Meditations-App "Calm" im Test: Kann das Handy beim Entspannen helfen?

Wie funktioniert die Meditations-App Calm? Und was soll daran besser sein, als Nichtstun oder ein Buch zu lesen?
Wie funktioniert die Meditations-App Calm? Und was soll daran besser sein, als Nichtstun oder ein Buch zu lesen?(© 2018 Shutterstock/stockfour)

"Calm" ist zwar keine neue App-Erfindung, aber eine besonders hübsche und hilfreiche Anwendung gegen Stress, die seit kurzem auch viele Inhalte auf Deutsch anbietet. Darum wollen wir euch die Meditations-App pünktlich zur traditionell weniger besinnlichen Vorweihnachtszeit mal genauer vorstellen.

Wer jetzt schon nicht weiß, wie er die vielen Weihnachtsfeiern und Workout gegen Winterspeck im übervollen Terminkalender eintackten soll, sich beim Geschenke kaufen schnell gestresst fühlt oder schlecht einschläft mit dem Gedanken an den Patchwork-Wahnsinn der näher rückenden Festtage, der sollte vor allem: durchatmen. Leichter als gedacht, das weiß wohl niemand besser, als die zappelige Autorin dieser Zeilen, die quasi unter Dauerstrom steht. Tatsächlich ist die App "Calm", die, wie der Name schon verrät, für Ruhe oder auch Besonnenheit steht, der perfekte Einstieg in ein achtsameres Leben. Nicht umsonst ist sie Apples App des Jahres 2017 geworden und hat in diesem Jahr die Google-Auszeichung Editors’ Choice gewonnen.

Besser einschlafen, entspannen oder sich fokussieren mit der Calm-App

Schon beim Öffnen der App taucht man in eine andere Welt ein. Statt eines aufdringlichen Menüs offenbart die Anwendung beruhigende Stimmungsbilder: Landschaften, Wetterphänomene oder den grenzenlosen Himmel, wahlweise auch über den Wolken – das lässt sich nach Belieben einstellen. Diese Aufmachung wird akustisch vom sanften Rauschen eines Flusses und Vogelgezwitscher begleitet – wem das zu viel des Guten ist, der kann das in den Einstellungen auch abschalten. Unter dem prominent platzierten Stimmungsbild findet ihr die Menü-Buttons: Zunächst ist da die Startseite, auf der man künftig Empfehlungen vorfindet, um dranzubleiben. Daneben stehen die Punkte Schlaf, Meditation, Musik und "Mehr". Unter letzterem verbirgt sich auch das Menü: Hier solltet ihr direkt festlegen, ob ihr zusätzlich auf englischsprachige Inhalte zugreifen wollt: Dann wird die Auswahl nochmal deutlich größer und ihr findet beispielsweise saisonal passende Einschlaf-Geschichten wie "Der Nussknacker" oder aber "Der Orientexpress" oder auch "Gemalte Träume mit Bob Ross".

Weil die Auswahl so groß ist, kann man auch einfach filtern – etwa nach (nicht) fiktionalen Erzählungen, Kindergeschichten, Musik, Naturgeschichten oder eben Erzählungen in deutscher Sprache. Ähnlich sieht es in der Rubrik Musik sowie bei den Meditationsanleitungen aus, die thematisch sortiert sind: Egal ob man besser schlafen möchte, Ängste oder Stress bewältigen oder sich den Problemfeldern Beziehungen, Gefühle, Selbstliebe, persönliche Entwicklung oder Konzentration widmen möchte. Zudem gibt es besonders kurze Übungen für Einsteiger, ebenso spezielle Geschichten für Kinder, oder Anleitungen mit weniger Ansagen. Kurzum: Hier wird wirklich jeder fündig.

Weitere Features: Atmen, Übungen und Master Classes

Weitere Features der App findet ihr unter "Mehr": die Calm Masterclasses auf Englisch sind exklusive Videos von bekannten Achtsamkeitsexperten. Dazu zählen Ärzte und Psychologen, aber auch ein weltweit anerkannter Glücksexperte oder die Bestsellerautorin von "Eat, Pray, Love", Elizabeth Gilbert, die Nutzern wirklich hilfreiche Tipps und Anregungen für einen bewussteren Alltag geben.

Mit "Calm Body" erhaltet ihr Zugriff auf Videotutorials zu etwa zehnminütigen Übungseinheiten um alle Glieder zu entspannen. Als Drittes erwarten euch eine Atemanleitung: Die ist einfach wie genial und holt den Nutzer zurück ins Hier und Jetzt. Sich einfach ein paar Minuten nur aufs tiefe Ein- und Ausatmen zu konzentrieren, wirkt wirklich Wunder – aber wann fokussiert man sich schon nur aufs Atmen? Mit Calm könnt ihr Routinen erstellen – Kalender sowie Erinnerungsfunktionen unterstützen euch dabei. Keine Ausrede für Vielreisende: Sämtliche Inhalte der App könnt ihr auch downloaden.

Sieht ein bisschen aus wie Yoga und soll auch so wirken: Calm Body.(© 2018 CURVED)

Doch was nützen die entspannendsten Hörstücke, wenn das Smartphone dabei flimmert wie verrückt? Calm ist durchdacht bis ins Detail: Der Hintergrund bleibt angenehm zurückgenommen oder zeigt weiterhin schöne Stimmungsbilder. Die Stimmen sind durchweg sehr angenehm und beruhigend, es gibt sowohl männliche als auch weibliche Sprecher und sogar einige prominente, wie die Schauspieler Matthew McConaughey oder Sebastian Koch.

Fazit, Preis und Alternativen

Für jemanden, der eigentlich nicht viel übrig hat für Meditation, ist die App Calm (die ihr kostenlos für Android und iOS downloaden oder als Web-App nutzen könnt) dann doch sehr überzeugend: Sie strahlt mit ihrer hübschen Aufmachung bereits beim Öffnen Ruhe aus, ohne Kitsch oder Bevormundung. Zudem bietet sie wirklich für jede Art von Stress das richtige Relax-Programm – egal ob man esoterisch veranlagt ist, bei klassischer Musik entspannt, (Kinder-)Geschichten zum Einschlafen hört oder richtig an sich arbeiten möchte, um runterzukommen. Nachteile sind das recht überschaubare Angebot an Inhalten auf Deutsch und der Preis: Nach der Test-Woche fallen automatisch 60 US-Dollar, also umgerechnet knapp 53 Euro für ein Jahresabo an. Also denkt daran, rechtzeitig zu kündigen, wenn ihr doch kein Interesse habt. Für die Investition bekommen Nutzer dann Zugriff auf alle Inhalte, wobei regelmäßig neue dazu kommen. Eine ebenfalls beliebte Alternative zu Calm ist die englischsprachige App "Headspace": Die kostet aber mit rund 73 Euro im Jahr oder einem Zehner im Monat noch mehr und bietet gar keine deutschen Inhalte.

Auf dem deutschen Markt ist die App "7Mind" die derzeit beste App-Wahl zum Entspannen. Aber auch hier zahlt ihr rund 12 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr, wenn ihr euch länger binden wollt. Ihr könnt den Grundkurs, sieben Tage lang sieben Minuten meditieren, gratis testen.

Ihr seht: Meditations-Apps haben ihren Preis – sind das Geld aus unserer Sicht aber auch wert, weil ihr qualitative Inhalte bekommt, die ihren Zweck erfüllen. Natürlich kann man aber auch einfach mal das Gegenteil probieren, wenn man denn willensstark genug ist: Das Handy beiseite legen und mal bewusst nichts sehen, hören, denken und tun, sondern nur aaaatmen. Apps, die euch zum Handy-Detox zwingen, kennen wir auch.


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