Samsung Galaxy A3 im Test: Altes im neuen Gewand

Peinlich !82
Ein schöner Rücken - aber kann das A3 auch sonst entzücken?
Ein schöner Rücken - aber kann das A3 auch sonst entzücken?(© 2015 CURVED)

Samsung kann auch Metall: Was mit dem Galaxy Alpha und den beiden Note-Phablets 2014 angefangen wurde, setzen die Koreaner in ihrer neuen A-Klasse mit einem Unibody-Design konsequent um — wenigstens in Sachen Design. Denn was die inneren Werte angeht, gibt sich das Galaxy A3 eher wie ein Smartphone von vorgestern; trotz ordentlichem Preisschild. Wir haben das 4,5 Zoll-Gerät, das nun auch in Deutschland erhältlich ist, getestet und berichten Euch im Folgenden, was die Hardware unter dem schicken Gewand kann.

Alles eine Frage des Preises — oder doch nicht? Es scheint sich endgültig etabliert zu haben, dass Samsung für seine Geräte einen gewissen Aufschlag verlangt. Ich habe diese aus meiner Sicht nicht nachvollziehbare Attitüde der Koreaner an anderer Stelle oft genug kritisiert und auch im ersten Unboxing des Galaxy A3 angesprochen und bemängelt:

Nun könnte ich diesen Testbericht eben daran aufhängen, dass Samsung dem A3, wie auch dem A5 und dem A7 einen viel zu hohes Preisschild verpasst hat und die Unibody-Smartphones unter diesem Gesichtspunkt gar nicht konkurrenzfähig sein können. Das wiederum würde aber den Geräten selbst nicht gerecht werden; und das wäre ebenso schade wie ihr Preis.

Außerdem bin ich es offen gesagt leid, bei jedem Samsung-Gerät über dessen Kostenpunkt schwadronieren zu müssen. Samsung ist in dieser Hinsicht für mich das Apple des Android-Kosmos, wenn auch ohne den Style- und Design-Bonus. Deswegen schreibe ich an dieser Stelle einmalig auf: Samsung verlangt für das Galaxy A3 unverbindliche 299 Euro, im freien Handel ist der 4,5 Zoller aktuell ab etwa 270 Euro zu haben. Nun aber zu den erfreulicheren Dingen.

Aus einem Guss: Design und Haptik des Galaxy A3

Keine Frage, schick sieht das A3 im Alu-Kleid aus: Die Verarbeitung ist makellos, die geschliffenen Kanten der Ränder und der mattierte Metallrücken geben dem Einsteigergerät einen hochwertige Look, den man in dieser Geräteklasse eigentlich gar nicht erwartet und auch nicht kennt. Das A3 ist das mit Abstand das wertigste Android-Smartphone mit einer Unter-HD-Display-Auflösung.

Allerdings ist es nun absolut betrachtet auch keine Design-Offenbarung: Eigentlich hat Samsung lediglich die Standard-Form seiner Smartphone-Armada genommen und Rahmen und Rückseite aus Metall statt Polycarbonat geformt. Zwar gefällt der Rand mit den glänzend abgeschliffenen Kantendem Auge und der haltenden Hand, allerdings fehlen beim A3 selbst die Verdickungen an den Ecken, wie sie beim Alpha und dem Note zu finden waren. Und der Rücken ist ganz simpel gehalten, plan und mattiert — tatsächlich so matt, dass er unter Umständen beinahe für Kunststoff gehalten werden könnte.

Von vorne betrachtet rechts am Rahmen befindet sich der Powerbutton, auf der gegenüberliegenden Seite die Lautstärkewippe. Auf der Front ist alles wie bei Samsung gehabt: Unten mittig der mechanische Home-Button, daneben die Softkeys für "Aktuelle Anwendungen" und "Zurück". Der Micro-USB-Port sowie der Klinkenstecker befinden sich am unteren Rand des 4,5 Zollers. Auf dem Rücken findet sich eine Neuerung, denn der Mono-Speaker ist nun nicht mehr unten links positioniert, sondern findet sich oben neben der rückseitigen Kamera auf gleicher Höhe wie der LED-Blitz.

Das Galaxy A3 sieht insgesamt gut und wertig aus und vielleicht sogar, je nach Farbvariante, edel. Aber es nicht vorrangig ein Hingucker. Es ist optisch wie haptisch ein solide gearbeitetes Smartphone, das in der Einsteiger-Klasse in dieser Hinsicht seinesgleichen sucht. Mit seinen kompakten Dimensionen von 130,1 x 65,5 x 6,9 Millimeter und 110 Gramm ist es überdies trotz Metallkleid auch noch sehr leicht und kann beinahe unbemerkt auch in der Hosentasche getragen werden.

Von vorgestern: Das Display des Galaxy A3

Schade nur, dass die inneren Werte des Smartphones dem äußeren Eindruck größtenteils nicht standhalten können: 540 mal 960 Pixel — das war die Auflösung, die das Galaxy S4 mini aus dem Jahr 2013 auf 4,3 Zoll verteilte; das A3 tut dies anno 2015 ebenfalls, auf noch größere 4,5 Zoll. Das Ergebnis: Schon auf dem Papier enttäuschend, weil dieser Wert inzwischen wirklich nicht mehr als zeitgemäß durchgeht, ist das gebotene Bild auch in der Realität für heutige Augen einfach zu pixelig.

In einer Zeit, in der manche Hersteller schon ihre 5 Zoll-Geräte mit WQHD-Auflösung ausstatten, Samsung dem S5 vernünftigerweise aber auch wenigstens 1080p mitgibt, würden bei einem 4,5 Zoll mindestens 720p zum guten Ton gehören. Und für ein erträgliches Bild sorgen; so jedenfalls macht weder das Betrachten von Fotos noch von Videos auf dem Galaxy A3 Spaß — trotz der guten Betrachtungswinkel und der ausreichend hohen Strahlkraft des Super AMOLED-Screens.

Performance: untermotorisiert? Nicht wirklich.

Dass der Snapdragon 410-Chipsatz mit seinen vier Kernen und den begleitenden 1,5 GB RAM das Gerät trotz der geringen Auflösung auf nur 21.000 Punkte im AnTuTu-Benchmark beschleunigt, schockt zunächst ein wenig und macht Sorgen bezüglich der grundsätzlichen und speziell der Gaming-Performance. Überraschenderweise sind die unbegründet: Für den Homescreen, den App Drawer und 2D-Apps reicht die Performance des auf 1,2 GHz getakteten SoCs vollkommen aus, hier gibt es maximal ab und an ein kleines Stottern beim Laden oder Beenden der Anwendung, was im etwas knappen RAM-Speicher begründet liegt.

Wir haben auf dem A3 Rayman Fiesta Run, Reckless Racing 3, Skyforce und Riptide GP2 ausprobiert — und waren überrascht, wie weitestgehend flüssig diese Titel dargestellt wurden. Klar, die grobe Auflösung sorgt auch beim Zocken nicht gerade für optischen Hochgenuss, aber alle genannten Spiele konnten ohne nennenswerte Ruckler oder Lags gespielt werden.

Kamera: Oft unscharf

Ein größeres Problem erlebten wir bei der Benutzung der 8 MP-Kamera auf der Rückseite des Galaxy A3: Ob mit Autofokus oder bei manuellem Nachfokussieren vor der Aufnahme war das Ergebnis viel zu oft völlig unscharf beziehungsweise regelrecht verwackelt, sowohl beim Knipsen mit der Haupt- als auch mit der 5 MP-Frontkamera. Hinzu kommt, dass sich aufgrund der unterdurchschnittlichen Display-Auflösung oft gar nicht so leicht feststellen lässt, ob das abzulichtende Motiv nun scharf angezeigt wird oder noch nicht im Fokus ist.

Wenn Fotos dann dennoch gelingen, sind diese aber auch eher durchwachsen: Draußen, im Tageslicht liegt stets ein milchiger Schleier über den Schnappschüssen, in künstlich beleuchteten Räumen wirken die Ergebnisse wiederum dunkler als in der Realität. Videos zeichnet das A3 in maximal 1080p auf; und die können sich in Relation zu den eher enttäuschenden Fotos auch durchaus sehen lassen. Dennoch ist der 4,5 Zoller kein Foto-Spezialist.

Akku: 1.900 mAh reichen

Der einzig positive Aspekt, den die magere Display-Auflösung mit sich bringt, ist die lange Akkulaufzeit, die das Galaxy A3 trotz nominell kleinem 1.900 mAh-Kraftwerk realisiert: Anderthalb bis zwei Tage hält das kompakte Gerät bei normaler Benutzung locker durch, wer es defensiv gebraucht, kann noch mehr Laufzeit rausholen. Und es lädt sehr schnell: Innerhalb von nur etwa 20 Minuten saugt das A3 sich rund 10 Prozent seiner Kapazität wieder zurück —wohlgemerkt via UBS-Anschluss des Laptops.

Ebenfalls positiv fällt der rückseitige Lautsprecher auf, der zwar nicht übermäßig laut tönt, dafür aber einen für die Größenklasse sehr wohlig satten Ton liefert, ohne zu scheppern oder zu brummen.

Fazit: Ach hätte es doch nur 720p

Es sieht gut aus, nicht bezaubernd, es ist ausreichend performant, nicht pfeilschnell, es hat eine Kamera, die in der Einsteigerklasse in Ordnung geht, es verfügt über einen Akku, der es ziemlich ausdauernd macht — hätte es doch nur auch ein HD-Display.

An sich ist das Galaxy A3 ein gelungenes Einsteiger-Gerät. Und da ich ja über den Preis nicht mehr meckern darf/will, gibt es eigentlich fast, was den geneigten Kunden davon anhalten sollte, das Smartphone als Kaufoption in Erwägung zu ziehen. Bis auf den viel zu gering auflösenden Screen. Und der ist leider ein ziemliches K.-o.-Kriterium, denn unterm Strich schaut der Nutzer nun mal auf diesen, er ist die Hauptschnittstelle zwischen Mensch und Smartphone. Warum also sollte sich 2015 noch irgendein Nutzer mit  540 x 960 Bildpunkten auf 4,5 Zoll zufrieden geben, wenn es da draußen gibt zahlreiche Einsteiger-Smartphones, die höher auflösen, gibt. Und die kosten auch noch ... achso, nein, ich hab nichts gesagt.

Wer das A3 also grundsätzlich attraktiv findet, sollte sich vielleicht lieber Samsungs Galaxy A5 anschauen, das zwar etwas größer ist, aber wenigstens in HD auflöst.


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