Samsung Galaxy Fold im Test: Der endlich perfekte Knick?

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Das Galaxy Fold im Test.
Das Galaxy Fold im Test.(© 2019 CURVED)

Das Galaxy Fold hat Samsung im Jahr 2019 etwas auf die Stimmung gedrückt. Nachdem den ersten Testern das Display in die Brüche ging, musste der südkoreanische Hersteller nachjustieren und hat erst Monate später das stabile Modell auf den Markt gebracht.

Trotzdem: Das Galaxy Fold geht als erstes Smartphone mit faltbaren OLED-Display in die Technik-Geschichte ein. Es ist trotz verspätetem Release das erste Foldable auf dem Markt. Doch die erste Bewährungsprobe ging gründlich in die Hose.

Als im Mai die ersten Tester das faltbare Samsung-Smartphone in den Händen halten durften, war es einerseits die Schutzfolie, die nie hätte entfernt werden dürfen. Außerdem konnten Fremdkörper am Rand des Klapp-Mechanismus endringen. Die Folge: Das Display fiel aus, bei vielen Testern blieb die linke Bildschirmhälfte einfach schwarz.

Das überarbeitete Samsung Galaxy Fold im Test: Fit für den Alltag?

Also setzte Samsung das Release bis auf weiteres aus – der deutsche Marktstart im Mai war passé. Doch seit September ist nun eine überarbeitete Version auf dem Markt und bereitet keine Schwierigkeiten mehr. Der Hersteller hat die Schutzfolie nun über das gesamte Display hinaus verlängert und in den Rahmen eingearbeitet. So kommt niemand in Versuchung, die schützende Schicht abzuziehen.

Außerdem sorgt ein überarbeitetes T-Stück an den Enden der Faltstelle dafür, dass dort kein Schmutz mehr eindringen kann, zusätzlich wurde die Mechanik der Scharniere etwas verbessert. Dann kann es also losgehen mit dem Praxistest!

Die inneren Werte des Galaxy Fold

Schon beim Auspacken des Galaxy Fold wird sofort klar: Das ist ein absolutes High-End-Produkt der Spitzenklasse – das zeigt sich auch beim galaktischen Preis. Samsung schlägt dafür 2.100 Euro an. Dafür bekommt ihr allerdings auch eine enorme Ausstattung.

Das Galaxy Fold kommt mit 512 Gigabyte internem Speicher, 12 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem 4.235 mAh starken Akku. Da das Galaxy Fold auch Tablet sein will, braucht es das auch, außerdem müssen zwei Bildschirme betrieben werden.

Das Fold hat nicht nur zwei Displays, es besitzt auch drei Kamera-Settings mit insgesamt sechs Linsen. Eine Selfie-Kamera, wenn es zugeklappt ist, zwei Linsen am oberen Ende des großen Displays und ein Triple-Kamera-Setup auf der Rückseite.

Und oben drauf legt Samsung ein paar der hauseigenen, sehr guten Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer: die Galaxy Buds. Wenn es um Zubehör geht, solltet ihr euch noch eine Hülle für das Fold zulegen – denn das ist ein echter Schmierfänger.

Apropos Zubehör: An eine zweite SIM-Karte oder eine SD-Karte, um den Speicher zu erweitern, müsst ihr gar nicht erst denken - das Galaxy Fold hat nur einen Slot für eure SIM-Karte.

Das kleine und das große Fold

Das Galaxy Fold hat bekanntermaßen zwei Displays, und auch die Rückseite mit der Hochglanz-Kunststoffabdeckung sind vor Fingerabdrücken nicht geschützt. Aber davor ist heute kaum ein Smartphone gefeit.

Eine Diagonale längst vergangener Tage

Zugeklappt hat das Fold einen kleinen Bildschirm mit 4,6 Zoll Diagonale und einer Auflösung von 720 x 1.680 Pixel. Das ist sogar größer als das Display meines S3 mini, das ich sehr lange bei mir hatte – aber in Zeiten von 6 bis 7 Zoll großen Bildschirmen extrem gewöhnungsbedürftig. Ebenso wie die abgerundeten Ecken und der riesige Rahmen.

Bedienen lässt sich das zugeklappte Fold dafür problemlos einhändig, allerdings ist es ein ganz schöner Barren. Klar – immerhin sind es zwei Smartphones aufeinander. Auch beim Gewicht macht sich das Fold nicht nur in der Hand, auch in der Tasche bemerkbar: mit 276 Gramm ist es das schwerste Device, das ich jemals in der Hand hatte – da kommen eigentlich nur ausgewiesene Outdoor-Handys ran, deren Schutzkonzept ordentlich auf die Waage drückt. Allerdings: in eine Männerhosentasche passt das Fold problemlos.

Qualitativ kann sich der Frontbildschirm definitiv sehen lassen – und zum Nachrichtenlesen, Chatten und Telefonieren braucht es im Prinzip auch nicht mehr. Gestreamt und gezockt wird sowieso auf dem größeren Display.

Das große mit dem seltsamen Verhältnis

Aufgeklappt fällt zunächst die Frontkamera auf: Die beschränkt das große Display nicht nur durch eine Notch, sie ist klar erkennbar am oberen rechten Rand eingelassen und nimmt der Diagonale einige Millimeter. Auch die heutzutage ungewohnt großen Ränder sind gewöhnungsbedürftig, allerdings aufgrund der Klappmechanik auch wichtig: Immerhin sollen die Diplayhälften nicht aufeinanderschlagen.

Die Faltstelle ist besonders dann erkennbar, wenn der Bildschirm schwarz ist. Auch wenn ihr mit dem Finger darüberfahrt, spürt ihr den Knick im Display. Beim Fotos schießen oder Filme schauen ist das allerdings kaum problematisch, denn verzerrt wird das Bild dadurch nicht.

Die Bildschirmdiagonale ist mit 7,3 Zoll auf ordentlichem Tablet-Niveau und bei einer Auflösung von 2.152 x 1.536 ist das Display ein Augenschmaus – wäre da nicht das Seitenverhältnis. Mit 4,2:3 hat das Display ein Format wie kein anderes Gerät. Es ist also etwas länglicher als das klassische 4:3-Format, allerdings quadratischer als das 21:9-Kinoformat – entsprechend getrübt wird das Streaming-Erlebnis.

Schaut ihr zum Beispiel Netflix-Serie "Wir sind die Welle", habt ihr im Originalformat der Produktion das Gefühl, das Display nicht genug auszureizen. Wenn ihr allerdings "heranzoomt" und den Stream über den gesamten Bildschirm laufen lasst, werden recht große Teile rechts und links weggeschnitten.

Auch etwas ungünstig platziert sind die Lautsprecher am unteren und oberen Rand auf der linken Fold-Hälfte. Dreht ihr beim Streamen das Foldable um 90 Grad, um im Querformat zu schauen, haltet ihr die Lautsprecher verdeckt – und hört nichts mehr. Klar, umdrehen hilft: Allerdings sitzt dann der Lautstärkeregler und Power-Button auf euren Fingern. Aber gut: Ich habe die meiste Zeit mit Kopfhörern geschaut und mich davon nicht stören lassen, die überdimensionale Notch ist mir dabei übrigens gar nicht weiter aufgefallen.

Was beide vereint

Auf beiden Bildschirmen geht alles Samsung-like flott von der Hand. Wenn ihr Android oder auch One UI kennt, werdet ihr keine Probleme haben, euch zurechtzufinden. Unabhängig voneinander funktioniert jedes Display wie bei jedem anderen Smartphone. Doch es gibt kleine, aber feine Unterschiede.

Beim großen Falt-Display ist natürlich Multitasking angesagt. Ein Wisch von der rechten Seite nach innen öffnet ein App-Menü, das euch bis zu zwei zusätzliche Apps auf den Display gleichzeitig öffnen lässt. Dazu habt ihr drei Kacheln, in denen gleichzeitig drei Apps aktiv sein können.

Habt ihr auf dem Frontdisplay eine App geöffnet, wird sie beim Aufklappen innen fortgesetzt. Beim Zuklappen ist es so, als würdet ihr den Bildschirm sperren – und aktiviert ihr dann den kleinen Bildschirm, ist die App innen auch geschlossen. Die bleibt nur auf dem Screen, wenn ihr das Fold wieder öffnet, ohne auf der Front etwas gemacht zu haben.

Allerdings könnt ihr auch einstellen, dass Apps, die ihr auf dem 7,3 Zoll großen Fold-Display offen habt, auf dem 4,6 Zoll-Bildschirm fortgesetzt werden. Das legt ihr unter "Einstellungen" – "Anzeige" – "Apps auf Frontbildschirm fortsetzen" fest.

Telefonieren könnt ihr theoretisch auch bei aufgeklapptem Display, allerdings ist es dafür nicht vorgesehen – ihr hört euren Gesprächspartner nur über den Lautsprecher am oberen Rand des kleinen Bildschirms. Dafür machen Videotelefonate mit dem großen Innen-Display mehr Spaß.

Kleiner Tipp am Rande: Wischt einmal mit dem Ärmel oder einem Tuch über das Display, bevor ihr es zusammenklappt. Ansonsten bleibt gern Staub darin und trübt den Wow-Effekt beim nächsten Aufklappen ein wenig.

Die Kameras im Test

Auf der Rückseite befindet sich ein Triple-Setup mit 16 Megapixel (MP) Ultra-Weitwinkel, sowie einer Weitwinkellinse und einem Teleobjektiv mit jeweils 12 MP. Die Selfie-Kamera am kleinen Display kommt mit 10 MP, im Inneren stecken eine 10 MP-Linse und ein 8 MP-Objektiv für den Bokeh-Effekt.

Die Selfie-Kamera des zugeklappten Fold ist für heutige Verhältnisse eher Durchschnitt, bei direkt einfallendem Licht hat die Linse ziemlich zu kämpfen. Dafür hat die Frontkamera im Inneren einiges zu bieten: Zusammen mit der von Samsung bekannten performanten Aufnahme-Software kommen schöne Schnappschüsse zustande. Beim Selfie-Knipsen hilft übrigens eine Selbstauslöser-Geste: Einfach die offene Hand in die Kamera halten, dann schießt das Fold von allein ein Bild.

Irgendwie bin ich kein Fan davon, mit Tablet oder dem großen, aufgeklappten Fold Bilder zu schießen – das fühlt sich einfach nicht nach Digitalkamera an. Allerdings ist das Triple-Setup ziemlich leistungsstark, auch ohne dreistellige Megapixel-Zahl.

Das Samsung Galaxy Fold: Ein Tablet für die Hosentasche

Die Stärken des Galaxy Fold liegen vor allem im effizienten Multitasking, der starken Performance und dem großen Display, auf dem Streamen, Zocken und Lesen einfach mehr Spaß machen als auf einem gewöhnlichen Handydisplay. Wer ein Tablet sucht, das aber eigentlich zu unhandlich findet, sollte sich das Fold mal anschauen. Und da das Samsung Galaxy Fold 5G unterstützt, seid ihr auch für die Zukunft gewappnet.

Allerdings ist der Preis schon ziemlich abschreckend – und da das Fold das erste seiner Art ist, gibt es noch Luft nach oben. Die Konkurrenz schläft nicht, erweitert mit verschiedenen Faltmethoden die Auswahl und in Zukunft wird es Foldables sicher auch zu kleinerem Preis geben.

Eure Fragen – unsere Antworten

Wir haben euch bei Instagram gefragt, was ihr zum Galaxy Fold wissen wollt. Ein Follower fragte, ob das Samsung-Foldable einen S-Pen dabeihat. Klare Antwort: Nein. Das würde allerdings durchaus Sinn machen.

Ja, das Gewicht ist mit 276 Gramm durchaus ein Minuspunkt, auch die Maße erinnern an zwei übereinanderliegende Smartphones. Allerdings passt es in eine Hosentasche – zumindest in die einer Männerjeans.

Die Knickfalte stört kaum, nur bei besonders dunklen Szenen fällt sie auf, aber verzerrt wird das Bild dadurch nicht. Beim Arbeiten spürt ihr sie beim Darüberwischen, allerdings habe ich das schnell als "normal" empfunden und nicht weiter wahrgenommen.

Die Akkulaufzeit ist überraschend gut. Nach zweieinhalb Tagen normaler Nutzung und 10 Stunden Streaming hatte das Fold noch nicht den Geist aufgegeben. Auch bei intensiver Nutzung kommt ihr locker über den Tag. Durch die Schnellladefunktion ist der Akku in knapp zwei Stunden wieder vollständig aufgeladen.


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