Fitnesstracker mit Headset: Huawei TalkBand B1 im Test

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Huawei TalkBand B1
Huawei TalkBand B1(© 2014 CURVED)

Und noch ein Fitnesstracker — als ob es davon inzwischen nicht genug gäbe. Mit dem TalkBand B1, das in unseren Breiten ab sofort zu einem UVP von 129 Euro zu erstehen ist, versucht Huawei sich wenigstens aus dem Einheitsbrei der modernen Freundschaftsbändchen abzuheben: Das TalkBand ist, wie der Name andeutet, gleichzeitig auch ein Bluetooth-Headset. Ob diese clever klingende Idee im Alltag überzeugt und Huawei somit ein multifunktionales Fitness-Armband im Angebot hat, klärt unser Review.

Klingt an sich nach einem echten Mehrwert: Statt ein Fitness-Armband "nur" Schritte zählen und Schlafphasen dokumentieren zu lassen, kann es doch auch gleich als Headset für das ohnehin per Bluetooth verknüpfte Smartphone dienen — mit dem TalkBand B1, Huaweis Versuch, sich wie inzwischen jeder Hersteller, der etwas auf sich hält, im Bereich der Fitnesstracker zu etablieren, sollte genau dieser Gedanke umgesetzt werden. Leider krankt die an sich gute Idee an der mangelhaften Umsetzung.

Doch zunächst zu den Kernfeatures des Fitnesstrackers fürs Handgelenk: Wie zu erwarten "trackt" das TalkBand vorrangig Eure getanen Schritte, berechnet anhand Eurer Grundmaße wie Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht daraus zurückgelegte Distanzen und verbrannte Kalorien und dokumentiert sogar Euren Schlaf mitsamt Tiefschlaf- und Einschlafphasen. So informiert Euch das Display am Armband auf Knopfdruck oder per Schüttelbewegung des Handgelenks über die Uhrzeit, Schritte, Kalorienverbrauch und Schlafdauer.

Sehr praktisch ist im Alltag dagegen der eingebaute Vibrationsmotor, der nicht nur brummt, wenn ein Anruf auf dem per Bluetooth verbundenen Smartphone eingeht, sondern auf diesem Weg auch dann warnt, wenn das TalkBand die Verbindung verliert — also etwa, weil Ihr aufgestanden seid und das Smartphone habt liegen lassen. Oder natürlich, wenn der Akku des Trackers zur Neige geht. Das tut er aber glücklicherweise nicht oft, denn mit einer Ladung kommt das TalkBand B1 locker über etwa vier bis fünf Tage Dauernutzung. Und wenn dann doch mal Sense sein sollte, lässt sich das USB-bewehrte Armband einfach in einen beliebigen USB-Port innerhalb circa einer Stunde voll aufladen.

Was der Nutzer mit diesen Informationen, die in der zugehörigen TalkBand-App noch viel hübscher und komplexer aufbereit werden, anfängt und ob sie — und damit verbunden ein Fitnesstracker per se — überhaupt dauerhaft einen Mehrwert bieten können, ist ein Frage, die sich jeder Nutzer natürlich vor dem Kauf eines solchen, mit 130 Euro nicht gerade günstigen Gadgets selbst stellen muss. Mir jedenfalls waren im Testzeitraum zumindest die Erkenntnisse über meinen Schlafrhythmus nach zwei Nächten nicht mehr das Minus an Komfort wert, das das TalkBand ob seiner recht starren und sperrigen Form gerade beim Schlafen bedeutet. Dass mich das Armband über einen in der App integrierten Timer per Vibration auch in einer Phase des leichten Schlafes wecken kann, wiegt diesen Nachteil nicht unbedingt auf.

Bluetooth-Headset: Nett gedacht, denkbar schlecht umgesetzt

Nutzt Ihr natürlich die Telefoniefunktion des TalkBand, hält auch der Akku merklich kürzer; diesbezüglich können wir aber grundsätzlich Entwarnung geben:  So schlecht wie es technisch und mechanisch umgesetzt ist, gibt es schlicht keinen Grund das auf dem Papier innovative Feature zu nutzen. Lässt sich die In-Ear-Einheit noch recht intuitiv und flüssig aus dem Armband lösen (und wieder einstecken, was mit einem wohligen Vibrieren quittiert wird), beginnt der Ärger spätestens beim "Einstecken" ins Ohr — das seltsam geformte Ohrstück aus weichem Gummi passt und hält einfach nicht in der Ohrmuschel und fühlt sich, habt Ihr es irgendwie mit Gewalt in den Gehörgang gequetscht, Fehl am Platz und unnatürlich an. Gleiches gilt für die Sprachqualität: Verstand ich meine Gesprächspartner in verschiedenen Testanrufen noch einigermaßen akzeptabel, klagten die wiederum durch dir Bank über eine stotternde und verzögerte Übertragung meiner Stimme.

Fortan blieb das Freisprechmodul also während des Testzeitraums im Armband — das seinerseits einen mittelschweren Designmangel aufweist: Bei schmaleren Handgelenken, bleiben der innere Teil des Armbandes und das oben aufliegende Stück mit dem Verschluss immer leicht verschoben — was zum einen doof aussieht, sich zum anderen aber auch komisch anfühlt. Tatsächlich ist die Display/Freisprecheinheit einfach etwas zu lang geraten, so dass das TalkBand oben auf zu großer Strecke starr und unanschmiegsam bleibt.

Fazit: Selbst gestecktes Ziel verfehlt

Was bleibt, ist dann doch wieder nur einer von vielen Fitnesstrackern. Denn der von Huawei selbst postulierte Mehrwert der komfortablen Freisprech-Telefonie, entpuppt sich von der ersten Benutzung an als Rohrkrepierer — die gute Idee funktioniert einfach mechanisch, technisch und damit auch konzeptionell nicht. Ob dem geneigten Käufer dann also lediglich eines von vielen Fitnessarmbändern mit innovativem Ladestecker und guter App die rund 120 Euro Straßenpreis wert ist? Wir empfehlen bei Bedarf vielleicht besser über den Kauf jeweils ein bequemes Fitnessarmband und ein funktionierendes Bluetooth-Headset nachzudenken; das kommt preislich unter Umständen sogar günstiger ...


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