Wenn der iPhone-Kopierer über das Gemecker über iPhone-Kopien meckert

Ist das Realsatire? Xiaomis Hugo Barra beschwert sich im Interview mit Bloomberg darüber, dass alle Smartphones gleich aussehen.

Okay, zuerst einmal: Hugo Barra ist ‘ne coole Sau. Im Interview mit Bloomberg kommt Xiaomis VP Global sehr lässig und kompetent rüber. Doch so lässig das Gespräch, so ernst ist das Thema: Es geht um den Diebstahl geistigen Eigentums. Genauer: Um den Vorwurf, dass Xiaomi rigoros Apples Design kopiert. Apples Designchef Jonathan Ive sprach sogar von Diebstahl.

Barra gesteht: “Ich bin der Erste, der zugeben würde, dass das Mi4 wie ein iPhone 5 aussieht.” Aber er erklärt auch: “Dieser typische Rahmen mit den speziellen Kanten findet sich mittlerweile in so vielen anderen Smartphones.” Okay, das ist kein Argument - das ist eine Ausrede. Zumal Xiaomi mit dem Mi Pad zwar ein tolles Stück Android-Technik ablieferte, wie unser Test zeigt, sich beim Design aber unverhohlen am iPad mini orientierte – selbst das Google-Betriebssystem wurde dabei per Overlay auf einen iOS-Look getrimmt.

Lange am Ruf der Copycat gearbeitet

Doch Barra macht einen guten Punkt: “Du brauchst in einem Smartphone einfach abgerundete Kanten und einen Homebutton. Ich denke nicht, dass wir einem Konzern alleine erlauben sollten, dafür einen Besitzanspruch zu haben.” Barra geht auch gleich in die Offensive: Die Kritik an Xiaomi im Speziellen sei letzten Endes vor allem einer Abneigung gegen chinesische Firmen geschuldet. “Die Menschen wollten es einfach nicht wahrhaben, dass ein Hersteller aus China wirklich Innovation betreiben kann.”

Lieber Hugo, Xiaomi hat aber auch tatsächlich mit viel Akribie daran gearbeitet, als Copycat zu gelten. Lei Jun etwa kopierte Apple-Gründer Steve Jobs, indem er bei Keynotes ein schwarzes Turtleneck trug und Jobs’ legendäres “One more thing” übernahm. “Nur ein Spaß”, meint Barra. Doch so ist das nun einmal mit den Geistern, die man rief.

Scheinheilige Konterkritik

Versteht mich nicht falsch: Ich mag Xiaomis Gerätschaften und freu mich schon auf die kommenden Smartphones des chinesischen Überfliegers. Aber wenn der einstige Apple-Kopierer sich darüber beklagt, dass sich Apple über Plagiarismus beklagt, dann ist das...ja, was ist das dann? Scheinheilig ist das.

Zweifelsohne ist Xiaomis neues Gerätedesign innovativer. Und die Tatsache, dass die Smartphones mitunter mit Highend-Leistung nur so viel kosten wie ein Mittelklasse-Smartphone hierzulande ist löblich - wenn auch Shu gut erklärte, warum China-Hersteller ihre Smartphones so günstig vertreiben können. Aber Barra in der Opferrolle? Nein, das passt nicht.

Ach, “one more thing” noch: Xiaomi selbst klagt über Nachahmer. "Was ist das größte Problem? Es gibt so viele Plagiate. Wenn es keine Fälschungen gäbe, würden sich unsere Absätze verdoppeln oder verdreifachen" – diese Worte stammen ausgerechnet aus dem Mund von Lei Jun. Das nennt man dann wohl Karma.


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