Nicht lesen und doch teilen: Artikel im World Wide Web

Erst lesen, dann twittern? Heutzutage nicht immer so.
Erst lesen, dann twittern? Heutzutage nicht immer so.(© 2014 CC: Flickr/clasesdeperiodismo)

Wer Artikel für das Medium Internet schreibt, der freut sich über jeden Leser, der das Gelesene teilt und somit weiterverbreitet. Dass dies aber häufig gar nicht der Fall ist, zeigt eine aktuelle Studie von Chartbeat. Das Unternehmen, das den Echtzeit-Traffic für Webseiten untersucht, hat herausgefunden, dass es keine erkennbare Korrelation zwischen der Anzahl der Shares sowie der Anzahl der tatsächlichen Leser gibt. Viele Internetnutzer wollen so schnell teilen, was sie im World Wide Web entdeckt haben, dass sie sich gar nicht mehr die Zeit nehmen, den Artikel erst zu lesen.

Anzahl der Tweets gibt nicht die Anzahl der tatsächlichen Leser wieder

Das Unternehmen Chartbeat hat in erster Linie Retweets per Twitter unter die Lupe genommen, sagt gegenüber The Verge aber, dass die Ergebnisse auch auf das soziale Netzwerk Facebook übertragen werden könnten. So würde das Teilen von Inhalten zwar definitiv die Klickzahlen nach oben treiben, einen Rückschluss darauf, wie häufig und intensiv ein Text gelesen werde, ließe das aber nicht zu.

Als mögliche Erklärung für das Phänomen zählt Chartbeats führender Analyst Josh Schwartz mehrere Möglichkeiten auf. Zum einen würden Artikel häufig über mobile Geräte geteilt. Auf diesen werden Inhalte aber deutlich weniger intensiv gelesen als auf Desktop-PCs und Notebooks. Darüber hinaus verbirgt sich hinter vielen Retweets eine Geschichte, deren Headline bereits alles über den Inhalt verrät und das Lesen damit überflüssig macht. Das ist zum Beispiel bei brandaktuellen Breaking News häufig der Fall.

Für Publisher ist es daher längst nicht mehr nur die Anzahl der Page Impressions, die zählt. Vielmehr hat man auch die Verweildauer des Nutzers auf einer Seite sowie seine weitere Aktivität im Blick.


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