Microsoft Lumia 650 im Test: das Hosentaschen-Büro für Einsteiger

Mit dem Lumia 650 hat Microsoft im Visier. Ob das Smartphone auch für den normalen Alltag taugt, zeigt der Test.

Während Windows 10 sich auf den Computern von Erfolg zu Erfolg springt, bereitet Windows 10 Mobile Microsoft im Smartphone-Bereich immer noch große Sorgen. Im letzten Quartal 2015 konnte das Redmonder Unternehmen gerade einmal 4,5 Millionen Geräte verkaufen. Im Vergleich zu Apple, das im gleichen Zeitraum 48 Millionen iPhones an den Mann brachte, ist das eine ziemlich kleine Zahl. Die Verkaufszahlen sollen und müssen vorerst günstige Lumia-Smartphones wie das Lumia 650, das 230 Euro kostet, ankurbeln.

Viel Plastik und etwas Aluminium

Was zuerst auffällt: Das Lumia 650 ist leicht. Sehr leicht. Gerade einmal 122 Gramm bringt das Smartphone auf die Waage. Das schaffen nicht viele Geräte mit fünf Zoll großem Bildschirm. Die Optik ist typisch Lumia: Vorne Plastik, hinten Plastik. Dazwischen findet Ihr erstmals bei einem Lumia-Smartphone einen Metallrahmen. Der vermittelt Stabilität und lässt das Gerät wertiger wirken – auch wenn Microsoft sich bei den Übergängen am Micro-USB-Port und Kopfhöreranschluss etwas mehr Mühe hätte geben dürfen!

Einen kleinen Hingucker gibt es auf der Rückseite: In die Plastikabdeckung ist das Windows-Logo aus Aluminium eingelassen. Ich kann mir nicht helfen, aber dieser minimalistische Look ohne Schriftzüge gefällt mir persönlich ganz gut. Über dem Logo ragt die Kamera aus dem Gehäuse heraus. Das erinnert an das Nexus 5X, die Wölbung ist allerdings nicht ganz so extrem wie beim Google-Phone.

Um die Nano-SIM-Karte einzulegen, müsst Ihr die Rückenabdeckung vom Smartphone lösen und den Akku herausnehmen. Da werden Erinnerungen an alte Nokia-Zeiten wach. Dafür gibt es zwei Pluspunkte: einen fürs nostalgische Gefühl und einen für den wechselbaren Akku. Der ist mit 2000 mAh nicht sonderlich groß und ausdauernd. Zwar schont das System die Ressourcen und es gibt einen Stromsparmodus, trotzdem müsst Ihr spätestens abends wieder an die Steckdose.

Das Microsoft Lumia 650 hat einen schlichten aber schönen Rücken.(© 2016 CURVED)

Einsteiger-Prozessor mit wenig Power

Beim Display setzt Microsoft auf einen OLED-Bildschirm. Das bedeutet, dass sich einzelne Pixel direkt ansteuern lassen, während andere ausgeschaltet bleiben. So kann das Lumia 650 wie die Galaxy-S7-Modelle und das LG G5 dauerhaft Informationen anzeigen, ohne den Akku allzusehr zu belasten. Wer das nicht mag, kann die Funktion in den Einstellungen abschalten. Der Bildschirm an sich gehört erwartungsgemäß nicht zur Spitzenklasse. Er löst nur mit 1280 x 720 Pixeln auf, zeigt also 297 Bildpunkte pro Zoll, ist dafür aber schön hell.

Im Inneren taktet ein Qualcomm Snapdragon 212. Dessen vier Kerne schaffen jeweils maximal 1,3 Gigahertz. Dazu gibt’s ein Gigabyte Arbeitsspeicher. Der 16 Gigabyte große Speicher ist per microSD-Karte um bis zu 200 Gigabyte erweiterbar. Kurz gesagt: High-End sieht anders aus. Das darf man aber für 229 Euro auch nicht erwarten. Kleinere Spiele wie den Endless-Runner “Temple Run 2” könnt ich Ihr darauf ohne Probleme zocken. Für größere Titel mit allen Details reicht es aber nicht. Hier geht’s dann schnell in Richtung Pixelbrei.

Wenn man auf die Spielerei verzichten kann, geht die Bedienung flott von der Hand. Alle vorinstallierten Apps brauchen beim ersten Starten zwar eine kurze Anlaufzeit, laufen dann aber wie geschmiert. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, regelmäßig PowerPoint-Präsentationen auf dem Smartphone zu erstellen, für Schüler oder Businessmenschen ist die mobile Variante aber bestimmt eine gute Möglichkeit, einen Vortrag noch einmal durchzugehen und Tippfehler zu korrigieren. Die Apps sind allerdings auch kostenlos für Android und iOS verfügbar.

Software mit begrenzten Möglichkeiten

Heavy-Social-Media-User und Early-Adopter mit kleinem Budget lassen lieber die Finger von Windows 10 Mobile. Zwar ist der alte Hase Facebook vorinstalliert und Twitter im Store erhältlich. Dann hört es aber auch schon auf. Eine offizielle Instagram-Version gibt es aktuell nur als Beta, Snapchat oder Periscope gar nicht.

Facebook und viel Microsoft: Aktuelle Apps wie Snapchat gibt es nicht für Windows 10.(© 2016 CURVED)

Das ist schade, denn immerhin hat Microsoft die Frontkamera im Vergleich zum Vorgänger Lumia 640 deutlich verbessert. Statt mit zwei knipst Ihr Selfies jetzt mit fünf Megapixeln. Bemängeln kann man an der Kamera, dass Selbstportraits bei Kunstlicht manchmal etwas unscharf aussehen.

Auch die Acht-Megapixel-Kamera hat ihre Probleme bei nicht optimalen Lichtverhältnissen. Die führen schnell zu verrauschten Ergebnissen. Stimmt das Licht, reicht es zumindest für Schnappschüsse. Auf eine Foto-Safari würde ich das Lumia 650 aber nicht mitnehmen. Dafür mangelt es der Knipse an Detailgenauigkeit. Außerdem sind die Farben für meinen Geschmack etwas zu blass.

Fazit: für Arbeitstiere und Einsteiger

Ob das Lumia den Alltagstest übersteht, kommt letztendlich aufs Anforderungsprofil an. Ihr könnt mit dem Smartphone surfen, Fotos knipsen, ältere Spiele spielen und Facebook nutzen. Auf allzu viele neue Anwendungen im Windows Store solltet Ihr lieber nicht warten. Wenn Ihr damit zurechtkommt und idealerweise einen Windows-10-PC nebst Microsoft-Apps benutzt, kommt das Lumia 650 definitiv für Euch in Frage.

Aber: Seid Ihr nicht auf Windows 10 eingeschossen, greift lieber zum Honor 5X. Das bietet zum gleichen Preis deutlich mehr Technik und ein schickes Aluminiumgehäuse.


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