"Sex Tape" und Co.: Wie Hollywood die Cloud entdeckt

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Wenn der falsche Film in die Cloud gerät: Cameron Diaz in "Sex Tape"
Wenn der falsche Film in die Cloud gerät: Cameron Diaz in "Sex Tape"(© 2014 Sony)

Filme reflektieren nicht selten gesellschaftlich bedeutsame Entwicklungen – auch im Bereich der Technologie. So thematisiert die neue Komödie „Sex Tape“ mit "How I met your Mother"-Star Jason Segel Probleme mit der stets über unseren digitalen Alltag wachenden „Cloud“. Welche Technik-Trends sind darüber hinaus Thema in aktuellen Blockbustern – und werden hier eher Ängste geschürt oder der Fortschritt gefeiert? Wir haben nachgeschaut.

Dass Hollywood und das Silicon Valley gerne miteinander flirten, wissen wir bereits. Immer häufiger wittern Studios, Regisseure und Produzenten in der Technologiebranche zudem den Stoff für erfolgversprechende Filme. So haben Streifen wie „The Social Network“ oder die Google-Komödie „Prakti.com“ mit Owen Wilson in den letzten Jahren die einstige Nerd-Branche immer mehr in den Fokus des Mainstream-Publikums gesetzt.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Cloud Thema einer Hollywood-Komödie werden würde. Am 25. Juli startet in den USA nun der Film „Sex Tape“ mit Cameron Diaz und Jason Segel als Paar, das ein schlüpfriges Video von sich aufnimmt, welches leider automatisch in die „Cloud“ geladen und von dort aus auf sämtliche iPads, die das Pärchen jemals verschenkt hat, synchronisiert wird. Unter den Beschenkten sind dabei die eigenen Eltern, der Boss von Cameron Diaz und einige Personen mehr, die das Filmchen lieber nicht zu Gesicht bekommen sollten. Extreme Peinlichkeiten sind also programmiert…

„Keiner versteht die Cloud, sie ist ein verdammtes Mysterium“

Eine durchaus witzige Grundidee, die dem Trailer nach tatsächlich unterhaltsam umgesetzt wurde. Und rührt der Film damit nicht auch an Grundängsten, die unterbewusst so mancher bezüglich der Cloud empfindet? Habt Ihr nicht auch schon mal für einen Moment den Überblick verloren und Euch kurz gefragt, wo jetzt welche Daten über die von Euch genutzten Cloudienste gerade hinsynchronisiert werden?

Klar: In „Sex Tape“ wird das Ganze natürlich völlig überzogen und realitätsfern dargestellt. Allzu viele die Logik betreffende Fragen sollte man lieber nicht stellen. Warum zum Beispiel hat das Paar überhaupt so viele iPads verschenkt, auf denen auch noch der eigene (i)Cloud-Account aktiviert ist? Aber sei’s drum, One-Liner wie „Keiner versteht die Cloud, sie ist ein verdammtes Mysterium“ sind aufgrund ihres nicht gerade geringen Realitätsbezugs dann wieder einfach nur witzig.

Noch ein ganzes Stück weiter in Bezug auf die Thematisierung mobiler Technologien geht der niederländische Film „App“ von Regiesseur Bobby Boermans. Denn dieser macht das Smartphone des Zuschauers zum essentiellen Bestandteil der Zuschauererfahrung und lässt damit nicht zuletzt die guten alten Zeiten der „Movie Gimmicks“ (wie z. B. Smell-O-Vision), also jener zusätzlichen Erfahrungen, die während eines Films das Erlebnis des Zuschauers bereichern sollten, wieder aufleben.

Für den Horrorfilm „App“ nämlich können sich Smartphone-Besitzer tatsächlich eine zugehörige App auf das Mobilgerät herunterladen. Diese soll den Zuschauer dann während des Films mit zusätzlichen passenden Inhalten versorgen. Die App hört dabei tatsächlich mit, indem sie auf ähnliche Technologien wie zum Beispiel Shazam zurückgreift. So erhält der Zuschauer genau an den richtigen Filmstellen mysteriöse Botschaften auf sein Smartphone.

Ein echtes „Movie-Gimmick“: Wenn Ihr den Horrofilm „App“ schaut, liefert Euch eine kostenlose Smartphone-Anwendung live zusäzliche Inhalte.

App ist bereits im letzten Jahr auf verschiedenen Filmfestivals gelaufen und hierzulande schon auf DVD und Blu-ray erschienen. Allerdings müsst Ihr bei Interesse nicht zwangsläufig Geld ausgeben, denn der Film läuft bereits am 26. Mai auf dem ZDF, das sogar eine eigene Website für das Ereignis eingerichtet hat. Die App für den „ersten Kinofilm mit Second Screen Technologie“ könnt Ihr schon jetzt für das iPhone oder im Google Play Store laden.

„App“ will mithören, um den eigenen Einsatz während des Films nicht zu verpassen.

Worum es in „App“ überhaupt geht? Studentin Anna, die sich nie weit von Ihrem Smartphone entfernt, findet eines Morgens eine neue Anwendung auf Ihrem Telefon. Die neue persönliche Assistenten IRIS (ja, die Anspielung ist überdeutlich) benimmt sich schon bald sehr merkwürdig und verschickt ungefragt Botschaften an Annas Kontakte. Doch einfach löschen lassen will IRIS sich auch nicht…

Johnny Depp als kollektives Bewusstsein in der Cloud

Damit ist „App“ in gewisser Weise der weniger anspruchsvolle Horrofilm-Gegenentwurf zu Spike Jonzes „Her“, in dem sich Joaquin Phoenix in die Betriebssystem-Stimme Samantha verliebt. Eine kritische Sichtweise unserer engen Beziehung zu Smartphones, Computern, Betriebssystemen und virtuellen Welten ist den beiden sehr unterschiedlichen Filmen auf den ersten Blick jedoch durchaus gemein. Auch wenn „App“ auf der anderen Seite fast schon genial Technikbegeisterung und Kritik auf verschiedenen Ebenen zu verquicken scheint.

Am Ende ist eine relevante Frage wohl immer, wie weit unser Verhältnis zur Technologie gehen darf. Und diese stellte in diesem Jahr ja auch schon der Hollywood-Thriller „Transcendence“ mit Johnny Depp, in dem dieser als genialer Wissenschaftlicher Will Caster nach seinem Tod das eigene Bewusstsein digitalisiert.

Wir sehen also Technik-Kritik ist Thema in aktuellen Filmen, ob aus Holland oder Hollywood. Und das ist auch gut, denn nicht zuletzt soll uns das Medium natürlich noch immer Denkanstöße für das eigene Handeln und unsere Sichtweise auf die Welt geben.


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