Gruselig: So findet Facebook "Personen, die du kennen könntest"

Große, kleine Welt: Über wenige Kontakte sind wir mit allen Menschen vernetzt.
Große, kleine Welt: Über wenige Kontakte sind wir mit allen Menschen vernetzt.(© 2017 NASA)

Kennt ihr den schon: Ein Mann zeugt durch eine Samenspende eine Tochter, hat nie Kontakt zu ihr – doch Jahre später wird sie ihm plötzlich von Facebook als Freundin vorgeschlagen. Die Eltern kennt er zwar, ist jedoch nicht via Facebook mit ihnen verbunden. Oder den: Facebook rät Menschen, die den gleichen Psychiater besuchen, sie sollten sich doch mal miteinander verknüpfen.

Diese und andere skurrile Geschichten über den Algorithmus, der auf Facebook Freundschaften schmiedet, hat Kashmir Hill auf Gizmodo zusammengetragen. In minutiöser Detailarbeit arbeitet sie auf, wie Facebook über unsere Bekanntschaften Bescheid weiß – und wie wenig das Netzwerk dafür auf direkt verknüpfte Kontakte angewiesen ist. Klingt gruselig? Genau das ist es auch.

Denn während wir im Gespräch auf einfache Fragen wie "Wo kommst du her?" oder "Kennst du meinen Kumpel Peter?" angewiesen sind, nutzt Facebook dafür einfach unsere persönlichen Daten. Also etwa Telefonnummer, E-Mail oder den Spitznamen.

Zwanghafte Vernetzung: der Trick mit den Adressbüchern

Der Clou: Für die Vernetzung per Vorschlagsliste setzt der blaue Riese nicht nur auf Kontaktdaten, die wir selbst hochladen. Viel nützlicher sind diejenigen Angaben, die andere Nutzer bei Facebook hinterlassen. Haben etwa zwei Nutzer einen gemeinsamen Kontakt im Adressbuch und dieses bei Facebook zum Suchen nach Bekanntschaften hochgeladen, dann werden sie einander früher oder später als mögliche Freunde vorgeschlagen.

Doch auch ungenauere Daten, wie etwa der Beruf oder Aufenthaltsort, können bereits reichen, um einen Kontaktvorschlag zu erzeugen, der für leichte Gänsehaut sorgt: So wurde etwa einem Anwalt ein Strafverteidiger als Freund vorgeschlagen – die beiden hatten sich bis dato jedoch nur ein einziges Mal im Rahmen einer Gerichtsverhandlung getroffen. Die Quintessenz: Auf die Daten, die zu eurer Person gesammelt werden, habt ihr schon lange keinen Einfluss mehr.

Facebook weiß: Jeden Menschen trennen nur 3,5 Kontakte

Eine kleine Veranschaulichung von dem Detailgrad, mit dem Facebook soziale Verknüpfungen herstellen kann: Sicherlich kennt ihr das "Kleine-Welt-Phänomen". Demzufolge galt lange Zeit, dass jeder Mensch weltweit über lediglich 6 Kontaktsprünge miteinander verbunden ist. Das ist heillos untertrieben, wissen die klugen Köpfe hinter dem größten sozialen Netzwerk mittlerweile: Facebooks Messungen zufolge sind es gerade einmal 3,5 Personen, die uns heute mit jedem x-beliebigen Menschen verbinden.

So schützt ihr eure persönlichen Daten bei Facebook

Ein kleiner Trost: Es gibt immerhin noch ein, zwei Wege, auf denen ihr euch vor unliebsamen Vorschlägen oder der Weitergabe eurer Daten zumindest zum Teil schützen könnt.

1. Importierte Kontaktdaten löschen

Wie Kashmir Hill von Gizmodo berichtet, gibt es einen ziemlich konkreten Weg, um ungewünschte Freundschaftsvorschläge abzuschalten: Dafür öffnet ihr einfach die Übersicht aller Kontaktdaten, die ihr bei Facebook hochgeladen habt. Diese lassen sich mit wenigen Klicks löschen. Die Sache hat jedoch einen Haken: Um ungewollte Verbindungen komplett auszuschließen, müssten alle Kontakte, die eure Daten hochgeladen haben, das ebenfalls erledigen. Eine ziemliche Sisyphusarbeit.

Am besten sichert ihr euch über die Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook ab(© 2017 Facebook)

2. Freundschaftsanfragen einschränken

Wirklichen Einfluss darauf, wie man euch bei Facebook findet, habt ihr also nur in den Privatsphäreeinstellungen. Hier könnt (und solltet) ihr einschränken, wie andere Nutzer euch anhand von Telefonnummer oder E-Mail-Adresse aufstöbern können. Stellt ihr beides auf "Freunde von Freunden". Einem Facebook-Sprecher zufolge soll dadurch auch eingeschränkt werden, dass ihr in den Freundschaftsvorschlägen von fremden Nutzern auftaucht, die eure Telefonnummer im hochgeladenen Adressbuch haben


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