Headset Moto Hint im Test: Der coole Knopf im Ohr

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Moto Hint
Moto Hint(© 2015 CURVED)

Bluetooth-Headsets haben einen schlechten Ruf: Sie sind uncoole Relikte der Jahrtausendwende, die ihre Nutzer meist wie Möchtegern-Broker aussehen ließen und dabei noch furchtbar unbequem waren. Das soll sich mit Motorolas neuem Moto Hint ändern: Subtil und gleichzeitig stylisch soll der Knopf im Ohr sein und funktional überzeugen. Wir haben das 130 Euro teure Headset getestet und verraten Euch, ob so die Zukunft des Freisprechens aussieht.

Als ich parallel zur Vorstellung der neuen Moto X- und Moto G-Smartphones im September 2014 vom Moto Hint hörte, war ich angetan vom Konzept eines so dezenten Headsets. Anfang dieses Jahres nun ist der kleine Knopf im Ohr auch hierzulande erhältlich und bei uns in der Redaktion als Testgerät eingetroffen. Kann Hint meine Erwartungen, die ich im ersten Hands-On-Video noch hatte, erfüllen?

Auf den ersten Blick und nach den ersten Stunden in Benutzung, ja. Aber nicht so sehr im erwarteten Sinne: Hint, das heißt direkt übersetzt Hinweis, kann im Englischen aber auch als "Anspielung" oder besser noch "Spur" — also ganz wenig von etwas, beispielsweise eines Geschmacks oder Geruchs — verstanden werden. Moto Hint soll also die Spur eines Headsets sein, versteckt, unauffällig, kaum spürbar.

Optik und Tragekomfort: Nicht ganz so dezent

Das ist es leider nicht: Es ist zwar im Ohr nicht so präsent wie Uhuras Kommunikator aus Star Trek, aber eben doch sofort sichtbar und wirkt gerade ob seiner untechnischen Anmutung wie ein zu groß geratenes Stück Modeschmuck.

Beim Blick in den Spiegel jedenfalls wirkte mein Ebenbild auf mich zuweilen so, als hätte ich diese Riesenohrlöcher ... aber für sich betrachtet sieht das Moto Hint tatsächlich sehr schick aus — wenn auch etwas mehr, als es sich anfühlt. Der graue Stoff und der metallisch anmutenden Rahmen machen schon mehr her als so ein langweiliges Plastikteil mit Mikrofonbügel.

Akustisch gut ist, dass das Hint Umgebungsgeräusche nicht aussperrt, sondern durchlässt, sodass Ihr Euch beim Tragen des Stöpsels nicht etwa einseitig taub vorkommt. Dazu gibt es im komplett sprachgesteuerten Menü auch einen (de-)aktivierbaren Eintrag, allerdings konnte ich keinen Unterschied zwischen ein- und ausgeschaltetem Zustand feststellen.

In Sachen Tragekomfort ist das Hint nicht übermäßig subtil, denn ich bin mir zeitweise sehr wohl des großen Stöpsels im Gehörgang bewusst, teils ein bisschen unangenehm. Auf der anderen Seite sitzt das Hint eben nicht so bombenfest im Ohr, dass ich beim Spaziergang oder gar noch beim zügigen Schreiten durch Bahnhof oder Einkaufszentrum ganz sicher wäre: Ständig treibt mich die Angst um, das Teil könnte mir aus dem Ohr fallen und verloren oder kaputt gehen.

Da das aber im Testzeitraum nichts geschehen ist, gebe ich zu, dass es sich dabei weniger um ein ergonomisches, denn ein psychologisches Problem handelt; dennoch dürfte es Käufern des 130-Euro-Stöpsels zumindest in der Eingewöhnungsphase ebenso gehen und ihre Hand daher sehr häufig zum Ohr tasten.

Funktionalität: (leise) Stimme im Ohr

Funktional überzeugt das Hint grundsätzlich, auch wenn es hinsichtlich des Auslösens von Sprachbefehlen auf dem Nexus 5 mit Android Lollipop hakt; selbst mit einem gekoppelten iPhone 6 aber ließ sich per Druck auf das Ohrteil Siri aktivieren und anschließend befragen, die gesprochenen Ergebnisse gibt's dann direkt ins Ohr.

Auch mit anderen Android-Smartphones klappten gesprochene Ansagen zum Teil, allerdings nicht immer mit Google Now, sondern unter Umständen nur mit systemeigenen Befehlssätzen. Besitzt Ihr also nicht gerade eine Moto X, dann richtet Euch lieber darauf ein, das Hint in erster Linie wirklich nur als coole Freisprecheinrichtung zu nutzen.

Denn auch wenn es möglich ist, Musik vom Smartphone in Mono aufs Ohr zu spielen, ist das Hint schlicht zu leise, um davon viel mitzubekommen, sobald die Kulisse lauter wird. Leider gilt das auch für Telefonate: Ich habe in Testgesprächen in belebtem Umfeld oder an Straßen große Probleme gehabt, meinen Gesprächspartner zu verstehen, wenn der dazu nicht extra seine Stimme erhoben hat (bei voll aufgedrehter Bluetooth-Lautstärke auf dem Smartphone).

Auf der anderen Seite der Leitung allerdings wurde ich gut verstanden, und das sogar ohne Windgeräusche. Dennoch: Ist das Hint unterm Strich etwa nur eine Freisprecheinrichtung für geschlossene Räume, stille Wälder und Wiesen? Nach meinen Tests ist Motorola Knopf für mich im Großstadttrubel aus den genannten Gründen tatsächlich nur bedingt praktisch.

Richtig gut gefällt dafür aber das mitgelieferte Etui mit Ladefunktion und eingebautem Akku, das im gleichen edlen Look wie das Hint selbst daherkommt und das Ohrteil so bei Nichtbenutzung nicht nur stilecht schützt, sondern auch dessen Akkulaufzeit verlängert. Sehr durchdacht von Motorola.

Die Akkulaufzeit des Knopfes für sich ist derweil auch schon monströs, jedenfalls bei deaktivierter Moto Voice-Funktion: Mir gelang es bei konstanter Benutzung über den Tag nicht, die beim Einstecken des Headsets gesprochene Restzeit-Ansage unter zwei Stunden verbleibende Gesprächsdauer zu bringen. Für Dauertelefonierer mag das durchaus anders aussehen, aber dank der angesprochenen Reserve-Ladung in der Transportbox, dürfte es auch für die kein Problem sein, mit dem Hint über einen Tag zu kommen.

Fazit: So könnte die Zukunft aussehen

Ich bin der Überzeugung, dass Headsets — die durchaus einen großen Stellenwert in der mobilen Welt verdienen — grundsätzlich wie das Moto Hint sein sollten. Allerdings fehlt Motorolas erstem Versuch dieser Art der Feinschliff: Etwas lauter müsste es einzustellen sein, etwas komfortabler und gleichzeitig "sicherer" zu tragen und vielleicht sogar noch ein bisschen kompakter.

Aktuell ist das Moto Hint ein feiner Ausblick, ein futuristisches Gadget, aber eben noch kein durch und durch praktisches Zubehör.


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