Cardboards für Virtual Reality im Vergleich: Aufmarsch der Pappkameraden

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Auch für wenig Geld gibt es VR-Spaß.
Auch für wenig Geld gibt es VR-Spaß.(© 2015 CURVED)

Virtual Reality für unter 20 Euro: Wir haben drei Brillen ausprobiert, die auf Googles Cardboard basieren.

Oculus Rift, Project Morpheus, HTC Vive: Virtual Reality ist schwer im Kommen. Bis die High-End-Modelle der großen Firmen auf den Markt kommen, dauert es aber noch bis Anfang 2016. Wer nicht warten will, greift zur Alternative aus Pappe. Wie das geht, hat Google mit dem Cardboard vorgemacht. Und weil das Unternehmen die Pläne für die Brille für jedermann frei verfügbar gemacht hat, haben gleich mehrere Händler ein eigenes Exemplar im Programm. Das günstigste Modell, das wir in der Redaktion hatten, gibt es schon für 7,50 Euro.

Um selbst in virtuelle Welten abzutauchen, braucht Ihr nichts weiter als ein Smartphone und passende Apps. Das beste Erlebnis habt Ihr natürlich mit einem möglichst hochauflösenden Display. Für Android-Nutzer empfiehlt sich zum Start die Cardboard-App von Google. Die enthält neben ein paar schicken Animationen auch eine 360-Grad-Version von Google Earth und YouTube. Weitere Apps gibt es in der Cardboard-Sektion im Play Store. Auch iPhone-Besitzer sind nicht außen vor. Sucht einfach im App Store nach dem Begriff “Cardboard”. Bei virtuellen Achterbahnen und 360-Grad-Videos auf YouTube soll es aber auf absehbare Zeit nicht bleiben.

Für den Prototyp von Project Jump hat Google 16 GoPros im Kreis angebracht.(© 2015 GoPro)

Alle Cardboards funktionieren im Grunde gleich: Vorne kommt das Smartphone rein, hinten wird durchgeschaut. Bei allen drei Testexemplaren verhielt es sich so, dass ich mein Testgerät, ein Samsung Galaxy S6 Edge, zusätzlich mit den Händen an den Seiten sichern musste, damit es nicht herausfällt. Die mitgelieferten Gummibänder reichten dazu nicht aus.

Die Autodress-Cardbord ist günstig

Das VR-Cardboard von Autodress ist das günstigste Modell im Test. Hinein passen Smartphones bis 5,5 Zoll. Wie beim chinesischen Exemplar, das wir vor knapp einem Jahr getestet haben, müsst Ihr die Brille selbst zusammenbasteln und die Linsen einsetzen. Schwierig ist das nicht. Die fertige Brille ist aber nicht sehr stabil. Der Magnetschalter sprang im Test regelmäßig aus der Fassung. Beim Versuch, ihn wieder einzusetzen, zerfiel das Cardboard nicht nur einmal in seine Einzelteile. Außerdem hängt die Pappe an der linken Seite, auf der auch der Schalter sitzt, lose herunter. Hier solltet Ihr auf jeden Fall noch einmal mit Kleber nachhelfen.

Ist dann endlich alles an Ort und Stelle, kann der virtuelle Trip losgehen. Die Linsen lieferten ein gutes, scharfes Bild. Ärgerlich wird es nur dann, wenn sich der Schalter mittendrin mal wieder verabschiedet hat und man die virtuelle Reise abbrechen muss. Außerdem fällt auf, dass das VR-Cardboard unangenehm auf die Nase drückt. Für längere Einsätze kann man die Brille also nicht gebrauchen. Für den kurzen Spaß zwischendurch geht sie in Ordnung.

Die Pearl-Brille ist robust

Die VRB50.3D von Pearl kommt mit Smartphones bis 5 Zoll zurecht. Drin steckt neben einem Cardboard-Bausatz ein Gummizug, um sich die Brille nicht die ganze Zeit an die Stirn halten zu müssen und eine Aufbauanleitung mit 6 Seiten und 16 (!) Schritten. Anders als beim VR-Cardboard von Autodress hat das Pearl-Modell auf der linken Seite schon einen Klebestreifen, der die Brille zusammenhalten soll. Der hielt aber nur von 12 Uhr bis mittags. Auch hier müsst Ihr selbst noch einmal aktiv werden. Trotzdem wirkt das Cardboard deutlich robuster als der Konkurrent von Autodress.

Der Linsenabstand könnte aber ruhig etwas größer sein. Mit meiner Brille auf der Nase konnte ich das Pearl-Cardboard nur sehr schwierig nutzen. Das funktionierte beim VR-Cardboard von Autodress besser. Das andere Problem bleibt: Die Pappe drückt auf der Nase. Insgesamt finde ich die Verarbeitung aber besser als beim Modell von Autodress.

Das POP! Cardboard ist bequem

Das POP! Cardboard von Mr. Cardboard war dank Schaumstoffkissen das bequemste im Test. Außerdem ist es das einzige Modell mit aufgedrucktem QR-Code. Über den könnt Ihr der Cardboard-App von Google mitteilen, mit welchem Exemplar sie es zu tun hat. Was dagegen nervt: Einen Magnetschalter gibt es nicht. Stattdessen müsst Ihr mit Eurem Finger durch eines der beiden Löcher auf der Unterseite auf den Touchscreen drücken. Wenn Ihr Pech habt, verrutscht auf die Art das Smartphone in der Halterung und das 3D-Bild wird nicht mehr richtig dargestellt. Auch hier ist die Qualität der Linsen in Ordnung.

Fazit: Der Spaß für zwischendurch

Klar, mit High-Tech-Brillen wie der Samsung Gear VR haben die Pappkameraden nichts am Hut. Für den VR-Spaß zwischendurch sind die Brillen aber durchaus zu gebrauchen. Taucht aber nicht zu lange in virtuelle Welten ein. Nach einem Nachmittag mit drei verschiedenen Cardboards hatte ich zumindest ein flaues Gefühl im Magen. Das Problem mit der Übelkeit ist kein Cardboard-Phänomen. Auch die Profis von Oculus arbeiten daran, die Übelkeit nach einem VR-Erlebnis in den Griff zu bekommen. Außerdem solltet Ihr Euch vorher überlegen, wie viel Geld Ihr ausgeben wollt.

Für 7,50 Euro taugt das Autodress-Modell zum Ausprobieren, birgt aber auch einen hohen Frustfaktor, weil die Brille regelmäßig in die Einzelteile zerfällt. Mein Favorit war trotz des fehlenden Magnetschalters die POP! Cardboard von Mr. Cardboard. Die kommt ab 15,90 Euro schon fertig montiert und sitzt bequemer als die beiden anderen auf der Nase. Die Pearl-Brille bewegt sich preislich (8,50 Euro) wie leistungstechnisch im Mittelfeld.


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