"State of Decay 2" für Xbox One im Test: Schon geil, aber hingeklatscht!

Supergeil !9
Die untoten Horden sind los – und ihr kämpft mittendrin ums nackte Überleben.
Die untoten Horden sind los – und ihr kämpft mittendrin ums nackte Überleben.(© 2018 Microsoft)

Rund fünf Jahre nach dem zwiespältigen "State of Decay" für die Xbox 360 steht euch nun der Nachfolger für Xbox One und PC ins Haus. Was macht der zweite Teil alles besser? Und: Kann der neu integrierte Koop-Modus für bis zu vier Spieler die grauenhafte Technik wettmachen? Diese und andere Fragen beantwortet der Test.

Mit "State of Decay" landeten die Indie-Entwickler von Undead Labs einst einen echten Überraschungserfolg. Sich alleine in einer großen Spielwelt gegen die Plage der Untoten zu stemmen und eine kleine Gemeinschaft Überlebender aufzubauen hatte ohne Zweifel seinen Reiz. Dennoch hakte es an allen Ecken und Enden: Die Optik war übel, viele Dinge waren einfach nicht konsequent zu Ende gedacht und die Fans forderten einen kooperativen Modus für den Nachfolger. Mit "State of Decay 2" kommt der Entwickler dieser Bitte nach  – hat aber trotzdem einen großen Teil seiner Hausaufgaben nicht gemacht.

Stimmung ist alles

Schon die ersten Schritte in einem verwüsteten Zeltlager, dessen Umgebung als Tutorial für "State of Decay 2" dient, erinnern ein wenig an eine Schulaufführung. Während einer die hübsch bemalte rote Sonne im Hintergrund der Bühne hochhält und gelbe Scheinwerfer für das entsprechende Licht sorgen, stammeln sich die "Schauspieler" in mühsam zusammengeflickten Halbsätzen einen ab. Die ersten Untoten wanken euch entgegen und machen Bekanntschaft mit eurem Baseballschläger, der nach ein paar Strikes allerdings in euren Händen zu Staub zerfällt. Also muss flugs eine neue Nahkampfwaffe her. Dafür stöbert ihr in herumstehenden Kisten, Kästen und Schränken. Das dauert aber pro Suchort so unendlich lange, dass ihr schnell versucht seid, die zusätzliche Beschleunigungs-Taste für das leidige Manöver zu drücken. Problem hier: Wird der schnelle Suchvorgang nicht erfolgreich abgeschlossen, klötert ihr derart laut herum, dass das unweigerlich den unweit wankenden fauligen Gesellen zu Ohren kommt. Gut, so kommt wenigstens euer neues Brecheisen zum Einsatz. Zu allem Überfluss wird euer computergesteuerter Mitläufer – ihr entscheidet bei Spielbeginn mit welchem Duo ihr starten wollt – natürlich gebissen und ihr habt nur noch wenig Zeit, um ihn vor der Verwandlung zu retten. Glück im Unglück: Ein paar Überlebende werden auf euch aufmerksam und bieten einen Platz im rettenden Truck an: Während das Logo von "State of Decay 2" über den Bildschirm flimmert, mischt sich zu eurer Ungläubigkeit ob der unfassbar miesen Qualität des eben Gesehenen ein Quäntchen Neugier, was die nächsten Spielstunden in der Zombie-Apokalypse wohl für euch bereithalten.

Das Spiel beginnt in einem "sonnendurchfluteten" Zeltlager (Bild: Xbox One)(© 2018 Microsoft)

Ein neuer Anfang im Ende

Nachdem ihr euch für eines von drei großen Spielgebieten als Startpunkt entschieden habt, findet ihr euch mit euren Rettern in der Nähe einer Behausung, die als zukünftiges Basis-Lager dienen könnte. Und: Ab jetzt habt ihr auch die Möglichkeit, bis zu drei Freunde einzuladen, die euch beim Ausbau eures Stützpunktes tatkräftig unterstützen können. Richtig gelesen, denn "State of Decay 2" bietet keinen vollwertigen Koop-Modus, in der alle Spieler gemeinsam an der Basis bauen und neue Mitglieder rekrutieren können. Die Online-Helfer sind eigentlich nur dazu da, um den Host bei seinen Vorhaben zu unterstützen. Bedeutet: Mehr als kämpfen und Gegenstände für den Besitzer der Session einsammeln, ist für die Mitspieler nicht drin. Enorm ärgerlich! Für den Test waren wir im Koop-Modus mit zwei Spielern unterwegs. Auf dem Weg zum ersten Haus, das sich als Basis-Lager eignet, kommt ihr schon an zahlreichen Kisten vorbei, die geleert werden wollen, bis alle Fächer eures Rucksacks voll sind – das dauert meist keine drei Minuten. Mit etwas Glück findet ihr auch einen großen Seesack, der viel Essen, Medizin oder Bauteile beinhaltet – auch der sollte natürlich schnellstens in die neue Behausung verfrachtet werden. In eurem Lager angekommen, werden die Taschen geleert und der Host beginnt im Idealfall schon mit dem Bau einer Krankenstation, eines kleinen Gartens und/oder einer Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser.

Zahlreiche Bugs: Die schwebende Spielfigur im Hintergrund sollte eigentlich auf einem Bett liegen und nicht in der Luft schlafen.(Bild: Xbox One)(© 2018 Microsoft)
Eure Ausflüge in die dann doch eher triste Spielumgebung können schnell ins Chaos umschlagen. (Bild: Xbox One)(© 2018 Microsoft)

Rinse & Repeat

Nun gilt es, nach und nach die Spielumgebung zu durchforsten. Da eure Spielfigur schnell müde wird und der Kaffeenachschub zu Beginn des Spiels nicht unbedingt gesichert ist, könnt ihr in die Haut einer anderen Figur aus der anfangs noch kleinen Gruppe der Überlebenden schlüpfen. Nervig ist aber, dass ihr zuvor am besten alle Gegenstände in eure Truhe packt, damit ihr sie mit dem neuen Charakter auch gleich wieder ausrüsten könnt. Für die Aktionen auf euren Ausflügen in die Spielumgebung gewinnt die von euch gespielte Figur nach und nach an Erfahrung, sogar gewisse Spezialisierungen lassen sich freischalten. Da ihr aber zunächst recht oft die Spielfigur wechseln müsst, haben diese Sonderfähigkeiten erst viel später im Spiel echtes Gewicht. Zwar gibt euch das Spiel eine Hauptaufgabe vor, es liegt aber ganz alleine an euch und euren Mitspielern, was wie und wo zuerst gemacht werden soll. Was zu Beginn noch recht locker von der Hand geht, will später sorgfältig geplant werden. Die Suche nach Essen und Bauteilen wird natürlich durch die herumschlurfenden Zombies nach und nach zur echten Herausforderung. Stürzt ihr euch blindlings ohne genaue Beobachtung der Umgebung in die Schlacht gegen die verschiedenartigen Zombie-Ausgeburten, ist euer Bildschirmtod vorprogrammiert. Da "State of Decay 2" mit dem berühmt berüchtigten Permadeath-Feature daherkommt, solltet ihr also größte Vorsicht walten lassen. Denn beißt eure Spielfigur ins Gras, ist sie und alle Fähigkeiten, die ihr mühsam freigeschaltet habt, ein für allemal weg. Das birgt einen gewissen Reiz und treibt das Adrenalin stellenweise in angenehme Höhen. Das Haupt-Angriffsziel stellen die infizierten Herzen dar. Hier wimmelt es nicht vor fauligen Gesellen, das riesige pochende Ding müsst ihr ordentlich bearbeiten, bis es den Geist aufgibt. Immerhin habt ihr die Plage rundherum dann soweit eingedämmt, dass ihr weiter eurem Tagwerk nachgehen könnt.

Die Untoten mit einer Karre platt walzen? Auch das ist natürlich möglich! (Bild: PC/Xbox One X – wahrscheinlich zusätzlich nachbearbeitet.)(© 2018 Microsoft)
Für die dicken Brocken müsst ihr zu größeren Kalibern greifen. (Bild PC/Xbox One X – wahrscheinlich zusätzlich nachbearbeitet.)(© 2018 Microsoft)

Freunde werden schnell zu Feinden

Die zahlreichen Möglichkeiten, die euch in der Welt von "State of Decay 2" zur Verfügung stehen, erinnern unweigerlich natürlich ganz klar an die Serie "The Walking Dead". Ihr sucht nach Essen und Medikamenten, baut langsam aber sicher eure Basis zur uneinnehbarem Festung aus, schließt Allianzen mit umliegenden Enklaven oder rekrutiert neue Überlebende für euer Team. Nicht alle CPU-Überlebenden sind euch von vorn herein freundlich gesinnt und vergreift ihr euch an deren Vorräten oder kommt ihnen anderweitig quer, dann entbrennt ein handfester Kleinkrieg, bei dem es nur selten Gewinner geben kann. Hier ist es – wie eigentlich in allen Spielsituationen, mit denen ihr in "State of Decay 2" konfrontiert werdet – von deutlichem Vorteil, wenn ihr den Gegnern die Bude mit so vielen Online-Mitspielern wie nur möglich einrennt. Überhaupt lebt das Spiel davon, dass ihr euch nun mit bis zu drei Freunden in der Apokalypse zurechtfinden müsst. Die dabei entstehenden Situationen sind spannend, aufreibend, lustig, traurig und stellenweise absolut denkwürdig. Da ist es zusätzlich schade, dass sich mit der spielerischen Umsetzung dann letztlich so wenig Mühe gemacht wurde.

Vor einem Ausflug ins Ungewisse ist eine genaue Absprache sinnvoll. (Bild: PC/Xbox One X – wahrscheinlich zusätzlich nachbearbeitet.)(© 2018 Microsoft)

Fazit: Mühe allein genügt nicht

Das nicht nur für Genre-Freunde schier unverwüstliche Szenario macht sicher eine Menge wett, aber die technische Umsetzung ist stellenweise unter aller Kanone: Schlaffe Texturen, holprige Animationen, eine Bildwiederholrate, die diesen Namen nur selten verdient hat und detailarme Figuren und Umgebungen sind absolut nicht auf der Höhe der Zeit. "State of Decay 2" ist optisch genauso ein Rohrkrepierer, wie der Vorgänger. Auf der leistungsstarken Xbox One X oder dem PC sieht es zwar etwas besser aus, vom Hocker hauen wird das aber auch hier sicher niemanden. Schade, denn eigentlich macht die vielschichtige und tiefschürfende Zombie-Hatz eine Menge Spaß – selbst mit dem total verkorksten Koop-Modus. Für die geforderten 30 Euro (doppelter Preis, wenn ihr schon ab dem 18.05. losspielen wollt) geht "State of Decay 2" aber gerade noch durch und sorgt sicher für deutlich mehr Abwechslung als das verunglückte "Sea of Schnarch". Dennoch muss sich Microsoft in Zukunft – besonders im Hinblick auf die zahlreichen und vielversprechenden Exklusiv-Entwicklungen für die Playstation 4 – so langsam mal Gedanken machen, wie es mit dem First-Party-Nachschub hochwertiger Spiele für die Xbox weitergehen soll.

"State of Decay 2" ist ab dem 22.05.18 für Xbox One (X) und Windows 10 PC im Handel oder digital für 29,99 Euro verfügbar und hat die Altersfreigabe "Ab 18 Jahren".

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