisten. Manchmal kann Technologie offenbar wirklich magisch sein.


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