Sony Xperia XZ im ausführlichen Test

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Das Sony Xperia XZ ist wieder wasserdicht.
Das Sony Xperia XZ ist wieder wasserdicht.(© 2016 CURVED)

Bei der Namensgebung ist Sony noch auf der Suche nach dem roten Faden, aber mit dem Xperia XZ haben die Japaner inzwischen ihr wahres Flaggschiff für 2016 gefunden. Der Test.

2016 sorgte Sony mit seiner Modellpolitik für Verwirrung: Die über Jahre etablierte Z-Serie wurde eingestellt und durch die X-Serie ersetzt. Auf dem MWC hieß es noch, dass deren Flaggschiff Xperia X Performance nicht nach Deutschland kommt, nur um dann einige Monate später hierzulande doch erhältlich zu sein. Mit dem Xperia XZ kam zur IFA das nächste Topmodell von Sony, das sich mit einigen Verbesserungen zu Sonys wirklichem Flaggschiff für 2016 entwickelt und das X Performance praktisch überflüssig macht.

Wasserdichtes Gehäuse

Im Gegensatz zum im Frühjahr für Deutschland vorgesehen "Topmodell" Xperia X wartet das Xperia XZ wieder mit einem wasserdichten Gehäuse auf, das bis 2015 noch ein Merkmal von Sonys Spitzenmodellen war und in diesem Frühjahr überraschend verschwand. Das XZ hat eine IP65/68-Zertifizierung erhalten und lässt sich laut Sony im Regen benutzen und unter dem Wasserhahn abspülen. Zum kompletten Untertauchen sei es aber nicht vorgesehen und auch nicht geeignet. Wobei sich das Xperia ZX mit der Aufnahmetaste immerhin noch als Unterwasserkamera anböte.

Über das Design des Xperia XZ muss sich jeder selbst eine Meinung bilden. Mir fielen vor allem die deutlich erkennbaren Spaltmaße zwischen den verschiedenen Elementen des Gehäuses negativ auf, das zum Großteil aus "absolut reinem ALKALEIDO™-Metall", eine Eigenentwicklung von Sony, besteht. Fakt ist aber, dass das Smartphone mit seinen abgerundeten Kanten angenehm und sicher in der Hand liegt. Den Homebutton mit einem sehr fixen Fingerabdrucksensor an der Seite erreicht man problemlos. Ich persönlich hätte die Lautstärketasten aber lieber über als unter dem Homebutton gehabt. Wer gerne und viel fotografiert, wird sich über den Auslöseknopf freuen, mit dem man zwei Druckpunkte beim Fokussieren und Auslösen spürt und so präziser als über den Touchscreen fotografieren kann.

Eine Augenweide ist der 5,2 Zoll große Bildschirm des Xperia XZ. Das Full-HD-Display ist etwas größer als beim Xperia X Performance, lässt aber nichts an Schärfe, Detailgenauigkeit, Kontrast, intensiven Farben und stabilen Blickwinkeln vermissen. Sogar die Spiegelungen halten sich in Grenzen.

Snapdragon 820 und 32 GB Speicher

Sony verbaut im Xperia XZ mit dem Snapdragon 820 und drei Gigabyte Arbeitsspeicher nicht mehr die allerschnellste Hardware, aber immer noch eine, die eines Flaggschiffs von 2016 absolut würdig ist. Vier Gigabyte Arbeitsspeicher hätten nicht geschadet und die ersten Smartphones mit dem noch schnelleren Snapdragon 821 sind bereits angekündigt. Die Nutzeroberfläche läuft damit selbstverständlich flüssig, Apps starten mit kurzen Ladezeiten. Es gibt keine alltägliche Anwendung und auch kein Spiel, das diese Hardware an den Rand der Leistungsfähigkeit bringen würde. Im Antutu-Benchmark reicht es für fast 140.000 Punkte, bei Geekbench 4 für 1598 Punkte im Single-Core- und 3579 Punkte im Multi-Core-Test.

Vom 32 Gigabyte großen internen Speicher sind knapp zwölf Gigabyte bereits belegt. Falls Euch die 20 zur Verfügung stehenden Gigabyte nicht ausreichen, könnt Ihr die Speicherkapazität mit einer microSD-Kart erweitern. Den Platz belegen Android 6.0.1 Marshmallow mit der Xperia UI und diverse vorinstallierte Apps, bei denen Sony für meinen Geschmack zurückhaltender sein könnte. Neben einigen Standard-Apps in der hauseigenen Ausführung spendiert Euch Sony noch Anwendungen, wie Xperia Lounge, Lifelog oder Playstation und installiert Facebook, Amazon Shopping und AVG Protection vorab. Diese Apps könnt Ihr nicht löschen, sondern nur deaktivieren. Also vom Display verschwinden lassen, aber nicht den Speicherplatz freiräumen.

Falls Euch die Xperia UI nicht gefällt, lässt sich mit wenig Aufwand ein anderer Launcher installieren. Ihr verzichtet dann aber auf etwas, in das Sony nach eigenen Angaben viel Arbeit gesteckt habt: Die Software passt sich Euch an. Ähnlich wie Google Now zieht die Xperia UI Schlüsse aus Eurem Verhalten und versucht, Euch proaktiv zuvorzukommen. Außerdem fragt Euch die Nutzeroberfläche, ob Ihr mit der Anzahl an Benachrichtigungen zufrieden seid, oder ob es zu viele oder zu wenig sind, und macht Vorschläge zu den Displayeinstellungen und animiert Euch zum Aufräumen des Speichers. Wenn man sich von seinem Smartphone ein wenig Arbeit abnehmen lassen und nicht selber an alles denken will, genau das Richtige. Ich persönlich fühlte mich dagegen eher genervt von so viel Sorge um mein Wohl.

Kamera mit 23 Megapixeln

Die Kamera auf der Rückseite des Xperia XZ löst mit 23 Megapixeln auf und hat als erste bei einem Sony-Smartphone zusätzlich zum Hybrid-Autofokus einen Laser-Autofokus erhalten. Der soll vor allem bei Dunkelheit und Motiven auf kurzer Distanz die Fokussierung beschleunigen. Das ging beim XZ auch echt fix und auch noch einen Tick schneller als bei anderen Smartphones. Doch mit bloßem Auge ist der Geschwindigkeitszuwachs nicht wirklich zu erkennen.

Sony verpasst auch dem Xperia XZ eine umfangreiche Kamera-App mit intelligenter Automatik für Schnappschüsse und einem manuellen Modus für alle, die die Einstellungen gerne selbst vornehmen möchten. Darüber hinaus stehen auch wieder zahlreiche Erweiterungen für die Kamera zum Download bereit oder sind direkt installiert. Bei der Bildqualität überzeugen die sechsteilige Sony G-Linse mit f2.0er-Blende und der IMX300 Bildsensor mit scharfen Aufnahmen und eine hohen Detailgenauigkeit. Auf dem Display des Smartphones erstrahlen die Farben, erscheinen auf dem großen Bildschirm aber deutlich blasser, was aber. auch daran liegen kann, dass der Monitor nicht auf das Smartphone kalibriert ist.

Unbestritten ist allerdings, dass die Bildqualität schon bei Zimmerbeleuchtung deutlich abnimmt und die Aufnahmen grobkörniger werden. In der Nacht schafft es das Xperia XZ zwar, mit wenig Licht erstaunlich hell ausgeleuchtete Bilder zu machen, bleibt dabei aber qualitativ hinter anderen Flaggschiffen, wie dem Galaxy S7 oder iPhone 7, zurück.

Die Frontkamera liefert Selfies mit einer Auflösung von 13 Megapixeln, deren Qualität trotz der vergleichsweise hohen Auflösung deutlich stärker als bei der Hauptkamera von den Lichtverhältnissen abhängen. So waren die Bilder der Frontkamera bei wenig Licht deutlich verwaschener als die der Hauptkamera. Bei starken Kontrasten kommt die Kamera schnell an ihre Grenzen.

Der Akku des Xperia XZ ist mit 2900 Milliamperestunden etwas größer als beim Xperia X Performance geworden, an der nächtlichen Aufladung bei typischen Nutzung über den Tag ändert sich aber nichts. Für eine längere Laufzeit müsstet Ihr den von Sony angebotenen Stromsparmodus aktivieren und ggf. auf einige Funktionen verzichten. Geladen wird der Akku erstmals bei Sony über einen USB-C-Anschluss mit Schnellladefunktion und – auch das muss man inzwischen wieder erwähnen – ein Kopfhöreranschluss ist vorhanden.

Fazit: das bessere Sony-Flaggschiff

Bei aller Verwirrung um die vielen Sony-Modelle: Das Xperia XZ ist eindeutig das beste Sony-Smartphone des Jahres. Es hat zwar viel mit dem Xperia X Performance gemeinsam, kann dieses aber mit einem größeren Akku und je nach Geschmack schöneren Farben und einem größeren Display noch übertrumpfen. Zudem ist das Xperia XZ mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 699 Euro genauso teuer wie das Xperia X Performance, das somit schon nach wenigen Wochen seine Daseinsberechtigung verliert.

Am Ende bleibt festzuhalten, dass Ihr ein gutes, wasserfestes Smartphone im typischen Sony-Look mit einer mehr als ausreichenden Hardware, einer interessanten Nutzeroberfläche und eine überdurchschnittlich guten Kamera bekommt. Das Sony Xperia XZ spielt ganz oben mit, kann aber die besten Smartphones nicht vom Thron stoßen.


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