Sony Xperia Ear Duo im Test: Smartes Headset für Freihänder

Der Xperia Ear Duo sieht aus wie ein Hörgerät, aber kommt mit smarten Features, wie unser Test zeigt.
Der Xperia Ear Duo sieht aus wie ein Hörgerät, aber kommt mit smarten Features, wie unser Test zeigt. (© 2018 CURVED)

Ein Bluetooth-Ohrhörer, der Umgebungsgeräusche durchlässt und sich per Touch, Sprache und mittels Gesten steuern lässt: Der neue Xperia Ear Duo von Sony kommt frisch aus der Entwicklungsabteilung der Japaner – und ist durchaus etwas gewöhnungsbedürftig, wie unser Test verrät.

Eines gilt es vorab klarzustellen: Die Xperia Ear Duo-Ohrhörer sind keine Sound-Spezialisten für Musikfans, die auf fette Beats stehen. Auch Noise Cancelling, also das Unterdrücken der Umgebungsgeräusche zugunsten eines ungestörten Musikgenusses ist hier nicht das Thema – ganz im Gegenteil: Sonys Ohrhörer lassen die Umgebungsgeräusche mit voller Absicht durch, so dass man auch mit Beschallung auf den Ohren nicht von der Außenwelt abgeschnitten ist. Das hat in manchen Situationen, beispielsweise im Straßenverkehr, durchaus seine Vorteile.

Smartphone-Funktionen per Sprachassistent

Sony hat die Earphones weniger als Sound-Monster, denn als praktisches Headset mit Zugriff auf die hilfreichen Sprachassistenten von Google und Apple konzipiert, als eine Art Alexa to-go. So kann der Ear Duo per Sprachausgabe an wichtige Termine erinnern, das Wetter vorhersagen oder eingehende Nachrichten vorlesen. Und es reagiert auf Spracheingabe, schreibt Nachrichten oder startet Anrufe. Wahlweise lässt sich der Ear Duo auch mit Gesten oder über ein Touchpad direkt am Ohrhörer steuern. Kurzum: Der Xperia Ear Duo funktioniert als komfortable Verlängerung des Smartphones.

Der Unterschied zu den üblichen  Ohrhörern wird schon am ungewöhnlichen Aussehen deutlich: Jedes der beiden Geräte ist über einen kleinen Metallbügel mit einer Bedieneinheit verbunden, die hinter das Ohr geklemmt wird: ein Design, das irgendwie an Hörgeräte erinnert. Die Ohrhörer sitzen nicht wie meist üblich als Pfropfen im Ohr und riegeln den Gehörgang nach außen ab, sondern werden locker eingeclipst, damit sie Umgebungsgeräusche durchlassen können.

Das Konstrukt ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig und fummelig. Richtig eingesetzt, halten sie gut im Ohr, auch wenn man läuft oder joggt. Der lockere Sitz ist etwas ungewohnt, aber durchaus angenehm. Auch wird die Umwelt weniger mit dem eigenen Musikgeschmack belästigt, da die Abstrahlung nach außen relativ gering ist. Des weiteren werden drei Größen an Aufsätzen für die Ohrsteckern mitgeliefert. Die Hörer werden in einer Ladeschale mit eigenem 740 mAh Akku geliefert, so dass man auch unterwegs ohne Stromversorgung nachladen kann - bis zu drei Mal. Das vollständige Aufladen der Kopfhörer dauert ungefähr zwei Stunden.

Aller guten Dinge sind drei: Touch-, Gesten- und Sprachsteuerung

Damit das Set ordnungsgemäß funktioniert, lädt man die passende Xperia-Ear-Duo-App aufs Smartphone. Die Ohrstöpsel funktionieren nicht nur mit Sony Smartphones, sondern auf jedem Gerät mit Android 5.0 oder höher und iOS-Smartphone ab iOS 10. Für die Sprachsteuerung benötigt die App Zugriff auf viele persönliche Daten des Smartphones, um Termine und Nachrichten vorzulesen oder selbst zu versenden. Wer also den Zugriff verweigert, wird auch die Sprachsteuerung nicht nutzen können.

Die Ohrhörer lassen sich mittels Touchpad, Gesten oder Sprache steuern. Ein Touchpad befindet sich jeweils am linken und rechten Earphone. Das ist der Teil, er hinters Ohr geklemmt wird und den Ear Duo wie ein Hörgerät aussehen lässt. Dort sind auch jeweils zwei Mikrofone und mehrere  Sensoren untergebracht. Das Touchpad eignet sich besonders, um iTunes oder einen anderen Player zu steuern: Wischen um die Lautstärke anzupassen, einmal Tippen um einen Track wiederzugeben oder anzuhalten, Doppeltipp um zum nächsten Song zu gelangen, oder dreimal, um zum vorherigen Song zu springen. Mit einem langen Drücken auf den rechten Ohrhörer aktiviert man außerdem den Sprachassistenten. Man kann den rechten Hörer auch einzeln verwenden, den linken nur, wenn der rechte schon verbunden ist.

Alle Zuweisungen lassen sich über die App auch individuell anpassen. So kann man allen Touch-Gesten auf beiden Ohrhörern jeweils unterschiedliche Funktionen zuordnen, beispielsweise, um auf Kommando die aktuelle Uhrzeit, Termine aus dem Kalender oder Nachrichten vorlesen zu lassen. Das ist alles ganz smart ausgetüftelt, aber besonders das mehrfache Tippen ist in unruhigen Umgebungen, beispielsweise auf dem Fahrrad, eine echte Herausforderung und gelingt wesentlich seltener, als zu Hause auf dem Sofa, zumal die Berührung durchaus etwas kräftiger ausfallen muss, damit das Gerät reagiert.

Wenig Spaß für Musikfans

Auch die Steuerung mittels Kopfbewegungen ist nicht ohne Tücken. Zum einem müssen die Bewegungen deutlich ausgeführt werden, zaghafte Moves ignoriert das Gerät. Und zweitens: Mit einem Blick nach links oder rechts durch die Playlist zu navigieren ist zwar eine praktische Idee, wenn man gerade die Hände nicht frei hat, aber spätestens beim vierten Schulterblick auf dem dynamischen Citybike hat man auch die Nachteile dieser Art der Steuerung begriffen.

Auch Telefonate lassen sich per Geste handlen: Wer einen eingehenden Anruf annehmen möchte, nickt mit dem Kopf, wer ablehnt schüttelt. Auch wer den Sprachassistenten in seine Schranken weisen möchte, kann das Vorlesen von Mails, SMS, Terminen oder des Wetterberichts mit einem vehementen Kopfschütteln beenden. Die technische Qualität der Sprachübertragung ist gut: Egal ob Telefonat oder Sprachassistent, der Klang ist klar und sauber, ebenso einwandfrei arbeiten auch die Mikrofone. Der Vollständigkeit halber sei auch die Anytime-Talk-Funktion des Gerätes erwähnt, ein Gruppen-Chatdienst, bei dem man mittels Sprache und Kopfgesten kommunizieren kann, allerdings ausschließlich mit Xperia Ear Duo-Nutzern.

Für welche Zwecke eignet sich also der Xperia Ear Duo? Am besten funktioniert das Gerät als Headset, mit dem man freihändig Telefonate führen, Nachrichten abhören und verfassen kann. Zwar kann man auf dem Gerät auch Musik hören, dem Sound fehlt allerdings das Volumen. Aufgrund der Open-Ear-Technologie ist der Ear Duo überall dort geeignet, wo man nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten sein möchte, beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad, beim Mountainbiken, oder auch beim Joggen. Auch im Büro lässt sich das Gerät komfortabel nutzen.

Fazit: Smarte Kopfhörer mit umständlicher Steuerung

Die Sony Ear Duo sitzen gut, klingen sauber und auch die integrierten Mikrofone nehmen den Ton klar auf. Abstriche muss man lediglich beim Basssound machen. Dafür punktet der Ear Duo mit der Open-Ear-Technologie, die Umgebungsgeräusche ins Ohr durchlässt und uns davor bewahrt, in einer eigenen akustischen Blase unterwegs zu sein. An die Hörgeräte-Optik und die etwas fummelige Bedienung muss man sich allerdings erst gewöhnen. Die unterschiedlichen Steuerungsoptionen – Touch, Geste, Sprache – erlauben zudem viele Nutzungsmöglichkeiten. Allein der Preis könnte so manchem die Laune verhageln, denn 279 Euro werden einigen Nutzern doch etwas zu viel sein. Erhältlich ist der Ear Duo in zwei Farben, in Gold und in Schwarz.

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