Honor 10 Lite im Test: Der nächste Preisleistungs-Kracher?

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90 Prozent Display, Kamera in tropfenförmiger Ausspaarung: Das Honor 10 Lite
90 Prozent Display, Kamera in tropfenförmiger Ausspaarung: Das Honor 10 Lite(© 2018 CURVED)

Honor, chinesischer Spezialist für günstige Smartphones mit guter Ausstattung, bringt zum 15. Januar 2019 das Honor 10 Lite auf den Markt.  Die kompakte Ausgabe des Flaggschiffs setzt vor allem auf die mit Features gespickte Selfie-Kamera und auf künstliche Intelligenz. Wir haben alles getestet.

Elegantes Design und solide Hardware machen die abgespeckte Version des Honor 10 zu einer attraktiven Option für alle, die beim Smartphone immer auch den Preis im Auge behalten. Auch wenn Honor sich hier noch nicht so ganz in die Karten schauen lässt: Klar ist, dass für das 10 Lite weniger als die rund 330 Euro aufgerufen werden, die man aktuell für das Honor 10 berappen muss.

Schickes Design,  großes Display

Das vom Honor 10 bekannte Design hat man hier leicht variiert: Eine abgerundete Glasrückseite, dazu ein nahezu randloses Display mit einem Bildschirm, der satte 90 Prozent der Front ausfüllt, bei einem Seitenverhältnis von 19,5:9. Mit seinem 6,21-Zoll HD-Bildschirm ist es zudem etwas größer und löst mit 2340 x 1080 Bildpunkten auf. Die Einkerbung für die Kamera am oberen Rand ist im Vergleich zum Honor 10 geschrumpft, Honor nennt sie "tropfenförmig" (Dewdrop-Notch). Das Kunststoffgehäuse glänzt schick und ist in drei Farben erhältlich: Himmelblau, Saphirblau und Schwarz.

Ebenso wie beim Honor 10 bekommt man eine 24 Megapixel-Kamera, vollgestopft mit AI-Funktionen. Auf der Rückseite finden wir eine Dual-Kamera mit einmal 13 und einmal 2 Megapixel –  mit 16 und 24 Megapixel bietet das Honor 10  hier eindeutig mehr.

Abstriche beim Prozessor

Beim Prozessor bekommt man den Kirin 710, der auch im Honor 8X verbaut ist, statt des Kirin 970 des großen Bruders Honor 10. Dazu gibt es 64 Gigabyte (GB) Speicher, der auf 512 GB erweitert werden kann, 3 GB RAM sorgen für flotte Verarbeitungsgeschwindigkeit, die nicht nur für die alltäglichen Anwendungen wie Messenger, Mail oder auch YouTube-Videos ausreicht, in unserem Test lief lief mit "PUBG Mobile" sogar eines der leistungshungrigsten Spiele auf dem Smartphone. Die neueste FIFA-Version hingegen ließ sich auf dem System nicht installieren. Der Akku hat eine Kapazität von 3.320 mAh und hat in unserer Testwoche locker für einen Tag gereicht, je nach Nutzung  reicht es auch noch für den kompletten zweiten Tag.

Als Betriebssystem kommt bereits ab Werk Android Pie zum Einsatz, das lästige Warten auf das Update entfällt also. Honors Android-Oberfläche EMUI 9.0 wurde weiter optimiert und soll so für einen Leistungsschub sorgen, der die Startzeiten der Apps um 12,9 Prozent verkürzt.

Schlaue Linse mit künstlicher Intelligenz

Wie sehr Honor sich bei diesem Modell auf die Frontkamera konzentriert, sieht man zum Beispiel an den üppigen 24 Megapixel, mit denen die Selfie-Knipse ausgestattet ist. Im Gegensatz dazu ist die Kamera auf der Rückseite mit 13 Megapixeln eher schwach ausgestattet. Im Vergleich von Honor 10, 10 Lite und 8x hat das 10 Lite die schwächste rückseitige Kamera.

Honor setzt beim 10 Lite zur Bildoptimierung auf künstliche Intelligenz: Die Frontkamera erkennt acht unterschiedliche Szenarien, die sie in Echtzeit optimieren kann. Unterstützt durch eine Gesichtserkennung und Beauty-Funktionen verschönert die Kamerasoftware vor allem Portraits. Ebenso stellt sie auch  den Hintergrund automatisch unscharf, wodurch der beliebte Bokeh-Effekt entsteht. Insgesamt ist sie in der Lage, über 500 Szenen in 22 Kategorien zu erkennen und automatisch mit den vorprogrammierten Einstellungen zu optimieren.

Vorsicht im simulierten Fotostudio

Die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen: Die Farben wirken knackig und lebendig. Selbst den an einem äußerst trüben, verregneten Tag aufgenommenen Graffitis sieht man das häßliche Wetter nicht an. Tageslichtaufnahmen sind für das 10 Lite also kein Problem. Auch bei der Betrachtung am Computer wirken die Bilder immer noch okay. Auch soll die schlaue Doppellinse dank künstlicher Intelligenz vor allem Nachtaufnahmen auf ein höheres Niveau bringen, indem sie die Schnappschüsse intelligent stabilisiert. Das klappte in unserem Test recht gut: Auch aus eher spärlich beleuchteten Objekten zaubert das Honor 10 Lite  noch ein Postkartenmotiv. Bei den Details muss man allerdings einige Abstriche machen.

Außerdem hat das Honor 10 Lite eine 3D-Portraitbeleuchtung mit fünf verschiedenen Lichteffekten an Bord, die jedes Selfie zu einem Hochglanz-Coverbild machen soll, indem sie de Beleuchtung eines Fotostudios simuliert. Wie so oft, wenn die Software Bilder nachträglich stark verändert, ist das Ergebnis mit Vorsicht zu genießen. Bei kaltem, weißen Licht wird auch aus dem fahlen Redakteur kein sonnengegerbter Sunnyboy. Im Modus "Bühnenbeleuchtung", in dem das Portrait wie in einem Lichtkegel erschient, schneidet die Software das Konterfei aus und setzt es vor einen schwarzen Hintergrund. Dass das nicht immer hundertprozentig genau funktioniert, versteht sich beinahe von selbst.

Was gibt es sonst noch? Einen Fingerabdruck-Scanner unter der Kamera beispielsweise. Und Videos lassen sich in Full HD drehen – für den gelegentlichen Dreh daheim ist das völlig ausreichend und sieht auch auf dem heimischen Fernseher gut aus. Zwar ist auch eine Bildstabilisierung an Bord, aber besser ist es man, hält von Vornherein die Kamera ruhig. Das Honor 10 Lite verzichtet auf einen USB-C-Anschluss, hier wird weiterhin mit Micro-USB geladen, dafür gönnt  man sich aber noch die kleine Klinkenbuchse, um den Kopfhörer anzuschließen, die man bei vielen Modellen mittlerweile vermisst - ihr müsst Euch also nicht extra auf Bluetooth Ohrstöpsel aufrüsten. Außerdem fehlen Gigabit-LTE, NFC, Infrarot und ein Schnelllademechanismus.

Fazit: Ausgefeilte Features für Selfie-Fans

Das Honor 10 Lite bringt eigentlich alles mit, was ein Mittelklasse-Smartphone braucht, vielleicht sogar ein bisschen mehr, denn immerhin liefen neben den üblichen Apps wie YouTube oder WhatsApp sogar ressourcenhungrige Spiele wie "PUBG Mobile". Da Honor sich hier auf die Selfie-Funktion konzentriert, muss man bei der rückseitigen Kamera einige Abstriche machen, uns erwartet aber immer noch ein gutes Mittelklasse-Smartphone mit einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer weniger wert legt auf ausgefeilte Selfie-Features bekommt beim Honor 8X eine bessere Hauptkamera zum gleichen Preis, denn der liegt wie beim  Honor 10 Lite bei 249 Euro.


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