Samsung Galaxy S6 edge im Test: Auf zu neuen Galaxien

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Sind das die besten Smartphones des Jahres?
Sind das die besten Smartphones des Jahres?(© 2015 CURVED)

Schluss mit billig, alles auf Anfang, Project Zero: Mit dem Galaxy S6 will Samsung endlich alles richtig machen und tolle Smartphone-Technik mit schönem und wertigen Design verbinden — im Ergebnis könnte dann das beste derzeit erhältliche Android-Smartphone herauskommen. Ob das Galaxy S6 edge diesen hohen Erwartungen gerecht wird, erfahrt Ihr in unserem ausführlichen Review des 5,1-Zollers mit den angeknickten Display-Kanten.

Das Galaxy S6 markiert für Samsung eine Kehrtwende — weg vom Plaste-Elaste-Image der vergangenen Top-Modelle, hin zum Hersteller von nun endlich auch schönen und darüber hinaus weiterhin technisch überzeugenden und innovativen Smartphones. Kein geringes Vorhaben, das eigentlich schon mit dem Galaxy Alpha seine Anfänge hatte und über die jüngsten Note-Modelle sowie die Galaxy A-Serie reifen konnte. Den Höhepunkt dieser Entwicklung markiert nun also das Galaxy S6. Auf den ersten Blick scheint das Project Zero gelungen: S6 und das S6 edge überzeugten in den ersten Hands-Ons kurz nach der Vorstellung zu Beginn des Monats in Barcelona in beinahe allen Belangen.

Dennoch bleiben Fragen offen: Wie leistungsfähig ist der 5,1-Zoller mit seinem in ersten Benchmarks beeindruckenden Exynos 7420-Chipsatz auf Dauer, wie lange hält der mit 2.600 mAh verhältnismäßig kleine Akku, wie schwer wirkt sich das Fehlen des eigentlich bei Samsung traditionell vorhandenen micro-SD-Kartenslots aus, wie schlank ist das neue TouchWiz-UI geworden, wie gut ist die 16 MP-Kamera mit dem optischen Bildstabilisator, und — dies betrifft nur das hier getestete edge-Modell — wie viel Sinn macht der beidseitig abgewinkelte Screen, den sich Samsung immerhin mit 150 Euro Aufpreis bezahlen lässt.

Das Galaxy S6 und das S6 edge haben das Zeug, schon früh im Jahr die Messlatte für sämtliche folgenden Top-Smartphones sehr hoch zu legen; Glaubensfragen und OS-Präferenzen beiseite, haben sie sogar das Potenzial, gleichwertige Alternativen zu Apples iPhone 6 darzustellen. Ist das mehr als nur Potenzial — finden wir es heraus.

Design: Samsungs Schönstes

Nicht nur im Hinblick auf die eigene Historie ist das Galaxy S6 das optisch wie haptisch gelungenste Galaxy S-Smartphone bislang; auch absolut betrachtet, reiht sich der 5,1-Zoller in der Riege der Top-Smartphones ein, die ob ihres Designs mehr sind als reine Hosentaschen-Computer — nämlich auch hochwertige Accessoires oder Statussymbole, die ihre Benutzer schmücken. iPhone 6, HTC One M9 und Samsung Galaxy S6 und S6 edge dürfen 2015 in dieser Hinsicht in einem Atemzug genannt werden.

Dass sich Samsung beim Design des S6 für den Rahmen beim iPhone 6 bedient hat und die glasbedeckte Rückseite etwas ist, das Sony in den letzten Jahren gepflegt hat, steht dabei außer Frage — und ist im Ergebnis schlicht egal: Weil es dem S6 (auch ohne edge) gelingt, in Kombination mit dem typischen Layout der Front und den abgerundeten Ecken seinen ganz eigenen Look zu kreieren. Das S6 sieht aus wie ein Samsung-Smartphone, aber eben viel besser als ein Samsung-Smartphone. Und dieses vermeintliche Paradox darf als Kompliment an Samsungs Designabteilung und ihr Project Zero gewertet werden.

Ob das S6 damit nun schöner als das One M9 oder das iPhone 6 ist oder weiterhin die unattraktivere Wahl, liegt im Auge des Betrachters — nur kann zum einen niemand der Koreanern mehr vorwerfen, High Tech in ein Billig-Gehäuse zu verpacken, zum anderen wird es fortan auch für die übrigen Hersteller schwierig werden, Top-Smartphones im Plastik-Look zu verkaufen. Diesbezüglich gilt der Negativ-Benchmark, den Samsung für die Branche gesetzt hatte einfach nicht mehr.

Im Detail überzeugt der metallene Rahmen des S6 und des S6 edge mit seiner satinierten Oberfläche und dem Fehlen jeglicher Spaltmaße an den Stellen, an denen er von Kunststoffeinsätzen unterbrochen wird oder auf der Vorder- und Rückseite, wo er das dort verarbeitete Glas nahtlos einfasst. Am deutlichsten wird die ausgezeichnete Verarbeitungsqualität an der Oberkante, wo der SIM-Schlitten und der IR-Blaster sich wie aufgedruckt in den Rahmen integrieren. Darüber hinaus ist es Samsung gelungen, das S6 auf nur 6,8 Millimeter Dicke zu pressen und selbst das S6 edge bringt es auf lediglich 7 Millimeter — die weit hervorstehende Kamera-Einheit freilich herausgerechnet.

Die stellt dann auch das größte Manko der flachen Bauart dar, weil sie ob des optischen Bildstabilisators schlicht mehr Raum benötigt und somit beim S6 etwa 2,5 Millimeter, beim edge immerhin noch 2 Millimeter heraussteht. Verglichen damit hat Apple die Kamera beim iPhone 6 fast schon versenkt... Wenn man sonst noch etwas kritisieren möchte, an Look und Haptik des S6, dann wären das die etwas sehr schmal und damit "scharf" gewordenen Power- und Lautstärke-Buttons sowie der weiterhin vorhandenen physische Home-Button — der ob seiner zusätzlichen Funktion als Fingerabdrucksensor dann wieder teilweise eine Daseinsberechtigung erhält.

Wer derweil Sorge hat, dass der gläserne Rücken und der Alu-Rahmen dazu führen könnten, dass das Smartphone rutschig oder unangenehm in der Hand läge, den darf ich beruhigen: Das Gorilla Glass 4 auf der Rückseite ist äußerst griffig und der Rahmen schmiegt sich auch beim edge, wo er deutlich dünner ist, angenehm in die Handfläche. Hinzukommt, dass beide Geräte mit 143,4 x 70,5 Millimetern beziehungsweise 142,1 x 70,1 Millimetern (edge) und 138 Gramm respektive 132 Gramm (edge) trotz der verwendeten Materialien leichter und kompakter als ihr direkter Vorgänger.

Display: hochauflösend, strahlend ... und mit den AMOLED-Problemen

Mein Eindruck vom 5,1 Zoll großen Super AMOLED-Screen des Galaxy S6 könnte konträrer nicht sein: Auf der einen Seite blendet das Display mit bei Bedarf horrenden Helligkeitswerten, die das Ablesen auch bei direkter Sonneneinstrahlung zum Spaziergang machen (hier regelt die automatische Justierung übrigens selbstständig höher, als das manuell überhaupt machbar ist).

Die WQHD-Auflösung zeichnet ein wahnsinnig scharfes Bild, was natürlich vor allem beim Betrachten von entsprechend hoch aufgelöstem Video- und Fotomaterial zur Geltung kommt. Und S-AMOLED-typisch werden Farben sehr satt und intensiv dargestellt. Wie von Samsung gewohnt, lässt sich die Darstellung respektive der Bildschirmmodus in der Theorie im Anzeige-Menü anpassen, faktisch verändert sich dabei aber nur die Farbtemperatur beziehungsweise -intensität.

Samsung Galaxy S6 edge(© 2015 CURVED)

Das Problem: Der schon vom Galaxy Note 4 bekannte Farbstich bleibt; Weiß ist auf dem Display des Galaxy S6 nie wirklich weiß, sondern stets etwas grau-oder gelbstichig; und kippt man den Screen um die Längs- oder Querachse, macht sich ein deutlicher Blaustich über die gesamte Anzeigefläche breit — auch das war leider schon beim Note 4 so.

Da das AMOLED-Display überdies Probleme damit hat, helle Flächen auch hell darzustellen und dunkle Flächen immer etwas zu dunkel sind, ergibt sich vor allem bei Videos das Problem, dass sich  bei Nachtszenen oder grundsätzlich düsteren Kulissen oft keine Details mehr erkennen lassen und das ganze Bild einfach nur unterbelichtet wirkt. Gerade für Nutzer, die mit ihrem Smartphone häufigem YouTube-Videos konsumieren, wird das auf Dauer zum Ärgernis werden, wenn Samsung hier nicht per Software-Update die Darstellung optimieren oder nachträglich kalibrieren kann.

So beeindruckend der Screen des Samsung Galaxy S6 auf den ersten Blick also ist, er ist beileibe nicht perfekt und schon gar nicht das Maß aller Dinge — ganz im Gegenteil: Speziell Nutzer, die viel spielen und Videos schauen und dafür ein möglichst ausgewogenes visuelles Erleben schätzen, dürften ein Smartphone mit einem LCD- beziehungsweise IPS-Panel bevorzugen.

Auf dem S6 edge lassen sich VIP-Kontakte an den Rand pinnen.(© 2015 CURVED Montage)

Die namensgebenden abgerundeten Displayränder des S6 edge sind derweil mehr Schein als Sein: Sie sehen toll aus, machen das S6 edge zu einem optisch ganz besonderen Smartphone, bieten technisch und in der Benutzung aber kaum Mehrwert. Denn anders als noch beim Note Edge sind die Rundungen sehr dezent und betreffen mehr das schützenden Gorilla Glass 4 als die Display-Fläche selbst — die biegt sich lediglich auf dem letzten seitlichen Millimeter.

Darüber hinaus hat Samsung die Funktionalität der Ränder softwareseitig beschnitten. So ist zum einen lediglich eine der beiden Kanten nutzbar — welche, das darf der Nutzer bestimmten —, und dann auch nur mit vier Funktionen: Die zeitlich einstellbare Nachtuhr ist ebenso wie die VIP-kontakte, die über einen Wisch vom Rand zur Mitte des Screen aufgerufen werden, sinnvoll; die verschiedenen Info-Streams, die durch schnelles Hin- und Herwischen bei ausgeschaltetem Display über den Rand angezeigt werden, sind nur ein Gimmick. Den besten Nutzen hat der Knick aber, wenn das Gerät auf dem Display liegt und eingehende Anrufe der zuvor farblich zugeordneten Schnellkontakte durch korrespondierendes Leuchten angezeigt werden.

Dennoch, wer die volle Ladung S6-Revolution möchte, greift natürlich dennoch und dem höheren Preis zu Trotz zum edge, einfach weil es so "anders" aussieht, als sämtliche Konkurrenz-Smartphones. Gleichzeitig soll diese Aussage aber nicht die Optik und Haptik des regulären S6 schmälern, das halt nur leider nicht so ein Hingucker ist.

Hardware und Performance: Absolute Power

Ob Samsung nun wirklich wegen der Probleme, die den Snapdragon 810 plagen, kurzerhand auf einen eigenen Chipsatz gesetzt hat, oder ob das nicht schön sehr viel länger so geplant war, sei an dieser Stelle dahingestellt — im Ergebnis haben die Koreaner mit dem Verzicht auf den Qualcomm-Chipsatz und die Entscheidung für den im 14 nm-Verfahren gefertigten Exynos 7420 aus eigener Produktion alles richtig gemacht: In Kombination mit den schnellen 3 GB DDR4-RAM rennen das Galaxy S6 und das S6 edge der Konkurrenz trotz der hohen Display-Auflösung davon.

Höchstwerte von 70.500 Punkten in AnTuTu, 64.600 Punkten im CF Benchmark und beinahe 60 Fps im T-Rex-Offscreen-Test des GFX 3.1 deklassieren die Android-Konkurrenz inklusive des bisherigen Spitzenreiters, dem Tegra K1 im Shield Tablet (dessen 192 Grafikkkerne der Mali T760-GPU des S6 allerdings weiterhin überlegen sind), deutlich. Das Gute am S6 und dem Exynos 7420, gerade im Hinblick auf das Wärme-Desaster des Snapdragon 810: Diese Performance bleibt auch bei Dauerbelastung erhalten. In unserem ausgedehnten Benchmark-Vergleichs-Test bewies das koreanische Flaggschiff eindrucksvoll, dass es wenn, dann nach diversen Belastungstests nur minimal einbricht.

Dieses dauerhaft hohe Leistungsniveau macht sich natürlich auch im Alltag bemerkbar, wenn auch weniger eindrucksvoll: In Spielen muss der geneigte Gamer auch nach längeren Sessions kein plötzliches Stottern erwarten oder insgesamt mit schlechterer Performance rechnen. Und auf im dem Homescreen und in 2D-Apps läuft alles stets butterweich und überzeugt auch den Alltagsnutzer mit schnellen Startvorgängen und flüssigen Übergängen; und auch dafür ist dem schnellen DDR4-RAM sowie dem verbaute interne UFS 2.0-Speicher zu danken, den Samsung erstmalig einsetzt. Ich konnte im gesamten Testzeitraum jedenfalls keinen einzigen Mikro-Ruckler feststellen und erlebte zu jedem Zeitpunkt mehr als ausreichende Leistungsreserven.

Über jeden anderen Aspekt des Galaxy S6 und des S6 edge darf man streiten: Aussehen, Kamera, das Fehlen des micro-SD-Kartenslots, den recht knappen Akku — dass das aktuelle Flaggschiff der Koreaner aber das bisher und derzeit schnellste erhältliche Android-Gerät ist, steht fest.

Kamera: Gewohnt überzeugend

Keine 20 MP spendiert Samsung dem S6 und dem S6 edge, sondern "lediglich" 16 MP plus einen optischen Bildstabilisator. Unter Strich ist das die gleiche Kamera-Einheit, die auch schon im Note 4 für hervorragende Ergebnisse gesorgt hat. Und so auch nun im 5,1-Zoller: Egal, ob Tag oder Nacht, mit dem S6 aufgenommene Schnappschüsse sind scharf, kontrastreich und farbintensiv und sehen rundherum toll aus.

Mag sein, dass Profis wie unsere CURVED-Hausfotografin hier zurecht einen Gelbstich und teilweise nachgezogene Schärfe bemängelt — für den geneigten Smartphone-Knipser, der nicht mit den Ergebnissen einer DSLR vergleicht, sind die Fotos, die das S6 schießt, aber gemeinsam mit denen, die ein iPhone 6 aufnimmt, das Beste, was es derzeit in diesem Bereich gibt.

Und noch besser gefielen mir die Fotos, die das S6 edge bei künstlichem Licht oder nachts ob des optischen Bildstabilisators liefert: Kein Vergleich zum unscharfen Pixelmatsch, den das One M9 hier zeigte, sondern alles weitestgehend scharf und hell.

Bei der Videoaufnahme bietet die Kamera-Software des S6 verschiedene Modi an: Full HD mit zusätzlicher Software-Stabilisierung, Full HD bei 60 Bildern pro Sekunde, aber ohne Stabilisierung, QHD (2560 x 1440 Pixel) und sogar UHD (3840 x 2160 Pixel). In meinem Test erwies sich die reguläre Option mit 30 Fps und aktiviertem Stabilisator als die beste Wahl, vor allem weil der sonst übliche Rolling Shutter-Effekt bei schnellen Schwenks dadurch fast komplett entfiel. Wir haben für Euch hier zum Vergleich zwei kurze Testvideos in 1080p einmal mit OIS und einmal in 60 Fps eingebunden (nicht wundern, das OIS-Video stellt erst nach ein paar Sekunden richtig scharf):

Die Kamera-Software ist genau so übersichtlich und gleicht auch im Layout der des HTC One M9 sehr, bietet aber neben den bekannten Filtern und zusätzlichen Modi noch eine Zeitlupenfunktion, die sehr brauchbare Ergebnisse liefert — hier ein Beispiel mit 1/8-Geschwindigkeit:

Alles in allem bietet Samsung im S6 und dem S6 edge damit eines der derzeit komplettesten und qualitativ überzeugendsten Kamera-Pakete im Smartphone-Sektor an. Das ist allerdings nicht weiter überraschend, denn die Kameras waren auch in der Vergangenheit stets sie große Stärke der Galaxy S-Reihe.

Wer noch mehr Einblicke in die Qualität der Kamera des Galaxy S6 vor allem auch im direkten Vergleich mit dem HTC One M9 und dem iPhone 6 gewinnen möchte, der liest sich unseren Kamera-Vergleichsartikel durch. Außerdem haben wir alle oben eingebetteten Fotos und Videos auch in voller Auflösung in unserer Dropbox bereitgestellt.

Software: schlanker, mit Material Design

Neben der Hardware versprach Samsung auch, die Software – sprich: ihr berüchtigtes TouchWiz – zu verschlanken und zu optimieren. Und auch das ist ihnen im S6 gut gelungen: Zwar sind auf den Geräten beim ersten Hochfahren weiterhin ein paar Bloatware-Anwendungen (HRS, Zalando, cewe, kaufDA) installiert, neu hinzugekommen sind nun auch noch die MS-Apps OneDrive, OneNote und Skype und ein paar Standard-Apps wie Instagram, WhatsApp und Facebook befinden sich ebenfalls bereits ohne Zutun des Nutzers auf dem Gerät — diese Anwendungen lassen sich aber mehr oder weniger beseitigen.

Das gilt selbst für zahlreiche Samsung-eigene Applikationen wie zum Beispiel S Health und S Voice, allerdings sind die ebenso wie die MS-Produkte, WhatsApp, Facebook oder Instagram nicht deinstallierbar, sondern können nur deaktiviert werden. Manchem Skeptiker gegenüber Facebook oder WhatsApp dürfte das sauer aufstoßen.

Im App Drawer fiel mit darüber hinaus noch negativ auf, dass die einzige Bearbeitungsmöglichkeit tatsächlich das Entfernen von Anwendungen ist — eine Möglichkeit zur automatischen Sortierung beispielsweise alphabetisch nach Namen fehlt. Automatisch platziert TouchWiz die Apps hier einfach chronologisch und der Nutzer muss dann bei Bedarf per Drag und Drop nachjustieren.

Samsung Galaxy S6 edge(© 2015 CURVED Montage)

Unter TouchWiz läuft Android in der Version 5.0.2, und endlich findet sich das Material Design auch flächendeckend und einigermaßen konsistent in den Samsung-Apps wieder: Ob Kalender, Rechner oder Musikplayer, alle Apps erstrahlen in den bekannt klaren Farben und im übersichtlichen Layout, manche verfügen gar über den schwebenden "Hinzufügen"-Button unten rechts. Auch das Einstellungsmenü ist übersichtlich und hell gestaltet. Gut gefallen hat mir daneben auch der subtile Parallax-Effekt auf dem Homescreen, bei dem das Hintergrundbild sich beim Kippen des Gerätes mitbewegt und so eine gewisse Räumlichkeit vorgaukelt, sowie die grundsätzlich vorhandene Möglichkeit, Eurer Gerät mit Themes zu personalisieren — auch wenn die Auswahl im dazugehörigen Theme Store noch nicht berauschend ist.

Das eindeutig beste Feature des S6 in Sachen Usability ist aber der neue Fingerabdrucksensor, der einfach funktioniert: Vorbei die Zeiten, in denen acht Mal über den Homebutton gewischt werden musste, bis das Gerät entsperrt war, fortan erkennt das S6 Euren Fingerabdruck durch simples Auflegen — und zwar in 95 Prozent der Fälle problemlos und beim ersten Mal.

Und dadurch, dass der Homebutton physisch ist, könnt Ihr das Smartphone einfach durch Drücken und Halten desselben in einem Zug aufwecken und Entsperren. Zusammen mit der Möglichkeit, selbstverständlich auch verschiedene Finger zu registrieren sowie sich in bestimmten Apps, die das Feature unterstützen (beispielsweise Passwort-Manager wie Safe in Cloud), auf diesem Wege auszuweisen, bietet das Galaxy S6 damit wohl neben dem iPhone 6 das kompletteste und effektivste Fingerabdruck-Scan-Erlebnis.

Akku und Speicher: knapp bemessen

Begeht Samsung eine Todsünde, in dem das Galaxy S6 erstmalig keinen micro SD-Kartenslot mehr bietet? In den Augen vieler Fans bestimmt. Und tatsächlich ist das keine Entscheidung, die aus Nutzersicht zu begrüßen ist, auch weil beim 32 GB-Modell nach dem allerersten Hochfahren nur etwa 25 GB zur Verwendung für den Nutzer bereit stehen. Das ist nicht wirklich viel, in Anbetracht immer größer werdender Apps, Spiel und Musiksammlungen.

Und die 64 GB oder gar 128 GB, die die größeren Modell-Varianten bieten, lässt Samsung sich ebenso teuer bezahlen wie Apple: 100 Euro mehr werden jeweils fällig, was zusammen mit dem Aufpreis für das abgeknickte Display zu einem maximalen Preisschild von sage und schreibe 1049 Euro für eine S6 edge mit 128 GB führt. Legt man allerdings ein reguläres S6 mit 64 GB zu einem Preis von 799 Euro zugrunde, scheint das zumindest verglichen mit der aktuellen Konkurrenz von HTC und Apple nicht ganz so übertrieben, im Gegenteil.

Samsung gibt an, dass aus Usability-Gründen auf micro-SD-Kapazitäten verzichtet wurde, weil einsteckbarer SD-Speicher nicht so schnell wie der erwähnte interne UFS 2.0-Speicher ist und somit zu einer Verlangsamung des Gerätes führen könnte. Das ist bestimmt nicht ganz von der Hand zu weisen, dennoch dürften wirtschaftliche Überlegungen eher die Motivation hinter dieser Entscheidung gewesen sein.

Der Akku im Galaxy S6 misst 2.550 mAh, der im S6 edge minimal größere 2.600 mAh. In meinem Test reichte diese Kapazität je nach Nutzungsgrad des Smartphones sehr unterschiedlich lange aus: An einem langen Tag mit Bahnfahrt von Berlin nach Hamburg, etwas intensiverer App-Nutzung unterwegs und einem Video-Dreh zu einem mobilen Spiel auf dem S6 edge hielt der 5,1 Zoller bei automatischer Bildschirmhelligkeit im oberen Drittel ziemlich genau 13 Stunden durch; an einem Tag im Home Office mit spärlicher Benutzung und ständiger Verbindung ins WLAN waren dann auch schon mal 32 Stunden drin. Das sollte für die meisten Anwendungsszenarien durchaus ausreichen. Wer viel unterwegs ist, sein Smartphone dabei viel nutzt oder gar viel spielen möchte, sollte sich aber darauf einrichten, auch mit dem Galaxy S6 nicht immer problemlos über einen ganze Tag zu kommen.

Positiv macht sich an dieser Stelle freilich die Schnellladefunktion bemerkbar, die das S6 mit dem zugehörigen Ladegerät innerhalb von nur anderthalb Stunden auf volle Kapazität bringt und selbst innerhalb von nur 10 Minuten schon genug Saft für ein paar weitere Stunden Betrieb auf das Gerät schaufelt.

Fazit: Das schönste und beste Galaxy S-Modell — und eines der besten Smartphones überhaupt

Glückwunsch, Samsung Mobile, das Galaxy S6 dürft Ihr durchaus als Euer Meisterstück bezeichnen; und als Zeugnis dafür, dass Ihr wandlungsbereit und auch -fähig seid. Wenn Project Zero wirklich der lange Weg vom Galaxy S5 zum Galaxy S6 war, dann darf diese Mission als "accomplished" bezeichnet werden – und zwar mit Bravour.

Das Galaxy S6 bietet tolles Design, endlich wertige Verarbeitung, eine sinnvoll verschlankte Software, Leistung en masse, eine feine Kamera, und mit Fingerabdrucksensor, Pulsmesser, Themes, den bekannten Zusatzfeatures bezüglich der Verbindungen oder der Gestensteuerung das kompletteste Paket im Android-Sektor. Auf der Minus-Seite stehen der nicht so gigantische Akku, ein paar kleines Mankos in der Software (fehlende App-Sortierung), das nicht optimale Display sowie das Fehlen des micro-SD-Kartenslots.

Den im Vorfeld oft gescholtenen Preis hingegen kann ich nicht zu den Negativ-Punkten zählen: In der Vergangenheit habe ich speziell Samsung oft genug ihre unverschämte Preispolitik vorgeworfen — aber mit 699 Euro für das 32 GB-Modell des regulären Galaxy S6 liegen die Koreaner nicht über dem, was HTC und Apple für ihre Einstiegsmodelle verlangen, bieten mit dem S6 aber deutlich mehr.

Die 150 Euro Aufpreis für das S6 edge sind da schon eine andere Sache. So begeistert ich vom abgenickten Rand beim Note Edge aber auch war und so cool das beim S6 edge auch aussieht — es bringt weiter keinen Nutzen, weswegen die Anschaffung dieses Modells eine reine Luxus- oder Style-Überlegung ist. Und so etwas darf dann ruhig mehr kosten ...

Ob mit oder ohne "edge", das S6 hat eine Marke gesetzt, an der sich in den kommenden Monaten alles, was sich Top-Smartphone nennen möchte, wird messen müssen.


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