One Trick Pony Google: Das Wachstum scheint ausgereizt

Unfassbar !7
Seit drei Jahren Google-CEO: Larry Page  zündet gerne Moonshots, muss sie aber auch irgendwann monetarisieren
Seit drei Jahren Google-CEO: Larry Page zündet gerne Moonshots, muss sie aber auch irgendwann monetarisieren(© 2014 CC: Flickr/TED Conference)

Durchwachsene Quartalsbilanz von Google gestern nach Handelsschluss. Der Internetriese präsentierte einen soliden Umsatzzuwachs, doch die Gewinne legen kaum mehr zu. Immer deutlicher wird: Trotz der enormen PR-Offensive, die Google mit neuen Produkten permanent anstrengt, bleibt der Suchriese ein One Trick Pony.

16 Milliarden Dollar Umsatz in den drei Monaten von April bis Juni, von denen unterm Strich 3,42 Milliarden Dollar hängen blieben: Klingt imposant, doch für den drittwertvollsten Konzern der Welt ist die Bilanz weniger furios als die aussieht.

Positiv für Google: Die Erlöse zogen immerhin noch um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal an – das Umsatzwachstum ist damit größer als bei Technologie-Giganten wie Apple, Microsoft oder Samsung.

Googles Gewinne wachsen kaum noch

Indes: Die Gewinne ziehen kaum mehr an. Gerade mal um sechs Prozent legte der Ertrag im abgelaufenen zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresvergleich noch zu – das ist zwar mehr als bei Samsung, wo die Gewinne zuletzt zweistellig zurückgingen und wohl auch mehr als bei Microsoft, das in der kommenden Woche sein Zahlenwerk vorstellt, aber wohl weniger als bei Apple, wo die Rückkehr des zweistelligen Gewinnwachstums erwartet wird.

Und das auf einem ganz anderen Niveau. Vor einem Jahr erlöste Apple zwischen April und Januar 35 Milliarden und verdiente 6,9 Milliarden Dollar oder 1,07 Dollar je Aktie. Dieses Jahr erwarten Analysten im abgelaufenen Geschäftsquartal – Apples bereits drittem im Fiskaljahr 2013/14 – Umsätze in Höhe von 38 Milliarden und einen Gewinnsprung um 15 Prozent auf 1,23 Dollar je Aktie bzw. knapp 8 Milliarden Dollar.

Google nach Apple zweitwertvollstes Tech-Unternehmen der Welt

In anderen Worten: Apple und Google sind in ihrer Geschäftsentwicklung weiter Lichtjahre voneinander entfernt. Der Kultkonzern aus Cupertino setzt mehr als das Doppelte von Google um, und verdient fast das Zweieinhalbfache – wobei die sich der Abstand eher vergrößert statt verringert.

Trotzdem befinden sind die beiden Tech-Riesen an der Börse längst nicht so weit voneinander entfernt wie zu erwarten wäre. Die Wall Street bewertet Google aktuell bei Kursen um 590 Dollar mit 390 Milliarden Dollar, Apple bei nunmehr 94 Dollar mit 570 Milliarden – also keinesfalls mit dem doppelten Wert, den die Geschäftsentwicklung nahelegen würde.

Google genießt an der Wall Street weiter Bonus zu Apple

In anderen Worten:  Google wird an der Wall Street weiter mit einem deutlichen Premium-Aufschlag zu Apple gehandelt, wie die Diskrepanz des maßgeblichen KGV von 31 bei Google vs. 16 bei Apple beweist.  Noch deutlicher wird der Bewertungsunterschied, wenn man die immensen Barreserven der beiden Tech-Giganten aus dem Börsenwert herausrechnet: Apple käme dann auf einen realen Unternehmenswert von 420 Milliarden (150 Milliarden Cash) , Google auf 330 Milliarden Dollar (60 Milliarden Barmittel).

Woher kommt nun der höhere Fantasie-Faktor, den die Wall Street Google bewilligt. In einem Wort: Im mutmaßlichen Potenzial des Internetriesen, das sich mit immer neueren Moonshots als das zukunftsweisende Unternehmen des 21. Jahrhunderts positioniert.  Aus Mountain View wurde fast im Monatsrhythmus ein neuer Moon Shot gezündet.

Mit selbstfahrenden Automobilen,  Projekten zur flächendeckenden Netzversorgung mit HeißluftballonsProject Ara oder Google Glass scheint dem Internet-Giganten die Zukunft zu gehören. Ob sich die Moon Shots irgendwann in irgendeiner Form monetarisieren lassen – unklar. Marketer lassen sich unterdessen so sehr vom Leuchtfeuer aus Mountain View blenden, dass sie Google zur wertvollsten Marke der Welt ausrufen - worin auch immer diese Strahlkraft liegen mag.

Riskante Alles-oder-Nichts-Wette auf die Suche

Das gern unterschlagene Stück Wahrheit ist jedoch: Mehr noch als Apple die iPhone-Company ist, ist Google das One Trick Pony der Internet-Suche. Erfindet ein Internet-Unternehmen einen genaueren Algorithmus, der sich als neuer Goldstandard durchsetzt, ist Googles Kerngeschäft in weitaus größerer Gefahr als Apples bei einer mutmaßlichen Sättigung des Smartphone-Marktes in den kommenden Jahren.

Zumal Google bei der Werbung auf mobilen Endgeräten noch nicht den Heiligen Gral gefunden zu haben scheint, wie der scheidende Sales-Chef Nikesh Arora im Conference Call einräumte: „Die Umsatz-Möglichkeiten bei Mobil-Werbung sind, sehr, sehr groß, monetarisieren sich jedoch noch nicht so gut wie andere Werbeformen.“ Das gilt auch für andere Hoffnungsträger wie YouTube, das ebenfalls weiter hinter den Umsatzerwartungen zurückbleibt.

Googles Moonshots bislang nicht monetarisiert

So ist Google, Stand Sommer 2014, das wertvollste Unternehmen der Welt, weil es bei der klassischen Internet-Werbung den Goldstandard gesetzt hat, dessen Wachstumsmöglichkeiten indes immer mehr ausgereizt scheinen.

Die Projekte, die Google in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren zum wertvollsten Konzern unserer Generation machen könnten, bleiben immer noch das, als was  Larry Page sie so gerne bezeichnete: „Moon Shots", die, wie es in der Natur der Sache liegt, die Menschheit weiterbringen oder in 99 von 100 Fällen ertraglos verglühen können…


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