Samsung Galaxy Z Flip im Test: Gefaltet fast quadratisch, aber auch gut?

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#WirBleibenZuhause und üben "Alle meine Entchen".(© 2020 CURVED)

Während Samsung in Sachen Foldables mit dem Galaxy Fold einen überaus holprigen Start hingelegt hat, sollte es beim Galaxy Z Flip besser werden. Beide sind grundsätzlich unterschiedliche Geräte, doch eint sie der Faltmechanismus. Das Galaxy Fold ist eher ein Tablet zum Ausklappen, das Z Flip dagegen ein Smartphone zum Zusammenklappen. Das Samsung Galaxy Z Flip im Test.

Während Technik tendenziell eigentlich immer kleiner wird, gibt es bei Smartphones einen anderen Trend: Die werden immer größer. Klar, das Smartphone ist schon lange ein Multimedia-Gerät. Und zum Streamen, Zocken oder für Multitasking-Anwendungen braucht es mehr Platz auf dem Bilschirm. Doch für ein größeres Display braucht es größere Geräte.

Dumm nur, dass die Hosen-Industrie da nicht wirklich mitzieht. Heute gibt es eine Vielzahl von Smartphones, die kaum noch in die Hosentasche passen – und gerade bei Frauen sind Hosentaschen irgendwie doch mehr Deko als Stauraum. Damit niemand Kompromisse eingehen oder sich eine extra Smartphone-Tasche oder ähnliches umhängen muss, erfahren nun Klapp-Handys im Clamshell-Design à la Motorola Razr eine Renaissance – so auch mit dem Galaxy Z Flip. Zum Style-Faktor kommt heute noch ausgeklügelte Technik dazu, immerhin muss Glas gebogen werden.

Galaxy Z Flip und das neue Falten

Im Vergleich zum Galaxy Fold kommt beim Z Flip ein etwas anderer Faltmechanismus zum Einsatz. Ihr könnt es jetzt nicht nur im aus- und zugeklappten Zustand verwenden. Auch die Zwischenstufen bieten sich an, denn das Foldable bleibt auch im 90-Grad-Winkel stabil stehen.

So könnt ihr zum Beispiel locker mit 10-Sekunden-Timer Bilder schießen. Einfach abstellen, vor die Linse laufen und lächeln. Und irgendwie ist es auch ziemlich cool, Super Mario mit leicht angeklappter Display-Oberhälfte zu zocken. Das vermittelt absoluten Retro-Charme.

Die Sache mit den Hosentaschen

Aufgeklappt ist der Falz beim Galaxy Z Flip besonders bei dunklem Hintergrund deutlich zu erkennen, beim Darüberfahren spürt ihr auch eine leichte Welle. Das lässt sich wohl nicht vermeiden, ist in der Praxis aber auch nicht störend. Der Rand um das 6,7-Zoll-Display fällt im Vergleich zu nicht-faltbaren Handys etwas dicker aus, das macht aber auch Sinn. Immerhin ist er beim Z Flip schmaler als beim Galaxy Fold und fällt nicht so stark auf.

Zugeklappt ist das Galaxy Z Flip nahezu quadratisch – es misst 87 x 74 Millimeter (mm) –, aber mit rund 17 mm leider nicht sonderlich dünn. Es sind dann eben zwei Smartphones übereinander. Mit 183 Gramm ist es aber ein Normalgewicht.

Für die ein oder andere kleinere Hosentasche könnte das immer noch zum Problem werden – oder eben zu einer Beule führen, die man doch eigentlich vermeiden wollte. Für mich passt das allerdings wunderbar, ich bin aber auch volle Hamstertaschen gewohnt.

Eine empfindliche Angelegenheit

Das Auf- und Zuklappen funktioniert wie geschmiert, haptisch und akustisch gibt es durch ein charismatisches Klacken und Einrasten klare Fixpunkte, wann das Galaxy Z Flip auf- oder zugeklappt ist. Woraus ihr aber unbedingt Acht geben solltet: Das Display, das aus einem Kunststoff-Glas-Gemisch besteht, ist empfindlicher als ihr es vielleicht gewohnt seid.

So gibt es schon auf der Verpackung des Z Flip Warnhinweise, dass ihr nichts zwischen die Displayhälften stecken solltet. Zudem sollt ihr den Bildschirm nicht mit scharfen Objekten oder euren Fingernägeln bedienen, wasserfest und staubdicht ist es ebenfalls nicht. Dafür liegt dem Foldable eine Schutzhülle bei, die aus zwei Teilen für jeweils Ober- und Unterseite besteht. Etwas versteckt in der Verpackung, zusammen mit der Anleitung im kleinen Extra-Karton.

Wer aber mit Ärgernissen wie einem gesprungenen Display sowieso noch nie Probleme hatte, wird sich daran auch beim Z Flip nicht stören – und immerhin ist das Display im zugeklappten Zustand geschützt. Dann gibt es noch einen winzigen Bildschirm neben dem Dual-Kamera-Setup. Darauf seht ihr Uhrzeit, Akkustand und Datum, die wichtigsten Benachrichtigungen, den Anrufer, wenn jemand anklingelt, oder auch euer Bild wenn ihr im zugeklappten Zustand ein Selfie machen wollt.

Das geht mit einem doppelten Tippen auf den Power-Button, in dem auch der Fingerabdrucksensor integriert ist. Allerdings braucht es für den richtigen Schnappschuss ein wenig Übung, um die richtige Perspektive zu finden, denn ihr seht nur einen kleinen Ausschnitt des Motivs.

Das Galaxy Z Flip ist kein Kamera-Smartphone

Samsung hat das Foldable nicht als Kamera-Smartphone in Dimensionen eines S20 Ultra mit seinen 108 Megapixel und 100-fach-Zoom konzipiert, trotzdem hat es schon allein wegen seines Formfaktors ein paar nette Features zu bieten. Zum Beispiel braucht es nur eine Ablagefläche, die dann als Stativ herhält. Auch bei Video-Konferenzen über die 10-Megapixel-Frontkamera könnt ihr das Smartphone einfach abstellen und euch trotzdem gegenseitig im Blick behalten.

Die Ergebnisse der 12 Megapixel (MP) Hauptkamera, die durch ein Weitwinkelobjektiv mit ebenfalls 12 MP ergänzt wird, sind nicht phänomenal, aber ordentlich. Wer den Dreh raus hat, mit dem doch begrenzten Bildausschnitt des Mini-Displays Selfies zu machen, bekommt etwas bessere Ergebnisse als mit der 10-MP-Selfie-Kamera, die zentral im Punch Hole des 6,7 Zoll Falt-Displays sitzt.

Ein Feature, das es mittlerweile auf einige Samsung-Smartphones geschafft hat, ist die "Single Shot"-Funktion der Kamera-App. Damit nehmt ihr ein Video auf, aus dem das Smartphone dann die schönsten Bilder herauspickt und als Schnappschuss speichert – und das in verschiedenen Formaten. Außerdem bekommt ihr eine Schwarz-Weiß-Aufnahme und das Video im Zeitraffer.

Hübsches Display – zweigeteilter Akku

Das Display weiß mit guten Werten auf dem Datenblatt zu überzeugen: 2.636 x 1.080 ergeben beim 6,7 Zoll Super-AMOLED-Display eine Pixeldichte von 425 ppi – das ist auf der Höhe der Zeit und kann sich sehen lassen. Beim Streamen ist es in sehr dunklen Szenen allerdings nicht hell genug, im normalen Gebrauch weiß es aber auch bei starkem Gegenlicht zu überzeugen.

Mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher (GB RAM) und 256 GB Platz für Dateien ist es gut ausgestattet, der Snapdragon 855+ sorgt für sehr gute Performance. Erweitern lässt sich der Speicher allerdings nicht, allerdings ist die verfügbare Kapazität für die meisten Anwender ausreichend. Dual-SIM-Unterstützung ist per eSIM an Bord, Platz für eine zweite physische SIM-Karte ist nicht vorhanden. Bei den Anschlüssen geizt Samsung und beschränkt sich beim Z Flip auf USB-C.

Den Akku hat Samsung zweigeteilt und jeweils einen Teil in der oberen und unteren Hälfte verbaut. Mit 3.300 Milliamperestunden (mAh) ist der nicht sonderlich groß, reicht aber für Alltagsanwender, die nicht den ganzen Tag streamen wollen. Positiv: Das Z Flip unterstützt induktives Laden – trotz Doppel-Akku.

Insgesamt ist das Galaxy Z Flip sowieso eher für Nutzer gedacht, die es praktisch und stylisch mögen – Power-User greifen zu High-End-Flaggschiffen wie dem Samsung Galaxy S20 Ultra.

Samsung Galaxy Z Flip im Test: Innovativ, aber immer noch teuer

Flip ist hip! Samsung hat beim Galaxy Z Flip vieles richtig gemacht. Ihr bekommt ein stylisches und praktisches Foldable mit Multi-Tasking-Funktionen und einem ordentlichen Display – das allerdings etwas empfindlich ist. Dafür weiß es mit seiner Alltagstauglichkeit zu überzeugen, sofern ihr sorgsam damit umgeht. Das solltet ihr auch tun, immerhin hat sich der Preis gepfeffert.

Mit knapp 1.500 Euro ist das Smartphone zwar günstiger als das Galaxy Fold, trotzdem ist die Summe mehr als knackig. Das Geld steckt in der Technik für den faltbaren Screen – wollt ihr eine bessere Performance und eine stärkere Kamera, greift ihr mit dem Budget zum Samsung Galaxy S20, S20+ oder S20 Ultra.

In Sachen Foldables ist Samsung aber auf einem guten Weg. Mit dem neuen Faltkonzept und kleinen Feinabstimmungen hat der südkoreanische Hersteller einige Kritikpunkte des Vorgängers ausgemerzt, auch wenn der Vergleich zwischen den beiden Geräten nicht konsequent zu ziehen ist. Sobald faltbare Displays in der Produktion weniger aufwendig sind, bekommen wir sicher auch bald ein faltbares Smartphone zu einem etwas günstigeren Preis – vielleicht ist das dann auch ein Samsung Galaxy.


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