OnePlus-Mitgründer Carl Pei: Wir wollen das Apple der Android-Welt werden

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Carl Pei: Mitgründer von OnePlus
Carl Pei: Mitgründer von OnePlus(© 2015 Twitter/@ForbesTech)

Wir nennen sie nicht umsonst die "sympathischen Schreihälse": Im Interview mit USA Today gibt sich OnePlus-Mitgründer Carl Pei betont selbstbewusst - und verrät nebenbei noch, dass ein weiteres Smartphone erscheinen soll - idealerweise zu Weihnachten.

Der Mann hat Eier: Carl Pei, gerade einmal 25, Mitgründer von OnePlus, will es scheinbar im Alleingang mit der gesamten Android-Branche aufnehmen. Den Eindruck gewinnt man zumindest, wenn man sich das Interview mit USA Today anschaut. Vor allem bekommt man ein Gefühl dafür, was das gerade einmal zwei Jahre alte Unternehmen, das quasi aus dem Stand 1,5 Millionen Smartphones verkaufte, vorhat.

So sei ihm und seinen Kollegen die Idee im Jahr 2013 in einem Restaurant gekommen: "Alle um uns herum nutzten ein iPhone. Wir fragten uns, warum das so ist. Und kamen zu der Erkenntnis: Kein anderer Hersteller kümmert sich so sehr um das Produkt wie Apple." Die Frage für das Android-Segment zu beantworten, war in der geselligen Runde nicht möglich. Der eine favorisierte HTC, ein anderer Samsung usw. "Da sahen wir die Möglichkeit, weil die Hersteller sich nicht wirklich ums Produkt kümmern. Sie interessieren sich für Marktanteile und Kundenumfragen." Sie hingegen wollten das beste Android-Smartphone bauen und genauso viel Wert auf das Produkt legen wie Apple.

"NFC ist überbewertet"

Die Erklärung, warum OnePlus sein Smartphone so preiswert anbieten kann, ist für Pei denkbar einfach: Weil es kein großes Marketingbudget braucht. News und Tests lassen sich online lesen. E-Commerce boomt - und damit fällt die Notwendigkeit von Mittelsmännern, wie etwa dem Einzelhandel, weg. "Ich bin mir sicher, dass Samsung seine Produkte so günstig wie wir anbieten könnte, wenn sie ihr Marketingbudget herunterfahren und mehr online verkaufen würden", so Pei.

Auch zur der Kritik an der fehlenden NFC-Unterstützung äußert sich Pei im Interview: "NFC ist überbewertet. Nur sehr Wenige nutzen es, deswegen haben wir darauf verzichtet." Er wisse, dass Android Pay im Anmarsch ist, aber bis dahin würden noch 12 bis 18 Monate vergehen. "Bis dahin haben die Nutzer längst ein neues Gerät." So viel Ehrlichkeit ohne Marketingkauderwelsch hat meiner Meinung nach durchaus ein wenig Anerkennung verdient.

"In fünf Jahren wird es nur noch Apple, OnePlus und Samsung geben"

Richtig spannend wird es allerdings, als Pei gefragt wird, wo er sein Unternehmen in fünf Jahren sieht: "In fünf Jahren wird es nur noch Apple, OnePlus und Samsung geben, denke ich - mehr Platz ist nicht im Markt. Alle andere sind gestorben, weil sie nicht schnell genug gewachsen sind oder die Marge nicht groß genug war, um das Geschäft am Leben zu halten. Schauen Sie sich den Markt für Softdrinks an. Da gibt es zwei Player: Coca-Cola und Pepsi."

All das nur mit einem Smartphone? Offenbar hat Pei größere Pläne. OxygenOS, eine Eigenentwicklung von OnePlus soll künftig auf mehr Geräten laufen. OnePlus will laut Pei bewusst mit anderen Hersteller zusammenarbeiten - auch wenn sie auf anderen Gebieten Konkurrenten sind. So hätte das Unternehmen fast einen Fitnesstracker herausgebracht, sich dann aber dagegen entschieden. Dass wir künftig neben dem OnePlus-Smartphone auch noch einen Fernseher und weitere Gadgets der chinesischen Boom-Company nutzen, hält Pei für unwahrscheinlich: "Wir glauben, dass bestimmte Marken sich auf bestimmte Punkte konzentrieren sollten." Nur durch Fokussierung könnten hervorragende Produkte entstehen.

Eine starke Marke mit einem starken Gesicht

So oder so ähnlich hat es auch einst Apple-Gründer Steve Jobs formuliert, wenn er über die Entwicklung neuer Produkte sprach - eine Philosophie, die auch Apples Designchef Jonathan Ive übernahm. Aber hat OnePlus tatsächlich das Zeug dazu, die Androidwelt zu erobern, wie es einst Apple im Smartphone-Segment gelang? Ich würde meinen, die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht. Der Hype um die Geräte des Oppo-Ablegers ist enorm: eine Million Anmeldungen für das neue OnePlus 2 in nur 72 Stunden. Dazu eine große, aktive Community, ein wachsendes Unternehmen, ein eigenes Betriebssystem und ein Smartphone, ob nun mit oder ohne NFC und Wireless Charging, das Highend zum Mittelklasse-Preis verspricht. Mehr noch: Eine Marke, die ohne fettes Marketingbudget immer wieder Gesprächsthema ist und mit Pei ein Gesicht hat.

Weiteres Smartphone für Ende 2015 geplant

Gerade das fehlt mir persönlich im Android-Segment: Eine starke Marke mit einer starken Gallionsfigur. Über die verfügen weder Samsung, noch HTC, Sony, Asus, LG oder Huawei. OnePlus ist neu und cool, jung und frech - und trifft damit bei vielen Android-Nutzern einen Nerv. Schon jetzt ist die Marke stark. So stark, dass sich alle um die Geräte reißen. Ein Zustand, den sich wohl die etablierten Hersteller gerne herbeisehnen würden.

Ganz nebenbei erwähnt Pei dann noch, dass dieses Jahr noch ein weiteres Smartphone in den Handel kommen soll. "Es wird noch ein zweites Smartphone dieses Jahr geben, vor dem Jahresende. Hoffentlich zur Weihnachtszeit", so Pei auf die Frage hin, ob es noch Pläne für ein weiteres Smartphone im Jahr 2015 gibt. Hinsichtlich Details zu den technischen Spezifikationen hält sich Pei zwar bedeckt, es scheint dem OnePlus 2 aber mindestens ebenbürtig zu sein.


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