Es war nicht Melisandre: Wer hat Jon Snow wirklich auferstehen lassen?

Wieder putzmunter: Jon Snow
Wieder putzmunter: Jon Snow(© 2017 Sky Atlantic)

"Brace yourself, theories are coming!" Es gibt knallharte Verschwörungstheorien, die besagen: Nicht Melisandre hat unseren geliebten Jon wiederauferstehen lassen. Es war eine ganz andere Macht.

Es war einer der heftigsten Cliffhanger der jüngeren TV-Geschichte: Jon Snow, Lord Commander der Nachtwache, hinterrücks erstochen von seinen Männern. Sein jähes Ableben: etwas, das wahre Fans so nie hinnehmen wollten. Es musste doch etwas passieren, ein Wunder, ja genau, vielleicht kann ja die rote Priesterin Melisandre kommen und ihn aus dem Reich der Toten zurück holen? Und tada, gleich zu Beginn von Staffel 6 wäscht und rubbelt sie seinen starren Leib, murmelt ein paar Gebete, kurz darauf ist Jon Snow so gut wie neu. War es wirklich so einfach? Nein. Wir sind einer Fan-Theorie auf der Spur, die immer plausibler wird, je mehr man sich drauf einlässt. So viel vorweg: Nicht Melisandre soll den guten Jon zurückgeholt haben, sondern... Ser Davos! Aber wie kommen wir darauf, und wie soll der Zwiebelritter das bewerkstelligt haben, zumal er bis vor Kurzem noch nicht einmal lesen konnte? Wir dröseln das Ganze einmal für euch auf.

Die Szene vor Jons Auferstehung

Ein ziemlich mieser Abend bei den Brüdern der Nachtwache: Jons Leichnam ist aufgebahrt, Ser Davos wendet sich hoffnungsvoll (!) an Melisandre. Kann sie irgendetwas für ihn tun? Hat sie schon mal gesehen, wie man einen Toten wiederauferstehen lässt? Doch Melisandre ist sichtlich resginiert, weinerlich und scheint den Glauben an sich und ihre Fähigkeiten komplett verloren zu haben – ebenso den Glauben an Jon Snow, den sie zuvor als den Auserwählten erahnte. Aber frischt selbst noch mal eure Erinnerung auf:

Ser Davos spielt bei der Auferstehung die wichtigste Rolle – wenn man genau hinsieht

Klar, Melisandre ist die, von der sich alle ein Wunder erhoffen. Doch es ist Ser Davos, der das komplette Geschehen an sich reißt: Er ist derjenige, der anfangs Ghost jaulen hört und draußen Jons leblosen Körper findet. Er lässt den Leichnam nach drinnen bringen, ihn bewachen und die Wildlinge rufen. Er ist es, der Melisandre hinzuzieht, der überhaupt die Idee hat, dass er und Jon noch mal um die Häuser ziehen könnte. Er hat die Hoffnung auf Jon nicht aufgegeben und verkündet: "Wir müssen kämpfen. Wir müssen nicht sterben." Seine Hoffnung ist zunächst noch komplett auf Melisandre gerichtet.

Ser Davos ist eventuell sogar noch cooler als bisher angenommen.(© 2017 HELEN SLOAN / HBO)

Doch als Melisandre den toten Jon Snow sieht, resigniert sie erneut sichtlich, verliert die Hoffnung in sich, in Jon und in ihren Gott, der offenbar "nie zu [ihr] gesprochen hat." Doch Davos spricht ihr gut zu und erinnert sie an ihre erfolgreichen Taten als Rote Priesterin, sie hatte doch immerhin einen dämonischen Schatten zur Welt gebracht: "Ich frage nicht den Herrn des Lichts um Hilfe, sondern die Frau, die mir gezeigt hat, dass es Wunder gibt."

Nachdem Ser Davos lange auf sie einredet, entschließt sie sich, es doch zu versuchen – was hat sie auch zu verlieren? Sie macht sich ans Werk, wäscht ihn, opfert seine Haare, spricht ihre Gebete. Doch die Hauptzutat für eine erfolgreiche Wiederbelebung hat sie nicht: Glaube und Hoffnung. Das scheint unterschwellig allen im Raum bewusst zu sein. Nach und nach treten Jons Gefährten aus dem Raum: Tormund ist der Erste, der die Hoffnung aufgibt und zur Tür geht. Es folgen Melisandre und Edd Tollet.

Es verbleiben also nur noch Ghost und Ser Davos. Letzterer geht noch ein letztes Mal auf Jon zu. Seine geballte Hoffnung ist nicht mehr auf Melisandre gerichtet, sondern auf Jon. Erst dann verlässt er den Raum. Und Jon wacht auf!

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Hoffnung eines treuen Freundes so etwas vollbringt

Jon Snow wäre nicht der erste Game of Thrones Charakter, der von einem treuen Freund zurück ins Leben geholt wurde. Wir sprechen über ihn hier: Beric Dondarrion, aka "der eine Typ mit dem brennenden Schwert und der Augenbinde".

Beric Dondarrion: Ganze sechsmal ist er gestorben und wiederauferstanden.(© Sky Atlantic)

Als Ser Beric Dondarrion das erste Mal das Zeitliche segnete, war es sein guter Freund Thoros, der ihn mit Gebeten zurück ins Leben rief. Jetzt denkt ihr euch sicher: "Klar, Thoros war ja auch so ein roter Priester wie Melisandre!" Aber nein, ganz so einfach ist es (mal wieder) nicht, denn: Thoros wurde der religiöse Pfad aufgedrängt. Als jüngstes Kind von ingesamt acht wurde er dem roten Tempel geschenkt, entpuppte sich dort aber nicht als wissbegieriger Schüler, sondern als widerspenstiger Querulant, der sich mehr fürs Kämpfen, Trinken und Frauen interessierte. Doch er hatte eine Gabe: Manchmal sah er Dinge in den Flammen, und so wurde er auf den verrückten König Aerys angesetzt. Dieser mochte nämlich Feuer und man erhoffte sich, er würde zum Lord des Lichts konvertieren. Doch Thoros' Missionierung scheiterte. Nicht nur Aerys, auch Thoros selbst blieb ungläubig, wie er selbst betont: "Die Geschichten zu den Göttern wurden erfunden, damit die Kinder sich benehmen."

Beim ersten Ableben Dondarrions war er also kein Priester, sondern ein Ungläubiger, der in purer Verzweiflung über den Tod seines Freundes auf die Knie fiel und – obwohl er nicht dran glaubte – ein Gebet aufsagte: "Ich habe die alten Worte gesagt. Nicht weil ich dran geglaubt habe, sondern weil er mein Freund war – und tot."

Genau wie später Ser Davos, hat sich Thoros mit dem Tod seines geliebten Freundes nicht abgefunden und weiter gehofft, als es nichts mehr zu hoffen gab – mit Erfolg. Beric kam zurück – und in diesem Moment erst wurde Thoros zum gläubigen Anhänger des Lords des Lichts. Ganze sechsmal schafft es Thoros, Beric Dondarrion zurück zu holen – bis er selbst bei der jüngsten Expedition nördlich der Mauer ums Leben kommt. Aber: War Thoros damit wirklich ein Auserkorener des Lords des Lichts? Oder lag die Kraft ganz alleine in ihm?

Magie oder Religion: Was ist los in Westeros?

In Westeros scheiden sich die Geister: Welcher Gott ist der Wahre? Sind es Die Alten oder Die Neuen Götter? Der Gott des Lichts? Der Ertrunkene Gott? Oder hat Aryas erster Lehrmeister Syrio Forel Recht, und es gibt nur EINEN Gott, und sein Name lautet "Tod"? Doch egal welche Religion gerade gelebt wird: Die Magie hat sich nahezu unbemerkt zurück nach Westeros geschlichen, spätestens seit der Geburt der Drachen. Schon die ominösen Gestalten im Haus der Unsterblichen (Staffel 2) hielten Daenerys fest, weil durch die Geburt der Drachen ihre eigenen Zauberkräfte gestärkt wurden – und die Kraft der Drachen am stärksten war, wenn sie in Daenerys' Nähe waren. Hat in Westeros eine Neuverteilung der Zauberkräfte stattgefunden, die nicht den Göttern sondern den Menschen zuteil wurde? Diese Magie kann sowohl Melisandre, als auch Thoros und nun vielleicht auch Ser Davos gegeben sein: Sie ist offenbar an Hoffnung und Selbstvertrauen gebunden. Ob Daenerys, Thoros oder Ser Davos: Sie haben Wunder vollbracht, weil sie an diese Wunder geglaubt haben. Werden die Menschen von Westeros Wunder zukünftig nicht mehr imaginären Göttern zuschreiben, sondern sich selbst?

Hier seht ihr die ganze Theorie noch einmal als Video aufgearbeitet. Viel Spaß und: Valar morghulis!


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