Das Blackberry Priv im Test: Business as unusual

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The Keyboard is the key: Mit der Tastatur will Blackberry punkten.
The Keyboard is the key: Mit der Tastatur will Blackberry punkten.(© 2016 CURVED)

Anfang der Nuller-Jahre war Blackberry eine Macht im Smartphone-Markt. Was folgte, war ein beispielloser Absturz. Ist das Blackberry Priv nur was für Anzugträger? Der Test.

Äußerlich macht das Gerät schon einmal einen guten Eindruck. Trotz des 5,4 Zoll großen Bildschirms und der ausfahrbaren Tastatur wirkt das Priv weder klobig, noch liegt es unangenehm in der Hand. Das liegt daran, dass die gummierte schwarze Rückseite für einen guten Halt sorgt. Das Display ist, wie beim Samsung Galaxy S6 Edge, zu den Seiten gebogen. Das sieht gut aus. Wenn man möchte, könnte man das Priv als Businessmodell im edlen schwarzen Anzug bezeichnen.

Das Killerfeature und der beste Kaufgrund für Nostalgiker ist natürlich die ausfahrbare QWERTZ-Tastatur. Um an diese zu gelangen, schiebt Ihr den Bildschirm einfach nach oben. Beim Keyboard lässt Blackberry sämtliches Knowhow spielen: Um Platz zu sparen, werden Sonderzeichen auf den Bildschirm ausgelagert. Darüber hinaus dient die Tastatur auch als Trackpad. Ihr könnt also durch Android, Web-Inhalte und natürlich E-Mails navigieren. Die Tasten bieten einen guten Druckpunkt und sind dank Hintergrundbeleuchtung auch im Dunkeln gut zu finden.

Trotzdem werden geübte Schreiber auf der rein virtuellen Tastatur schneller tippen können. Zwar ist Blackberrys kontextbezogene Korrektur ganz gut, die physische Tastatur bietet aber zum Beispiel kein Swipe. Außerdem kommen Nutzer mit großen Händen sprichwörtlich schnell an die Grenzen. Im Querformat auf größeren Tasten schreiben ist nicht drin.

Sicherheitsfeatures: Safety first!

Das funktioniert nur auf dem Touchscreen. Der löst mit den für diese Geräteklasse üblichen 2560 x 1440 Bildpunkten auf. Auch die Leistung sollte des Snapdragon-808-Prozessors von Qualcomm und des drei Gigabyte großen Arbeitsspeichers stimmen. Das tut sie auch. Nur wird das Priv schon beim Zocken vermeintlich kleiner Titel, wie "Altos Adventure", ziemlich warm. Nun gut: Gamer werden auch wohl kaum zum Priv greifen.

Spiele laufen flüssig, das Smartphone wird aber beim Zocken heiß. Für Business-Nutzer sollte es aber reichen.(© 2016 CURVED)

Dazu reicht schon ein Blick auf die installierte Android-Version. Die sieht eigentlich nach Stock-Android aus, bietet tatsächlich aber jede Menge Sonderfunktionen und vorinstallierte Apps. Dazu gehört die Anwendung DTEK, die Euch Auskunft über den Sicherheitsstatus Eures Gerätes gibt. Ist der Pfeil im grünen Bereich im Anschlag, ist das Telefon laut Blackberry ausgezeichnet gesichert. Habt Ihr zum Beispiel die Entwickleroptionen aktiviert, gibt es ein rotes Kreuz. Ihr könnt dann auf den Eintrag tippen und das Problem schnell beheben.

Sicherheit soll auch der Sperrbildschirm ausstrahlen. Zehn falsche Eingaben des Pin-Codes, und das Priv löscht alle Inhalte automatisch. Besonders nützlich ist die Funktion für jene, die beruflich mit vertraulichen Informationen zu tun haben. Für den Fall, dass das Smartphone doch mal abhanden kommt, haben die Kanadier Googles Gerätemanager und eine eigene Lösung vorinstalliert.

Android aufgemotzt

Kurios ist dann aber umso mehr, dass Blackberry auf die ältere Android-Version 5.1.1 setzt. Ihr könnt also noch keinen Einfluss darauf nehmen, welche Apps auf welche Smartphone-Funktionen zugreifen. Immerhin soll ein Update auf Marshmallow folgen.

Dafür hat das Unternehmen das restliche System ordentlich aufgemöbelt. Der Task-Manager sieht aus wie die Kacheloberfläche von Windows Phone. Haltet Ihr den Android-Home-Button gedrückt, könnt Ihr nicht nur Google Now aufrufen, sondern noch zwei Eurer favorisierten Apps. Über die Seitenleiste, bei der man sich wohl von Samsung hat inspirieren lassen, habt Ihr Zugriff auf Kalender, Kontakte, Aufgaben und Mails. Ein weiteres nettes Feature ist der Blackberry Hub, der sämtliche Mails, Nachrichten und Social-Notifications in einer App bündelt.

Alles im grünen Bereich: Das Redaktionsgerät ist sicher.(© 2016 CURVED)

Dazu "spendiert" Blackberry Käufern den Blackberry Messenger (BBM), eine App zur Passwortverwaltung, eine Notizen-App, eine Anwendung zur Datenübertragung und und und. Das führt nicht nur dazu, dass manche Apps doppelt auf dem Smartphone installiert sind, weil Googles eigene Anwendungen teilweise ähnliche Features bieten - sie belegen auch Speicher. Immerhin: Das Smartphone kommt mit 32 Gigabyte Flash-Speicher und fasst microSD-Karten.

Strom bekommt das Priv von einem 3140 mAh großen Akku. Der ist fest verbaut, laut YouTuber JerryRigEverything aber einfach zu ersetzen. Zusätzlich unterstützt das Priv kabelloses Laden per Induktion. Eine Quick-Chrage-Funktuon gibt es dagegen nicht. Die Kamera nimmt Bilder mit 18 Megapixeln und Videos maximal in 4K auf. Das allerdings nur fünf Minuten lang. Längere hochauflösende Clips sind nicht drin. Immerhin sind die Fotos bei gutem Licht zwar nicht überragend, aber brauchbar.

Fazit: kein gutes Geschäft

Die Sicherheitsfunktionen des Blackberry Priv gefallen, genauso wie das toll verarbeitete Gehäuse mit dem gebogenem Display. Es könnte allerdings auch für "Privilegiert" stehen. Denn das muss man schon, um sich das 780 Euro (UVP) teure Smartphone zu leisten. Ansonsten hat der Test gezeigt: Nein, das Blackberry Priv ist nicht das Smartphone für jedermann. Es ist ein Androide für für Business-Menschen, die eine echte Tastatur nicht missen, aber auch nicht auf die Vorzüge von Android verzichten wollen. Zum Spielen taugt es nur bedingt, die Kamera ist ein netter Zusatz, haut aber nicht vom Hocker.

Wer ein Gerät mit viel Leistung und guter Kamera sucht, bekommt für das Geld ohne Probleme ein anderes Top-Smartphone. Allerdings wäre die Investition so kurz vor dem Mobile World Congress eh verschenktes Geld. Denn dort wird die neue Elite vorgestellt.


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