Kindle Oasis im Test: Mehr eBook-Reader geht nicht

Der neue Kindle Oasis
Der neue Kindle Oasis(© 2017 CURVED)

Einer geht noch: Nach diesem Motto scheint Amazon die Entwicklung seiner beliebten Kindle-Produktreihe jedes Jahr auf die Spitze zu treiben. Der neue eBook-Reader Kindle Oasis ist nahezu in allen Belangen perfekt. 

Im Gegensatz zu Tablets, mit denen man durchs Netz surft und Filme schaut, waren bzw. sind eBook-Reader für mich umso mehr Gebrauchsgegenstände. Das heißt: Das Display muss nicht soooo brillant sein. Schließlich soll das Ding mir nur Buchstaben auf weißem Hintergrund anzeigen. Insofern blieb in den vergangenen Jahren der Wow-Effekt auch meist aus. Nicht so beim Kindle Oasis.

Edles Design und gutes Display

Das Gerät ist derart edel gemacht, das mir beim Auspacken schon ein kleines "Hui" über die Lippen ging: hochwertiges Alu-Finish, sehr flaches Design und beim ersten Anschalten ein größeres Display (sieben statt sechs Zoll) mit einer Pixeldichte von 300 ppi, die ein gestochen scharfes Schriftbild erzeugt. Vor allem passen so mehr Wörter ohne Qualitätseinbußen auf eine Buchseite. Heller wirkt der Bildschirm auch. Die Bildschirmhelligkeit passt sich auf Wunsch über Sensoren dynamisch an und regelt im Freien hoch bzw. in dunklen Räumen herunter. Praktisch: Im Gegensatz zum Kindle Paperwhite lässt sich die Beleuchtung auch komplett deaktivieren.

Weil der neue Kindle Oasis auch größer ausfällt, entfällt der Zusatzakku, den Amazon beim Vorgängermodell noch in einer extra Hülle unterbringen musste. So ist das Gerät zu knapp zwei Drittel nur 3,4 Millimeter dünn, aber wächst auf einer Gehäuseseite auf 8,3 Millimeter an. In diesem Bereich sind ein Großteil der Elektronik sowie der nun größere, leistungfähigere Akku untergebracht. Damit lassen sich die Bücher nun auch ohne zusätzlich Batterie über mehrere Wochen lesen, ohne dass der Reader an die Steckdose muss.

Die gleichmäßige Hintergrundbeleuchtung sorgt zudem für gute Kontraste, auch beim Lesen im Freien. Mir lag und liegt das Blättern durch die Buchseiten eher per Touch, allerdings hat der Oasis auch zwei dezente Buttons auf der Vorderseite verbaut. Da diese aber relativ kleingehalten sind, kann man sie auch getrost ignorieren. Ganz im Gegensatz zum Powerbutton auf der Oberseite.

Neue Hörbuch-Funktion

Der Kindle Oasis lässt euch aber nicht nur Bücher lesen, sondern liest sie euch auch vor. Zum ersten Mal hat ein Kindle Bluetooth an Bord. Darüber lässt sich der eReader mit Kopfhörern oder Lautsprechern verbinden und spielt darauf Hörbücher ab. Sie werden auf dem acht bzw. 32 GB großen Speicher hinterlegt.  Allerdings nur von Audible, dem Hörbuch-Partner von Amazon. Über einen eigenen Lautsprecher verfügt der eReader nicht. Ganz praktisch: Ist eine Hörbuch-Version eines eBooks verfügbar, kann man nahtlos zwischen dem Text und dem Hörbuch hin- und herwechseln.

Jetzt auch wasserfest

Der Oasis ist nicht der erste eBook-Reader, aber der erste Kindle, der wasserfest ist. Bis zu 60 Minuten in zwei Metern Wassertiefe soll er aushalten können, ohne Schaden zu nehmen. Freilich soll man damit nicht unter Wasser lesen, aber vor allem keine Panik mehr schieben, wenn man das Lieblings-eBook mit in die Badewanne nehmen will. Im Test bestätigte sich: Wasser kann dem Gadget nichts anhaben.

Zubehör: Jetzt geht's auch ohne Hülle

Dieses Mal optional und nicht im Lieferumfang enthalten ist eine Hülle aus Textil, die magnetisch am Gehäuse haftet. Sie beschützt die Vorderseite vor Kratzern und lässt sich umgeklappt so abknicken, dass man den Reader auch auf einem Tisch abstellen kann. Abgesehen davon liefert Amazon beim Kindle nur ein USB-Kabel mit. Für eine Akkuladung an der Steckdose braucht es also noch einen passenden Adapter.

Fazit

Der Kindle Oasis ist in drei Varianten verfügbar: mit acht Gigabyte (GB) und WLAN-Unterstützung, mit 32 GB und WLAN-Unterstützung sowie mit 32 GB und WLAN- sowie 3G-Unterstützung. Während sich das letzte Modell am ehesten für Pendler eignet, aber auch mit 320 Euro zu Buche schlägt, ruft Amazon für seinen "Einsteiger"-Oasis 230 Euro auf. Das Zwischenmodell kostet 260 Euro. Dafür bekommt man einen eReader mit gestochen scharfem Display sowie sehr guter Akkulaufzeit, der nun auch badewannentauglich ist. Die integrierte Hörbuch-Funktion scheitert für mich am fehlenden Lautsprecher. Da ist der Einsatz am Smartphone praktischer.

Abgesehen von diesem verzeihbaren Manko ist der neue Kindle Oasis die gelungene Weiterentwicklung – und absolutes Highend. Das Problem: Den Kindle Paperwhite bietet Amazon dieser Tage für knapp 100 Euro an. Er verfügt zwar nicht über physische Blättertasten, kann keine Hörbücher wiedergeben und ist nicht wasserfest. Allerdings verfügt auch er über eine Hintergrundbeleuchtung  – wenn auch nicht so brillant – und hält mehrere Wochen durch. Vor allem ist er nicht mal halb so teuer wie der Oasis. Der lohnt sich vor allem all jene Technik-Verrückten, die immer das Neueste vom Neuen haben wollen.

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