LG G Watch im Langzeittest: Ein persönliches Fazit

Naja !11
Shu's G Watch Tagebuch: So lief's mit der Smartwatch als täglicher Begleiter
Shu's G Watch Tagebuch: So lief's mit der Smartwatch als täglicher Begleiter (© 2014 CURVED)

Jedes Jahr von Neuem versucht die Industrie uns von einem „Next Big Thing“ zu überzeugen und hofft dabei, eine Revolution loszutreten; wie seinerzeit mit dem Radio, dem Fernseher, dem Internet oder zuletzt dem Smartphone. Mit Android Wear und den Smartwatches soll jetzt wieder das nächste große Ding an unserem Arm baumeln. Sieben Tage lang suchte ich nach dem Wow-Erlebnis und muss zu Protokoll geben, dass ich es nicht gefunden habe.

Zu allererst muss ich fairerweise sagen, dass ich im normalen Alltag ein iOS-Nutzer bin und seit meinem ersten Handy, dem Ericsson PH337, nunmehr ohne Armbanduhr in der Landschaft herumlaufe. Damit hat eine Smartwatch mit Android Wear bei mir natürlich einen schweren Stand: Zunächst das "falsche" OS, und dann soll ich mir nach 19 Jahren wieder eine Armbanduhr umlegen?

Naja, aber warum eigentlich nicht, es ist schließlich eine intelligente Uhr, außerdem nutze ich selbst ja noch als Zweithandy ein Samsung Galaxy S4. Also G Watch an den Arm angelegt und schon ging der siebentägige Selbstversuch los. Was ich alles mit der G Watch ausprobiert habe, das könnt ihr noch einmal im Liveticker nachlesen.

Einlaufende Benachrichtigungen werden vom Smartphone rüber zur Smartwatch geschickt.(© 2014 CURVED)

Aber nun zu meinen Eindrücken nach einer kompletten Woche mit der G Watch am Arm und dem S4 in der Tasche. Android Wear ist ein schöne Zugabe zum Android Smartphone. Es ist der verlängerte Arm des Smartphones, nahezu die gesamte Intelligenz steckt weiterhin im Handy und nicht in der Uhr. Und das ist schließlich von Google auch so gewollt!

Wie Kollege Amir trefflich in seiner Analyse über Android Wear und die ersten Smartwatches schreibt, haben die Entwickler in Mountain View aus den Fehlern der anderen gelernt und Features wie eine Kamera, Lautsprecher und erst recht die Telefoniefunktion verbannt. Warum? Na, weil „smarte“ Uhren für Otto-Normalverbraucher diese Funktionen nicht brauchen. Simple is better!

Bei der Bedienung ist Google dann tatsächlich die Quadratur der Einfachheit gelungen, auch wenn es an einigen Ecken noch etwas klemmt. Einfach von unten nach oben wischen, und Ihr jagt durch die Nachrichten; nach rechts wischen, und die Nachricht wird vom Bildschirm gelöscht. Bei einigen Karten kann man auch nach links wischen, um an weitere Optionen der App zu kommen. Gerade beim Löschen oder Schließen scheint Android Wear aber noch nicht rund zulaufen, denn das System nimmt sich stets eine kleine Gedenksekunde, bevor dann wieder die Uhr angezeigt wird.

Reizüberflutung

Am Anfang fand ich den Gedanken, bei eingehenden Nachrichten nicht mehr das Handy zu zücken, sehr sexy. Aber nach langen sieben Tagen bin ich wohl wieder auf dem Boden der Tatschen gelandet: Es ist toll, in der Bahn nicht mehr sein Handy herausholen zu müssen, nur um zu sehen, wer gerade wieder seinen Senf zum eigenen Facebook-Post abgelassen hat. Es ist praktisch, im Meeting mit einem kurzem Blick auf die G Watch die SMS-Erinnerung, der Ehefrau Milch mitzubringen, zu lesen um dann beim Rausgehen diese SMS per Spracheingabe mit einem kurzem „Alles klar, Schatz!“ zu beantworten.

Benachrichtigungen anzeigen ist die Stärke von Android Wear(© 2014 CURVED)

Aber in unserer Welt mit SMS, E-Mails, WhatsApp, Facebook, Twitter und zahlreichen anderen Informationen wie Wettermeldungen, Nachrichten und Co. ist es mir doch ganz lieb, wenn diese Informationen nur auf dem Smartphone landen und ich selbst entscheiden kann, wann ich was lese.

Diese Reizüberflutung kann man zum Glück etwas eindämmen. Entweder man ignoriert das ständige Brummen und Aufleuchten der G Watch, oder aber man verpasst den kommunikationsfreudigen Apps in den Einstellungen von Android Wear einen digitalen Maulkorb.

Ok, Google: Komische Blicke beim Monolog mit der Smartwatch garantiert

Die Stärke von Android Wear liegt eindeutig in Google und seinen Diensten wie Google Now, Google Maps und der Suche. Auch hier dient die Smartwatch wieder als verlängerter Arm zum Smartphone. Im Alltag ist es durchaus praktisch: Ich kann in einer fremden Stadt meinen Zielpunkt einfach in die G Watch sprechen und auch die Navigation starten.

Sehr praktisch sind dann auch die Richtungsanweisungen, die auf der LG G Watch dargestellt werden — dann kann das Smartphone in der Tasche bleiben. Leider hatte ich einmal vergessen, das Smartphone stumm zuschalten, so dass plötzlich aus der Tasche ein „Rechts in 200 Metern“ plärrte und mich einige Passanten komisch anguckten.

Die gleichen Blicke erntet man übrigens auch, wenn man den Arm hebt und „Ok, Google“ sagt. Mein Gefühl ist, dass die breite Masse noch nicht bereit für Spracheingabe à la Google ist. Auch mit einer Smartwatch mit Android Wear wird dieses Feature dann wohl eher selten genutzt werden.

Unterm Strich: Aktuell kein Next Big Thing

Ich zähle mich selbst nicht zu den Nutzern, die bei jedem Summen und Brummen des Smartphones hektisch nach Information lechzen. Für all diese Benachrichtigungs-Junkies ist eine Smartwatch wie die LG G Watch oder die Samsung Gear Live genau das Richtige.

Diese werden ihre helle Freude daran haben, nicht mehr ständig das Handy aus der Hosentasche ziehen zu müssen. Wenn es aber darum geht, längere Nachrichten zu lesen oder aber auch ausführlich zu beantworten, dann bleibt auch den Junkies nichts anderes übrig, als das Handy zu zücken und zu tippen.

Aber zum Glück gibt es eine große Entwicklergemeinde bei Google, die sich auf Android Wear geradezu stürzt: Täglich erscheinen neue Apps, Watch Faces und sogar kleine Spiele. Vielleicht kommt da noch in Zukunft die eine oder andere App, die mich so sehr begeistert, dass ich mir dauerhaft eine Android Wear Smartwatch anlege. Bis dahin aber lege ich das kleine Gadget beiseite und nehme wieder mein Smartphone in die Hand.


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