Marshall Monitor Bluetooth im Test: ein teurer Allrounder

Marshall Monitor Bluetooth
Marshall Monitor Bluetooth(© 2017 CURVED)

Nach "Major II" und "Mid" schickt sich der "Monitor" an, Marshalls neue Referenz beim portablen Hörgenuss zu werden. Zumindest suggeriert das der Preis. Mit jedem neuen Bluetooth-Kopfhörer stieg dieser sukzessive um 50 Euro an. Für die Bluethooth-Variante des jüngst erschienenen Monitor bezahlt Ihr 250 Euro. Klingt er so gut? Der Test.

Optisch setzt Marshall auch beim Monitor auf ihren unverwechselbaren Stil aus schwarzen Vinyl und weißem Brand-Schriftzug in gummierter Prägung. Im Gegensatz zum Mid sind die Ohrmuscheln allerdings noch runder ausgefallen und insgesamt größer. Sie liegen somit nicht mehr auf dem Ohr, sondern über dem Ohr. Sie umschließen das Ohr also komplett; der Monitor ist somit Marshalls erster Over-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth-Anbindung. Optisch überzeugt das Gadget mit viel Liebe zum Detail: Die Polster sind handvernäht, kleine verschraubte Tafeln zeigen an, wie herum man den Kopfhörer aufsetzen soll. Aber überzeugt er auch akustisch?

aptx – für alle, die es haben

Zudem unterstützt der Monitor Qualcomms verlustfreies Kompressionsverfahren aptx. Das nützt Euch allerdings nur dann etwas, wenn auch Euer Wiedergabegerät die Technologie ebenfalls verbaut hat. Ansonsten bleibt es beim klangvollem Werbe-Effekt.

Marshall gibt die Akkulaufzeit des Monitor bei mittlerer Lautstärke mit plusminus 30 Stunden an. Wir haben den Kopfhörer zwar nicht am Stück über diesen Zeitraum getragen. Allerdings mussten wir ihn bislang nicht ein einziges Mal aufladen, seit er vor gut einer Woche in der Redaktion landete – und er war täglich im Einsatz. Ich benutze ihn seitdem quasi permanent, weil er gerade in Innenräumen gut die Akustik filtert. Smalltalk am Nebentisch bekomme ich genauso wenig mit wie Tastaturklappern oder Tims Geschrei nebenan im Kindergarten, der Anton geschubst hat und jetzt lautstark weint, weil er von alledem nichts gewusst haben will. Will ich eben auch nicht. Und dank der eng anliegenden und abschirmenden Polster muss ich das auch nicht.

Erste Reihe im Akustik-Konzert

Draußen überzeugt mich die “superior noise isolation” hingegen weniger. Vielleicht liegt es am Hamburger Wetter, aber der Wind pustet mir eindeutig zu stark in die Over-Ears. Dadurch entsteht ein sehr unangenehmes Rauschen. Mehr Volumen macht das nur bedingt besser, weil dann auch der Umgebungslärm in den Hintergrund gerät – im Straßenverkehr keine gute Idee. Active Noise Cancellation (ANC) bietet der Monitor nicht, möglicherweise weil diesem die Akku-Ausdauer zu lasten fallen würde – was mir besser gefallen hätte.

In seinem Test des Marshall Mid lobte Felix vor allem die Ausgewogenheit des Klangbilds, das Höhen gleichermaßen berücksichtigt wie tiefe Töne, ohne die Mitten dazwischen zu erdrücken. Einen ähnlichen Eindruck kann ich dem Monitor nach intensivem Testhören attestieren. Allerdings hätte ich mir noch etwas mehr Druck in den niedrigen Frequenzen gewünscht. Wenn der Bass nahezu für sich alleine steht, drückt er sauber in den Gehörgang, geht mir aber im Zusammenspiel manchmal zu stark unter.

Im Laufe der Tage habe ich mich durch eine Vielzahl an Genres gestreamt. Von Unplugged-Mitschnitten über Hörspiele zu Podcasts. Überzeugt hat mich der Monitor dabei vor allem bei eher rockiger Musik, in der Gitarren eine tragende Rolle spielen und der Gesang nicht allzu hoch ausschlägt. In der Akustik-Version von "Come As You Are" von Nirvana habe ich mich gefühlt, als würde ich in der ersten Reihe bei dem Unplugged-Konzert sitzen. Ein nicht ganz so intensives Hörerlebnis lieferten zum Beispiel "Ahnma" von den Beginnern oder "A Milli" von Lil Wayne. Dennoch hatte ich auch bei eher basslastigem Rap durchaus meine Freude mit dem Monitor.

Noch ein Wort zum Design: Das Over-Ear-Konzept ist sicher nicht für jeden geeignet. Der Bügel sitzt sehr stramm am Kopf, das sichert zwar den Halt der Ohrmuscheln, erzeugt aber auch Druck auf den Ohren. Gerade die Brillenträger in unser Redaktion haben über Schmerzen bei längerem Tragen geklagt. Außerdem fangen die Ohren durch die eng anliegenden Polster nach einiger Zeit an zu schwitzen. Gleiches gilt für den Nacken, falls der Kopfhörer längere Zeit am Hals ruht.

Fazit

Der Marshall Monitor punktet bei mir vor allem durch sein Design und sein vielseitiges Klangspektrum. Prinzipiell wird der Allrounder mit jedem Genre fertig, sticht andererseits aber bei keinem besonders heraus. Darüber hinaus hätte der Monitor meinem Hörempfinden nach mehr Bass und Noise Active Cancellation vertragen. Da sich der Monitor bei Bedarf auch per Klinke verbinden lässt, hätte ich das Minus an Akkulaufzeit zugunsten der NAC verschmerzt. So muss ich gerade an windigen Tagen mit Rauschen in den Ohren leben.

Zu guter Letzt hätte Marshall den Multifunktionsknopf am Headset überarbeiten sollen. Der reagiert mir viel zu empfindlich bzw. teilweise gar nicht. An unserem Testgerät ließ sich die Lautstärke über den Knopf nicht regeln, stattdessen habe ich viel zu oft ungewollt den nächsten Song angewählt oder den laufenden von vorne abgespielt. 50 Euro Aufpreis gegenüber dem Marshall Mid sind schon eine echte Herausforderung, zumal ich im Test in erster Linie optische Unterschiede ausmachen konnte.  Wer sich aufgrund des Designs dann aber doch für den Marshall Monitor entscheidet, tut dies eben auch des Namens wegen – und der kostet nunmal extra.


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