Meinung: Der Spieler als Geisel? So nicht, Nintendo!

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Der Spieler als Geisel: Habt ihr kein Abo für den Online-Service und eure Switch macht die Grätsche, sind alle Spielstände futsch.
Der Spieler als Geisel: Habt ihr kein Abo für den Online-Service und eure Switch macht die Grätsche, sind alle Spielstände futsch.(© 2018 CURVED)

Als die Details zum im September startenden "Online-Service" für die beliebte Nintendo Switch verkündet wurden, kamen viele Spieler aus dem Staunen nicht heraus – allerdings nicht im positiven Sinne. Zur drohenden Spiele-Ebbe gesellt sich also nun noch eine große Portion Dreistigkeit des japanischen Hard- und Software-Herstellers.

Keine Frage, die Nintendo Switch ist ein tolles kleines Ding und hat seit der Markteinführung im März 2017 bereits über 18 Millionen Freunde gefunden. Das hatte seine guten Gründe: Recht schmucke Hardware mit einem ziemlich genialen Feature, einem Preis, der gerade noch so in Ordnung geht und einem Spieleangebot, nachdem sich Freunde der gepflegten Unterhaltung alle zehn Finger lecken. Doch es ziehen dunkle Wolken am Horizont auf, die sich nach der Ankündigung der Features und Dreingaben des neuen Online-Service zu einem stattlichen Gewitter auftürmen könnten.

Online-Service aus der Steinzeit

Schon als Nintendo für das Spielen von Online-Multiplayer-Titeln eine lachhafte Smartphone-App in den Ring warf, hagelte es größtes Unverständnis aus der sonst eher anschmiegsam gepolten Nintendo-Community: Also wirklich kein Sprachchat, keine Spieler-Lobbies, kein richtiges Nachrichten-System für die Switch, wenn man kein Interesse an der App hat? Und selbst mit dem Einsatz derer, dann noch gefühlt durch brennenden Reifen springen, wobei online spielen bei der Konkurrenz "out of the box" zum guten Ton gehört? Das sich Big N bei der Implementierung eigentlich ganz normaler Funktionen schwer tut, ist nichts Neues, dennoch ein herber Dämpfer – selbst für frustgestählte Nintendo Freunde.

Und nun kündigen die umtriebigen Japaner also einen bezahlbaren Online-Service für die Hybrid-Konsole an, der seinen Namen nicht verdient hat. Denn auch hier: keine Spur von Online-Komfort-Features jedweder Art. Immerhin wird es – zumindest bei einigen Spielen – möglich sein, endlich die Spielstände in einem Cloud-Service in Sicherheit zu bringen. Dafür müsst ihr allerdings zahlen – frecher geht es kaum. In der Ausführung erinnert dieser Move ein wenig an Apple, bei denen so ein Schmonsens allerdings geschickt hinter einer uneinholbaren User-Experience versteckt wird. Das scheint Nintendo nicht nötig zu haben. Drückt ihr also keinen Beitrag für den Online-Service ab, und eure Switch segnet das Zeitliche, dann könnt ihr eure 200 Stunden bei Zelda getrost unter "schön war die Zeit" einbuchen. Eigentlich kaum zu fassen.

Es wird noch "besser"

Hat man aufgehört sich über diese herbe Dreistigkeit zu ärgern, folgt der nächste Klopper gleich auf dem Fuße: Denn als Dreingabe zum Online-Service, der eigentlich keiner ist, gibt es – tataaa! – NES-Spiele, die mittlerweile über 30 Jahre auf dem Buckel haben. Haben Spieler im Vorfeld noch von einer brandneuen "Virtual Console" mit SNES, N64 und Gamecube-Titeln fabuliert, ist diese neue Ankündigung buchstäblich ein Schlag ins Gesicht. Denn es gibt: nichts! Obendrein wurde eines der beliebtesten Features, die erwähnte "Virtual Console" in der Pressemitteilung per Nebensatz zu Grabe getragen. Nicht nur eine mehr als vertane Chance, man hat eher den Eindruck, Nintendo schert sich mal wieder einen Dreck um die Wünsche seiner Käufer. Wäre ja nicht das erste mal.

Düstere Aussichten

Der nächste und letzte Aufreger ist die Ankündigung neuer, wertiger First-Party-Titel. Denn dort wo einst grüne Wiesen dank "Zelda", "Mario Kart", "Rabbids" oder "Mario Odyssey" erblühten, macht sich langsam aber sicher eine Wüste der Enttäuschungen breit. Nintendo denkt nicht einmal daran, beliebte Marken vom Schlage eines "Wave Race", "F-Zero", "Diddy Kong Racing" oder "Goldeneye" an den Start zu bringen. Stattdessen sollen es auf der E3 wohl ein neues Pokémon, Zusatzlevel-Pakete für "Mario Odyseey" und eine gerüchteweise angedachte Kooperation mit Microsoft richten.

Das würde wenigstens die letzten beiden hier genannten Titel immerhin in den Bereich des Möglichen verschieben – oder die Zusammenarbeit ist nur für das Spieleangebot des kommenden N64 Mini notwendig. Wie man es auch dreht und wendet: Nintendo scheint sein Pulver an hochkarätigen Titeln bereits im ersten Jahr verschossen zu haben – und Ex-Wii U-Spiele zum Vollpreis einfach erneut für die Switch herauszubringen, ist ebenfalls eine mehr als diskussionswürdige Vorgehensweise. Alles in allem macht sich langsam aber sicher eine riesige Ernüchterung breit, der jetzt oder nie entgegengewirkt werden sollte, sonst stirbt die Switch einen langsam und qualvollen Hardware-Tod.


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