Tag Heuers Android-Smartwatch "Carrera Connected": Das soll Luxus sein?

Gab’s schon54
Tag Heuer Connected
Tag Heuer Connected(© 2015 TAG Heuer)

Der Medienrummel war groß, das Produkt nur eine weitere Smartwatch mit Android Wear - zum Luxuspreis. Die Carrera Connected, ein Gemeinschaftsprojekt von TAG Heuer, Intel und Google, wirft Fragen auf.

Weltweit renommierte Uhrmacherkunst trifft auf modernste Technologie. So pries TAG Heuer seine erste Smartwatch an. Und hatte kräftige Unterstützung: Brian Krzanich, CEO von Intel, und David Singleton, VP Engineering (Android) bei Google, stellten die Uhr zusammen mit Jean-Claude Biver, CEO von TAG Heuer, in New York vor. Das Event war sogar als Livestream weltweit zu sehen.

Zu sehen gab es die Neuauflage der legendären Carrera der Uhrenmanufaktur. Zum Hintergrund: Seit den Sechzigern zählt sie zu den beliebtesten Uhren der Schweizer. Einst als Hommage an die Rallye Carrera Panamericana, ein Autorennen über die öffentlichen Straßen von Mexiko, gedacht, gewann die Uhrenreihe seitdem viele Preise. "Carrera" bedeutet im Spanischen "Rennen". Das Rennen um die erste Smartwatch hat der Hersteller verloren. Doch sollte die Uhr vielmehr die erste Luxus-Smartwatch mit Android Wear sein - ein Gegenstück zur Apple Watch. "Unsere Uhr wird die gleichen Funktionen wie die Apple Watch besitzen", ließ Biver in einem Interview kurz vor dem Release verlauten.

"Wir sind nicht Apple"

Wie Biver in dem Interview betonte, sieht TAG Heuer in der Apple Watch keine direkte Konkurrenz für seine Smartwatch Carrera Connected – nicht zuletzt aufgrund des Preisunterschieds. Zwar gebe es auch Luxusausführungen des Apple-Wearables, der durchschnittliche Nutzer greife aber eher zur Apple Watch Sport, die bereits für unter 400 Dollar zu haben ist. Mit der Carrerea Connected hingegen ziele TAG Heuer auf eine exklusivere Käuferschicht ab. "Wir sind nicht Apple", sagte Biver. "Wir sind eine Uhrenmarke. Ich verbiete meinen Kollegen, Apple als Konkurrenten zu bezeichnen."

Tag Heuer Connected(© 2015 TAG Heuer)

1500 Euro für Watchfaces?

Was die Techwelt dann vorgesetzt bekam, war allerdings keine Innovation. Es war und ist schlicht eine weitere Smartwatch mit Android Wear. Wohlgemerkt: Eine der größten und wichtigsten Uhrenmanufakturen der Welt mit 150 Jahren Expertise und bekannt für bahnbrechende Innovationen arbeitet mit dem Pionier in Sachen Mikroprozessoren, Intel, und Google, dem Konzern hinter Android und vor allem Android Wear, zusammen. Hochfähige Ingenieure im Schweizer La Chaux-de-Fonds und im kalifornischen Silicon Valley tauschen sich über Monate aus. Und das Ergebnis ist eine 1500 Dollar teure Uhr, die abgesehen von den Tag-Heuer-Watchfaces nichts besser kann als aktuelle Android-Uhren, die schon für unter 400 Euro zu haben sind? Eine Anlehnung an die legendäre Carrera, mit Armbändern in sieben Farben?

Versteht mich nicht falsch: Mir geht es nicht darum, TAG Heuer das schöne Design streitig zu machen. Doch die Original-Carrera, Kostenpunkt über 5000 Dollar, ist nicht nur bis zu 100 Meter wasserdicht. Sie ist ein Chronograph mit skelettiertem Uhrwerk aus hunderten Bauteilen, die in unzähligen Arbeitsstunden von Hand gebaut, geprüft und zusammengesetzt wurden. Keine Massenware, die in Shenzen vom Band gefallen ist. Denn das trifft zumindest auf das Innenleben der Carrera Connected zu. Eine UVP von 1500 Dollar lassen dann auch nicht über das robuste Gehäuse rechtfertigen.

Seine Abnehmer dürfte die Uhr dennoch finden. TAG Heuer hat nicht das Ziel, Millionen Einheiten der Carrera Connected zu verkaufen: Zum Release in New York sollen rund 1000 Exemplare der Smartwatch bereitstehen. Und die dürften wohl in erster Linie an Fans der hochpreisigen Uhrenmarke gehen - und für alle, die mit einer neuen Android-Wear-Smartwatch liebäugeln, uninteressant sein.


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