Amazon Kindle Fire: das 60-Euro-Tablet im ausführlichen Test

Gerade einmal 60 Euro kostet das neue Kindle Fire von Amazon. Wie viel Tablet es für das Geld gibt und für wen das Gerät taugt, erfahrt Ihr hier.

Wer sein Tablet zum Kampfpreis anbietet, der muss an der Hardware sparen. Deswegen kommt das Kindle Fire nicht im schicken Karton mit Schlaufe, sondern in einer Verpackung, die stark nach Stangenware aussieht. Kein Wunder: Amazon verkauft das Fire nicht nur einzeln, sondern auf Wunsch auch im Sixpack. Der Clou: Wer fünf Tablets kauft, bekommt das sechste umsonst dazu.

Im Karton steckt ein recht klobiges 7-Zoll-Tablet, das mit seinem schwarzen Plastikgehäuse keinen Designpreis gewinnen wird. Auf der Rückseite prangt das Amazon-Logo, neben dem Lautsprecher ist nur die Kamera zu sehen. Oben findet Ihr den Kopfhörer- und den Micro-USB-Anschluss, den Einschaltknopf und auch die Lautstärkewippe.

Günstig, weil wenig drinsteckt

Laut Datenblatt hat das Tablet acht Gigabyte Speicher. Die Realität: Von den tatsächlich vorhandenen 5,6 habt Ihr zum Start noch 4,4 Gigabyte frei. Nach dem Download einer Folge "Hand of God" waren es noch 3,9. Theoretisch könnt Ihr Euch also acht Folgen für unterwegs "einpacken". Braucht Ihr doch mehr Speicher, könnt Ihr per microSD-Karte ganz einfach bis zu 128 Gigabyte nachrüsten. Und für Kindle-Tablets gilt: Den Amazon-Content könnt Ihr auch auf der SD-Karte abspeichern. Prima!

Das sieben Zoll große IPS-Display löst mit 1024 x 600 Pixeln auf. Ich verrate Euch jetzt kein Geheimnis, wenn ich behaupte, dass einzelne Pixel auf dem Bildschirm zu erkennen sind. Immerhin liegt die Pixeldichte mit 171 ppi immer noch über der des großen Bruders Kindle Fire HD 10 (149 ppi). Trotzdem wirken Farben auf dem Bildschirm erwartungsgemäß etwas blass und das Bild ein wenig verwaschen. Bei dem Preis geht das aber in Ordnung. Schlecht ist der Bildschirm nicht. Nur zum dauerhaften Lesen von eBooks würde ich ihn nicht benutzen. Was mir negativ auffiel: Fingerabdrücke sind auf dem Bildschirm extrem gut sichtbar. Bevor ich das Tablet richtig benutzen kann, muss ich es jedes Mal mit einem Mikrofasertuch abwischen.

Was die restliche Ausstattung angeht, gibt sich das Tablet recht verschlossen. Auf der Übersichtsseite ist nur von einem 1,3 Gigahertz schnellem Quad-Core-Chip die Rede. Den Arbeitsspeicher gibt Amazon gar nicht an. Das finde ich aber alles gar nicht schlimm. Bei einem Tablet in der Preisklasse sollte ohnehin klar sein, dass es sich nicht sonderlich zum Zocken eignet.

Das hat mich natürlich nicht davon abgehalten, es trotzdem zu tun. Über Amazon Underground gab es "Monument Valley" gerade umsonst. Also hab ich das Spiel mal installiert. Bis auf ein wenig längere Wartezeiten zwischen den Levels konnte ich das Spiel aber ohne Probleme zocken. Andere Titel wie "Asphalt 8 - Airborne" ließen sich dagegen gar nicht installieren. Das wäre für die schwache Hardware wohl ohnehin zu viel gewesen.

Die Kameras hat Amazon wohl nur der Vollständigkeit halber verbraucht. Denn mit zwei Megapixeln hinten und 0,2 Megapixeln vorn kann man außer Videotelefonie gar nichts anfangen.

Dieser Sperrbildschirm wird präsentiert von...

Erfreulich ist, dass Amazon an der Software gearbeitet hat. Das installierte Fire OS 5 Bellini basiert auf Android 5.1 Lollipop. Statt der Carousel-Optik kommt nun ein vernünftiger Launcher zum Einsatz. Auf dessen Homescreen seht Ihr alle installierten Apps. Wischt Ihr nach rechts, bekommt Ihr Eure gekauften eBooks samt Kaufempfehlungen von Amazon angezeigt. Wischt Ihr noch einmal nach rechts, seht Ihr die Videos, die Ihr zuletzt bei Prime Instant Video angeschaut habt. Das gibt es auch noch für Spiele, Apps, Produkte aus dem Amazon-Store, Musik und Hörbücher. Beim Test erwiesen sich die verschiedenen Tabs als recht praktisch. Alles, was ich gesucht habe, habe ich so schnell gefunden.

Apropos finden: Schaut Ihr eine Serie oder einen Film auf dem Tablet und wollt wissen, welcher Schauspieler gerade in der Szene vorkommt oder welches Musikstück gerade spielt, tippt Ihr einfach auf den Bildschirm. Das X-Ray genannte Feature zeigt Euch diese Infos. Auch auf dem schwachbrüstigen Kindle Fire klappt das verzögerungsfrei - sogar offline. Ein weiteres Feature hat Amazon für später angekündigt: "On Deck" speichert für Prime Mitglieder automatisch populäre Prime-Filme, Serienepisoden und Amazon Originals auf dem Fire. Der Dienst verwendet dabei nur den verfügbaren freien Speicherplatz auf dem Tablet in einem speziellen Hintergrund-Modus. Wenn etwas Neues heruntergeladen wird, macht On Deck automatisch Platz für ausgewählte Inhalte – Anwender müssen sich nicht selbst die Mühe machen und für freien Speicherplatz sorgen.

Trotz der tollen Funktionen gilt: Wenn Ihr Euch für das Kindle Fire entscheidet, müsst Ihr Euch mit Werbung abfinden. Die gibt es im Sperrbildschirm, wo Amazon auf neue Bücher oder Serien hinweist. Auch beim App-Start kann es passieren, dass Werbung eingeblendet wird. Ihr müsst aber nicht fünf Sekunden warten bis es weitergeht oder einen ganzen Spot ansehen. Alles bleibt im erträglichen Rahmen.

Werbung im Sperrbildschirm: Auch deswegen ist das Amazon Kindle Fire so günstig.

Fazit: Günstiger geht es nicht

Bringen wir es auf den Punkt: Das Kindle Fire ist nicht hübsch. Das Kindle Fire ist nicht schnell. Das Kindle Fire ist das Tablet, das Ihr rücksichtslos in die Sporttasche schmeißen, das Ihr als Mediengerät mit in den Urlaub nehmen oder zum Surfen auf den Nachttisch legen könnt. Ihr sollt mit dem Tablet nicht arbeiten oder auf Foto-Safari gehen. Bei der Ausstattung ist das auch gar nicht möglich. Ihr sollt damit konsumieren - am besten natürlich die Inhalte von Amazon. Per Appstore könnt Ihr aber auch die Anwendungen von Netflix & Co. installieren und nutzen.

An der Ausstattung gibt es für das Geld nichts zu rütteln. Habt Ihr ein Prime-Abo und eine Speicherkarte, könnt Ihr staffelweise Serien, Musik und Hörbücher mitnehmen. Dass auch ein kleines Spielchen für zwischendurch drin ist, ist ein kleiner Bonus. Für die rund 60 Euro müsst Ihr allerdings die  Werbeeinblendungen von Amazon in Kauf nehmen. Trotzdem: Etwas Besseres als das Kindle Fire werdet Ihr für diesen Preis auf dem Tablet-Markt nicht finden.


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